Kommentar: Der Telekommunikationsfachhandel ist systemrelevant

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Das Coronavirus hat Deutschland fest im Griff und legt das öffentliche Leben lahm. Und das ist richtig so. Ein ganzes Land wird runtergefahren, damit unser Gesundheitssystem eine Chance hat, die Epidemie zu bewältigen. Dennoch kommt nach der Virus-Krise auch ein wirtschaftlicher Tsunami auf das Land zu.
Symbolbild eines Virus
Corona Virus SymbolbildBildquelle: Adobe Stock

Damit die Wirtschaft zumindest in Teilen weiterarbeiten kann, stellen alle Unternehmen, die das irgendwie können, auf Homeoffice und Teilzeitarbeit um. Ein Land lernt die Möglichkeiten der Digitalisierung im Hauruck-Verfahren. Einige Branchen sind wichtig, damit keine Panik aufkommt und die öffentliche Ordnung aufrechterhalten werden kann. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn Lebensmittel knapp werden, die Warenlogistik zusammenbricht oder die Telekommunikationsnetze versagen.

In Zeiten von Quarantäne und sozialer Distanz kommt dem Internet und den Mobilfunknetzen eine besondere Bedeutung zu. Wie wichtig es Menschen ist, trotz aller Umstände miteinander in Kontakt zu bleiben, sieht man nicht zuletzt an den Flüchtlingen, die zu uns aus den Krisengebieten der Welt kommen. Die Kleidung, die sie tragen, vielleicht ein bisschen Geld und in jedem Fall ein Smartphone sind oft das einzige, was sie aus dem alten Leben retten konnten.

Telekommunikationsfachhandel wichtig für das gesellschaftliche Leben

Unter diesen Gesichtspunkten ist es unverständlich, dass der Telekommunikationsfachhandel nicht zu den systemrelevanten Branchen gehört. Auch in Zeiten des Coronavirus laufen Verträge aus, neigen sich Prepaid-Guthaben dem Ende, gehen Smartphones kaputt oder verloren, brauchen Menschen Beratung und Unterstützung, um weiter am gesellschaftlichen Leben in diesen eingeschränkten Zeiten teilhaben zu können.

Natürlich gibt es zahlreiche Angebote in den Online-Shops der Netzbetreiber oder bei diversen anderen Anbietern wie deinhandy.de oder sparhandy.de – doch nicht alle Kunden wollen oder können auf Angebote aus dem Internet zurückgreifen. Die Gründe dafür sind vielfältig – fehlendes Vertrauen gegenüber dem eher anonymen Internet; Angst, sich für den falschen Tarif oder die falsche Hardware zu entscheiden; Sorge davor, dass Gerät nicht einrichten oder bedienen zu können oder eine einfache Sprachbarriere bei ausländischen Mitbürgern sind ein paar davon.

Senioren brauchen stationäre Läden

Die Bundeskanzlerin verweist darauf, dass die älteren Mitbürger durch das Virus besonders gefährdet sind und deswegen nicht physisch besucht werden sollen. Gerade diese Bevölkerungsgruppe ist aber nicht affin für den Onlinehandel – aber um so mehr darauf angewiesen, dass die Kommunikationsmöglichkeiten über Telefon und Internet funktionieren. Wer hilft diesen Menschen, wenn etwas nicht mehr funktioniert? Was ist mit den Kunden, die ihren offenen Rechnungsbetrag beim Netzbetreiber begleichen wollen, damit der Tarif wieder freigeschaltet wird?

Gerade weil die Aufforderung der Behörden, sich sozial zu distanzieren, so wichtig wie richtig ist, müssen wir sicherstellen, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, digital miteinander in Kontakt zu bleiben. Damit wir niemanden von der Welt abschneiden und damit wirklich jeder zuhause bleiben kann, der nicht unbedingt unterwegs sein muss, muss der TK-Fachhandel für seine Kunden da sein dürfen.

Es wäre sinnvoll, die Beschränkungen des Fernabsatzgesetzes in diesen Zeiten zu lockern, damit TK-Shops ihren Kunden per Telefon weiterhelfen können. Es wäre sinnvoll, wenn Geschäfte zumindest zeitweise öffnen dürften, um Beratung und Service zu leisten. Natürlich immer unter Berücksichtigung aller Vorsichtsmaßnahmen für Kunden und Mitarbeiter. Der Telekommunikationsfachhandel ist systemrelevant.

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2 KOMMENTARE

  1. Das sehe ich anders.
    Klar ist, Telekommunikation ist wichtig. Klar ist, es ist auch Interesse an Geräten und Verträge in Zeiten von Corona.
    Auch dem Teil mit dem Fernabsatz stimme ich voll und ganz zu!
    Aber nicht das diese Läden auf gemacht werden müssen. Alles kann über Internet und Telefon gemacht werden. Bestellungen sind in einem Tag beim Kunden. Familie und Freunde können nicht so versierten Menschen helfen.
    Was bringt es den Laden auf zu machen. Wegen unnötigen Beratungen oder Rechnungsfragen kommen ja gerade die Älteren rein. Teilweise ja auch um Kontakt zu Menschen zu haben. Besonders die Menschen müssen doch geschützt werden. Da bringt es meiner Meinung nach wenig, Läden aufzulassen nur damit die Menschen Kontakt zu anderen haben. (Das gleiche sehe ich auch bei Café und Eisdielen so)

  2. Na, da liegen wir ja gar nicht weit auseinander. Sicherlich könnte man die Situation lösen, ohne dass die Shops tatsächlich normale Öffnungszeiten haben. Das ginge, so ja mein Ansatz im Kommentar, auch stark eingeschränkt. Aber dafür müssten die Regeln des Fernabsatzgesetzes geändert werden. Hier geht es mir auch gar nicht um das Versenden von Hardware, sondern viel mehr um die Abwicklung von Festnetz- oder Mobilfunkverträgen. Aktuell kann ein Shop telefonisch beraten, aber vom Abschluss hat er nichts, weil die Netzbetreiber zwischen online und stationär in der Partnerschaft unterscheiden. In der stationären Partnerschaft ist zB ein 14-tägiges Rücktrittsrecht nicht vorgesehen.

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