Ein Gerät, zwei Anschlussarten, ein neues Gehäuse: Die FritzBox DSL/Fiber 7-90 ist der erste Router, mit dem Fritz! die alte Modellnummern-Logik hinter sich lässt. Ab Oktober kommt sie über die Provider, im eigenen Shop soll sie zum Jahresende stehen. Die Shopseite selbst nennt derzeit das erste Quartal 2027. 429 Euro ruft der Hersteller auf. Die erste FritzBox für DSL und Glasfaser gleichzeitig ist der neue Router aber nicht. Und das wird in diesem Text noch ein interessanter Punkt. Dabei vergleichen wir die technischen Fakten, keine Messungen. Doch diese Fakten zeigen dir schon eine Menge.
Die Neue ist teurer und langsamer als die Alte
Fritz! verkauft heute die FritzBox 5690 Pro für 339,99 Euro im eigenen Shop. Auch sie funkt auf drei Bändern, auch sie hat ein DSL- und ein Glasfasermodem. Ein Detail unterscheidet sie: Auf 5 und 6 GHz nutzt die Pro Wi-Fi 7, auf 2,4 GHz nur das ältere Wi-Fi 6. Die 7-90 setzt überall auf Wi-Fi 7. Auf dem Papier liegen zwischen beiden knapp 90 Euro. Zugunsten der älteren Box.
Doch beim WLAN geht die Schere noch an einer anderen Stelle auf. Die 5690 Pro bringt es auf 18,4 GBit/s brutto, die 7-90 auf 12,2 GBit/s. Beides sind Summen aller Bänder, die kein einzelnes Gerät je abruft. Aber der Abstand ist real: Im 6-GHz-Band funkt die Pro mit vier Datenströmen und bis zu 11.530 MBit/s, die 7-90 mit zwei und bis zu 5.760 MBit/s.
Bedeutet das im Wohnzimmer den halben Speed? Nein. Die meisten Smartphones und Notebooks arbeiten selbst nur mit höchstens zwei Datenströmen. Für ein einzelnes Gerät ändert der dritte und vierte Datenstrom der Pro deshalb wenig. Der Vorteil liegt theoretisch dort, wo mehrere Geräte gleichzeitig im 6-GHz-Band hängen: Dann kann die Pro die Last besser verteilen. Das ist aber am Ende nur für wenige Nutzer relevant.
Der stille Rückschritt sitzt bei 2,4 GHz
Interessanter ist eine Zahl, die in keiner Werbung auftaucht. Das 2,4-GHz-Band der 7-90 kommt auf 688 MBit/s. Zum Vergleich: Die aktuelle DSL-Box FritzBox 7690 schafft dort 1.376 MBit/s, also das Doppelte, und die 5690 Pro 1.200 MBit/s.
Das 2,4-GHz-Band ist das langsame, aber weitreichende. Es versorgt die Geräte am anderen Ende der Wohnung, die Waschmaschine mit WLAN-Modul, den Saugroboter im Keller. Viele Smarthome-Geräte kommen nur mit dem 2,4-GHz-Band zurecht – sogar manch Kamera. Genau dort halbiert die Neue die maximale Bruttodatenrate gegenüber der DSL-Box 7690.
Die Bruttosumme steigt trotzdem, weil das 6-GHz-Band dazukommt. Hersteller bilden ihre WLAN-Gesamtwerte aus den addierten Maximalraten aller Bänder. Ein Band mehr, eine größere Zahl. Das bringt nur jenen Geräten nichts, die das 6-GHz-Band nicht haben. Das dürften die meisten sein.
Glasfaser: Steckplatz gegen fest verbautes Modul
Ein Unterschied steht in keiner Vergleichstabelle des Herstellers. Die 5690 Pro nimmt ihr Glasfasermodul in einem SFP-Steckplatz auf, also in einem Schacht. Zwei Module liegen bei, eines für GPON, eines für AON. Bei der 7-90 ist das Modul fest eingebaut, kann aber beide Standards.
Beim Glasfaseranschluss enden 7-90, 5690 Pro und 5690 (ohne DSL-Modem) bei 2,5 GBit/s. Denn keiner der Router unterstützt den neuesten Glasfaser-Standard XGS-PON. Doch es gibt bei Fritz! ein (weiteres) Gerät, das mehr kann. Die FritzBox 5690 XGS beherrscht XGS-PON mit bis zu 10 GBit/s, hat einen 10-Gigabit-Port und kostet im Fritz-Shop 338,99 Euro. Das sind 90 Euro weniger als die neue 7-90 und ein Euro weniger als die 5690 Pro. Nachteil: Das Glasfasermodul der XGS ist nicht abwärtskompatibel zu GPON und AON. Läuft dein Anschluss auf einer dieser beiden Techniken, und das ist in Deutschland der Normalfall, kannst du mit dem Gerät nichts anfangen. Dazu funkt die XGS nur auf zwei Bändern, kennt kein Zigbee und hat kein DSL-Modem.
Das Gehäuse der 7-90 ist der eigentliche Fortschritt
Wofür zahlst du also bei der neuen FritzBox DSL/Fiber 7-90 den Aufpreis? Streng genommen für die Form. Das sagt der Hersteller selbst: Anderthalb Jahre Entwicklung stecken in der 7-90. Der größte Teil davon steckt laut Fritz!-Chef Jan Oetjen nicht in der Funktechnik, sondern im Gehäuse.
Die Anschlüsse sitzen unten hinter einer Abdeckung, die Kabel laufen darunter weg. Das schützt vor allem das empfindliche Glasfaserkabel, bei dem ein Knick laut Oetjen zu den häufigsten Ausfallgründen gehört. Die Wandhalterung passt auf die Bohrlöcher älterer Boxen, etwa der 7590. Bohrmaschine kannst du stecken lassen. Aber: Eine Wandmontage ist kein Alleinstellungsmerkmal. Die 7690 kann das auch, im alten Gehäuse. Neu sind der Kabelschacht und die Bohrloch-Kompatibilität, nicht das Prinzip.
Beim Stromverbrauch liegt die Neue mit 11,5 bis 12,5 Watt minimal unter der 5690 Pro mit 12,5 bis 13,5 Watt. Ein Watt Unterschied macht im Dauerbetrieb knapp neun Kilowattstunden im Jahr. Bei 35 Cent je Kilowattstunde sind das gut drei Euro. Das rechtfertigt nicht den Aufpreis.
Drei Details, die erst im Alltag auffallen
USB. Die 7-90 hat USB 2.0. Die 5690 Pro hat USB 3.1. Zum Vergleich: Der ältere Standard gibt theoretisch 480 MBit/s her, der neuere mindestens 5 GBit/s. Für einen Drucker ist das egal. Hängst du eine Festplatte an die Box und nutzt sie als Netzwerkspeicher, ist es der Unterschied zwischen Warten und Arbeiten.
Analoge Telefone. Die 7-90 hat einen Anschluss. Die 7690 hat zwei. Wer von der FritzBox 7590 kommt und dort zwei Geräte hängen hat, muss umbauen.
LAN-Buchsen. Die 5690 Pro hat fünf Anschlüsse, davon vier mit einem Gigabit und einen mit 2,5. Die 7-90 hat vier, davon zwei mit 2,5. Hast du viele Geräte per Kabel verbunden, spricht das für die Pro. Für ein schnelles NAS oder einen Multi-Gig-PC spricht die 7-90. Allerdings: Es gibt auch Switches, die aus einem 2,5-GBit/s-Port viele machen – wenngleich diese dann nicht gleichzeitig mit maximalem Tempo genutzt werden können.
Die FritzBox DSL/Fiber 7-90 im Vergleich
| DSL/Fiber 7-90 | 5690 Pro | 7690 | 5690 | 5690 XGS | |
|---|---|---|---|---|---|
| Anschluss | DSL und Glasfaser | DSL und Glasfaser | DSL | Glasfaser | Glasfaser |
| Glasfaser-Technik | GPON, AON, fest verbaut | GPON, AON, SFP-Slot | keine | GPON, AON, fest verbaut | nur XGS-PON |
| Maximal am Anschluss | 2,5 GBit/s | 2,5 GBit/s | 300 MBit/s (DSL) | 2,5 GBit/s | 10 GBit/s |
| WLAN-Standard | Wi-Fi 7 | Wi-Fi 7, auf 2,4 GHz Wi-Fi 6 | Wi-Fi 7 | Wi-Fi 7 | Wi-Fi 7 |
| WLAN-Bänder | 6, 5 und 2,4 GHz | 6, 5 und 2,4 GHz | 5 und 2,4 GHz | 5 und 2,4 GHz | 5 und 2,4 GHz |
| 6 GHz | 5.760 MBit/s | 11.530 MBit/s | nicht vorhanden | nicht vorhanden | nicht vorhanden |
| 5 GHz | 5.760 MBit/s | 5.760 MBit/s | 5.760 MBit/s | 5.760 MBit/s | 5.760 MBit/s |
| 2,4 GHz | 688 MBit/s | 1.200 MBit/s | 1.376 MBit/s | 688 MBit/s | 1.376 MBit/s |
| WLAN gesamt | 12,2 GBit/s | 18,4 GBit/s | 7,1 GBit/s | 6,4 GBit/s | 7,1 GBit/s |
| 10-Gigabit-Port | nein | nein | nein | nein | 1 |
| 2,5-Gigabit-Ports | 2 | 1 | 2 | 2 | keine |
| Gigabit-Ports | 2 | 4 | 2 | 2 | 4 |
| Analoge Telefone | 1 | 1 | 2 | 1 | 1 |
| Zigbee | ja | ja | ja | nein | nein |
| USB | 2.0 | 3.1 | 2.0 | 3.0 | 3.0 |
| Verbrauch | 11,5 bis 12,5 Watt | 12,5 bis 13,5 Watt | 12 bis 13 Watt | 8 Watt | 8 Watt |
| Preis | 429 Euro | 339,99 Euro | 279,99 Euro | 279,99 Euro | 338,99 Euro |
| Verfügbar | ab Oktober über Provider | jetzt | jetzt | jetzt | jetzt |
Die Alternativen kosten fast 150 Euro weniger
Du weißt, dass du auf absehbare Zeit bei DSL bleibst? Dann brauchst du kein Glasfasermodem, das du nie benutzt. Die FritzBox 7690 kostet 279,99 Euro, hat zwei 2,5-Gigabit-Ports, Zigbee, zwei Analoganschlüsse und das kräftigere 2,4-GHz-Band. Ihr fehlt das 6-GHz-Band.
Du hast Glasfaser über GPON oder AON und wirst kein DSL mehr sehen? Die FritzBox 5690 kostet ebenfalls 279,99 Euro. Sie funkt nur auf zwei Bändern, hat kein Zigbee, dafür USB 3.0 und mit 8 Watt den niedrigsten Verbrauch im Feld, gleichauf mit der XGS.
Beide sparen dir knapp 150 Euro gegenüber der 7-90. Das ist ein guter Repeater, den du vom Restgeld noch dazukaufen kannst und der für die Reichweite mehr bringt als jedes 6-GHz-Band.
Solltest du auf Wi-Fi 8 warten?
Kurze Antwort: nein. Die ersten Chips liegen bei Fritz! im Labor, erste Geräte sollen in der ersten Jahreshälfte 2027 kommen, sofern der Standard bis dahin fertig ist. Zuletzt war eher von 2028 die Rede. Vor allem aber sagt Oetjen selbst, dass Wi-Fi 8 kein höheres Spitzentempo bringt. Besser werden sollen Durchsatz im Alltag, Empfang am Rand des Funknetzes, Übergaben zwischen Repeatern und die Priorisierung von Video- und Sprachpaketen. Das ist sinnvoll. Ein Grund, deshalb zwei Jahre mit einem Router zu leben, der dich heute ausbremst, ist es nicht. Willst du unbedingt schon WiFi 8-Router haben, solltest du zur Konkurrenz gehen.
tl;dr: Welcher Router darf’s sein?
Du hast DSL und willst sparen: FritzBox 7690, 279,99 Euro.
Du hast Glasfaser über GPON oder AON und willst sparen: FritzBox 5690, 279,99 Euro.
Du hast einen XGS-PON-Anschluss: FritzBox 5690 XGS, 338,99 Euro. Sie ist die einzige der fünf, die mehr als 2,5 GBit/s ins Haus lässt, funktioniert aber auch nur an wenigen Anschlüssen.
Du stehst vor dem Wechsel von DSL zu Glasfaser und willst das schnellste WLAN in diesem Vergleichsfeld: FritzBox 5690 Pro für 339,99 Euro. Sie funkt schneller als die Neue, hat den schnelleren USB-Port, mehr Gigabit-Buchsen und ist sofort lieferbar.
Du willst die Box sichtbar aufstellen oder an die Wand hängen, hasst Kabelsalat und hast ein empfindliches Glasfaserkabel im Flur: Dann ist die 7-90 ihr Geld wert. Aber eben nicht wegen der Funktechnik, sondern wegen des Gehäuses. Und wenn dir das zu wenig ist für 429 Euro: Der Formfaktor wird laut Fritz! zur Familie. Eine kleinere Einstiegsvariante und eine Pro-Version sollen folgen. Wer die volle Ausstattung im neuen Kleid will, wartet dann eben auf die.
