Die kuriose Idee klingt, hat jedoch einen ganz anderen Hintergrund. Es geht nicht um ein neues Gastronomie-Konzept oder darum, Kunden länger im Laden zu halten. Vielmehr steckt hinter dem Projekt ein handfestes Problem, das viele Menschen im Alltag kaum wahrnehmen: komplizierte Gesetze rund um den Verkauf von Alkohol.
Strenge Regeln machen Alkoholverkauf kompliziert
Eigentlich wollte Lidl an seinem neuen Standort nichts Besonderes machen. Der Plan war simpel: ein Supermarkt, in dem Kunden wie gewohnt auch Bier, Wein und Spirituosen kaufen können. Doch genau dieses Vorhaben scheiterte an den gesetzlichen Vorgaben. Denn der Verkauf von Alkohol ist in einigen Regionen deutlich strenger geregelt, als viele denken.
Um alkoholische Getränke anbieten zu dürfen, benötigen Händler eine spezielle Genehmigung, die sogenannte Off-Sales-Lizenz. Diese ist jedoch an mehrere Bedingungen geknüpft. Zum einen muss eine bereits bestehende Lizenz von einem anderen Betrieb übernommen werden, beispielsweise von einer Bar oder Kneipe, die ihren Betrieb aufgibt. Diese Hürde sorgt dafür, dass die Anzahl der Verkaufsstellen begrenzt bleibt und nicht beliebig wächst.
Zusätzlich müssen Unternehmen nachweisen, dass es in der jeweiligen Umgebung nicht genügend Möglichkeiten gibt, Alkohol zu kaufen. Genau daran scheiterte Lidl: Der Discounter konnte nicht belegen, dass ein weiterer Verkaufsort notwendig ist. Damit war der klassische Verkauf im Supermarkt zunächst ausgeschlossen.
Die überraschende Lösung: eine eigene Kneipe
Statt das Projekt aufzugeben oder den Standort zu verändern, entschied sich Lidl für einen ungewöhnlichen, aber legalen Weg. Das Projekt entsteht in Nordirland, wo besonders strenge Regeln für den Alkoholverkauf gelten. Genau diese gesetzlichen Besonderheiten haben letztlich dazu geführt, dass ein Lidl-Markt plötzlich zur Kneipe wird. Somit schafft sich Lidl die Voraussetzungen, um Alkohol verkaufen zu dürfen. Denn mit einer entsprechenden Lizenz darf ein Pub nicht nur Getränke vor Ort ausschenken, sondern auch Alkohol zum Mitnehmen anbieten.
Geplant ist eine Kneipe mit Platz für rund 60 Gäste, die direkt neben dem Supermarkt entsteht, allerdings in einem separaten Gebäude. Dort sollen ausgewählte Produkte aus dem Lidl-Sortiment ausgeschenkt und verkauft werden, ergänzt durch Angebote lokaler Anbieter. Für Kunden entsteht damit eine Mischung aus klassischem Einkauf und Gastronomie. Die Lidl-Kneipe soll Plänen zufolge noch in diesem Sommer eröffnen.
