Smarte Küchengeräte, Apps und KI-Modelle helfen vielen Menschen schon jetzt im Alltag. Beim Kochen, beim Einkaufen und selbst die Rezepte liefert die künstliche Intelligenz. Vieles wird künftig von Künstlicher Intelligenz übernommen, ist sich auch KI-Inthusiast Filip Miloszewski sicher. Der Mitgründer der Einkaufslisten-App Listonic malt ein Zukunftsbild, in dem Kochbücher, Kochblogs und herkömmliche Einkaufsprospekte von Aldi, Lidl & Co. keinen Platz mehr haben. Wie KI beim Kochen und Einkaufen unseren Alltag verändern wird, verrät er mir im Interview.
KI statt Kochbuch: Die Zukunft der Rezeptwelt?
„Ich bin eher ein AI-Maximalist“, klärt mich Miloszewski auf. Er glaubt, dass KI bald noch mehr in unseren Alltag integriert sein wird. Vorrangig, weil sich mittlerweile jeder an den Umgang mit ChatGPT und Co. gewöhnt hat. „Ein Punkt ist also, dass die Leute ChatGPT wahrscheinlich um Rat fragen werden, wenn es um Produkte geht, was man essen soll, was man tun soll … und um Rezepte.“ Schon jetzt schlage kaum noch jemand ein Kochbuch auf und selbst die Kochblogs im Internet seien längst nicht mehr so gut besucht wie früher.
Der Trend gehe schon seit Längerem in Richtung der Sozialen Medien. Hier fände man „diese coolen, ausgefallenen, viralen, TikTok-artigen, verrückten Rezeptideen, die irgendwo zwischen Unterhaltung und Kochen liegen“. Und das dürfe auch künftig so bleiben. „Vielleicht wird es in ein paar Jahren so sein, dass man für ausgefallene, virale Rezepte auf soziale Medien zurückgreift.“ Aber die Basics wie etwa ein Standard-Pfannkuchenrezept sieht Miloszewski künftig bei der KI.
Kochen mit Sprachassistent
Doch nicht nur die Rezepte, auch der Kochvorgang selber könnte sich mittels KI stark verändern, ist sich der CEO von Listonic sicher. Vor allem dürften KI-Sprachassistenten dazu beitragen.
„Wenn man mit einem dieser Assistenten sprechen kann, wird das eine sehr, sehr große Veränderung sein – so etwas wie ein ‚iPhone-Moment‘ für die Hausautomation und für Innovationen im Haushalt.“
Filip Miloszewski, CEO Listonic
Noch müsse man die jeweilige App erst öffnen, Prompts formulieren und optimieren, um verlässliche Ergebnisse zu generieren – zu umständlich für den Otto-Normal-Verbraucher.
„Ich bin fest davon überzeugt, dass sich diese Entwicklung stark beschleunigen wird und dass dafür kein menschliches Eingreifen mehr nötig sein wird.“
Ohne den Umweg über eine weitere App könne der Sprachassistent in der Küche realistisch zum Alltagshelfer werden.
Bequemlichkeit und Entertainment: Kann KI das vereinen?
Nach der Generierung von Rezepten und der Unterstützung beim Kochen bleibt noch ein Einsatzort übrig: das Einkaufen. Wie wird KI hier unseren Alltag neu gestalten? Miloszewski verweist hier überraschenderweise auf ein altes Traditionsmedium: den Einkaufspropekt. Ja, er scheint immer noch nicht zu kriegen zu sein. Teils nach wie vor gedruckt, teils online, per WhatsApp oder App – viele Verbraucher blättern immer noch gerne durch die Wochenangebote. Das kann auch Listonic nach einer kurzen internen Forschung bestätigen.
Eine Woche habe man Familien und ihre Einkäufe beobachtet und bemerkt, dass über die Hälfte der Probanden mit Prospekten in Berührung kam. Interessant jedoch: Die wenigsten seien dabei auf der Suche nach Schnäppchen gewesen. Tatsächlich habe der Prospekt vielmehr einen Entertainment-Faktor für sie ausgemacht. „Es ist nicht so, dass sie dachten: ‚Okay, ich muss diese Woche Geld sparen.‘ Es ist eher so: ‚Okay, was für verrückte Sachen gibt es im Laden zu kaufen?’“
„Ich glaube, dass angesichts der zunehmenden Verbreitung von KI und sozialen Formaten das Durchblättern von Seiten immer noch ein sehr altes Konzept ist. Ich glaube, dass wir in fünf Jahren etwas sehen werden, das diesen Unterhaltungswert ein bisschen mehr bietet.“
Fazit
Mehr Entertainment und Bequemlichkeit beim Einkaufen, mehr Unterstützung beim Kochen (etwa durch Sprachassistenten) und schnelle Lieferung klassischer Rezepte: Diese Vorteile soll KI laut Miloszewski künftig bieten. Gleichzeitig werden Kochbücher und Kochblogs überflüssig, nur die sozialen Medien bleiben als Quelle für Trend-Rezepte erhalten. Dass KI weiter in unseren Alltag integriert wird, scheint angesichts der jüngsten Entwicklungen in diesem Bereich nahezu unausweichlich. Wie genau dieser Vorgang jedoch vonstatten gehen wird, bleibt abzuwarten.
