Zurück auf Kupfer: Warum dir die Telekom DSL billiger verkauft als Glasfaser

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Die Telekom hole Kunden gezielt vom Glasfaseranschluss zurück auf DSL. Das sagt der Verband ihrer Wettbewerber. Wir haben die Preise der Telekom nachgerechnet. Das Ergebnis stützt den Vorwurf deutlicher, als es dem Bonner Konzern lieb sein dürfte.
Mehrere Würfel mit Telekom-Logo
Telekom: DSL statt GlasfaserBildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

Glasfaser ist die Zukunft. Auf dem Preisschild der Telekom sieht es gerade anders aus: Buchst du bei der Telekom heute einen DSL-Anschluss mit 100 MBit/s, zahlst du über zwei Jahre im Schnitt 29,08 Euro im Monat. Der Glasfaseranschluss mit 150 MBit/s kostet 41,45 Euro. Macht 12,37 Euro Unterschied. Jeden Monat. Zugunsten der alten Kupferleitung. Der Grund: Bei DSL schenkt dir die Telekom 360 Euro Cashback bzw. Onlinevorteil, 100 Euro Routergutschrift und berechnet 3 Monate lang nur knapp 10 Euro monatlich. Bei Glasfaser sind es 20 Euro und nur 100 Euro Cashback. Selbst die Anschlusskosten von knapp 70 Euro fallen bei DSL weg. Um auf den günstigen Durchschnittspreis zu kommen, musst du nicht einmal rechnen. Die Telekom wirbt mit ihm im Laufe des Bestellprozesses.

Was der Wettbewerberverband beobachtet

Das veraltete DSL ist günstiger als Glasfaser. Genau dieses Muster hat der Wettbewerbsverband VATM zum Thema gemacht. Bei einem Pressegespräch in Berlin schilderte Verbandsgeschäftsführer Dr. Frederic Ufer eine Entwicklung, mit der im Verband offenbar niemand gerechnet hatte.

„Dort, wo der Wettbewerb erfolgreich ist, wo ausgebaut wurde und die Kunden bereits zu einem wettbewerblichen Glasfaseranbieter gewechselt sind, steigt die Telekom massiv in den Churn ein und holt die Kunden zurück“, sagte Ufer. „Und zwar nicht auf ihr eigenes Glasfasernetz, das sie im Überbau errichtet, sondern zurück auf DSL.“ Churn ist das Branchenwort für Kundenwechsel.

Ufer stellte die Bewertung ausdrücklich als offene Frage in den Raum: „Ist das normaler Marktwettbewerb, oder ist es ein strategisches Herausboxen der Wettbewerber?“ Dass Menschen, die auf Glasfaser surfen, über besonders günstige DSL-Angebote zurückgeholt werden, sei jedenfalls „überhaupt nicht im Sinne des Erfinders“.

Andreas Walter, der für den Verband die jährliche Marktstudie erstellt, wurde in seiner Wortwahl deutlicher. Die Telekom wolle „diese Kupferkuh so lange wie möglich melken“. Und die Motivlage der Kunden? Aus seiner Sicht ist sie simpel: „Warum wechselt jemand von einem Glasfaserprodukt zurück auf ein DSL-Produkt? Weil er fünf Euro im Monat spart. Oder weil er obendrein Cashback bekommt.“

Wir haben nachgerechnet

Das ist die Sicht des Verbands, der die Wettbewerber der Telekom vertritt. Also die Sicht einer Partei. Interessant wird sie da, wo sie sich nachrechnen lässt. Und sie lässt sich nachrechnen. Wir haben beide Tarifreiter im Telekom-Bestellprozess nebeneinandergelegt: DSL und Glasfaser. Dabei haben wir jeweils die ausgewiesenen Durchschnittspreise über 24 Monate betrachtet.

Telekom DSL vs. Glasfaser

TarifPreis ab Monat 4RabattØ über 24 Monate
DSL 100 MBit/s48,95 €360 €29,08 €
Glasfaser 150 MBit/s45,95 €100 €41,45 €
DSL 250 MBit/s55,95 €300 €37,70 €
Glasfaser 300 MBit/s50,95 €100 €45,82 €

Schau dir die zweite Spalte an. Auf dem Papier ist Glasfaser billiger. Der 150er kostet regulär drei Euro weniger als der DSL-Anschluss mit 100 MBit/s, bei 50 Prozent mehr Bandbreite. Beim nächsten Paar sind es fünf Euro Unterschied.

Auf DSL gibt es bis zu 360 Euro Preisvorteil. Auf Glasfaser sind es 100 Euro. Dazu kommt ein Bereitstellungspreis von 69,95 Euro, der nur bei Glasfaser anfällt und den die Telekom in ihren Durchschnittspreis einrechnet. In der DSL-Rechnung taucht er nicht auf. Zusammen sind das 329,95 Euro Unterschied über die Vertragslaufzeit. Umgerechnet 13,75 Euro im Monat. Die Routergutschrift von 100 Euro gibt es auf beiden Seiten. Sie hebt sich im Vergleich auf.

Noch schräger wird es innerhalb der DSL-Familie. Der langsamste Anschluss mit 16 MBit/s kommt auf 35,33 Euro im Schnitt und ist damit teurer als der schnellere 100er. Denn auf den 16er gibt es keinen Preisvorteil.

Warum die Bundesnetzagentur davon wenig sieht

Für Ufer ist der eigentliche Skandal ein anderer: Nicht der Rabatt selbst, sondern dass er in der Marktaufsicht nicht auftaucht. „Diese Aktionen werden von der Preiskontrolle der Bundesnetzagentur nicht erfasst“, sagte er. „Im Blick sind immer nur die Listenpreise, und die spielen im Markt faktisch keine Rolle mehr.“ Die Leute gingen mit dem Onlinepreis in den Telekom-Shop und bekämen ihn auch. „Der Listenpreis ist nicht mehr der Fixpunkt, und das tut weh.“

Unsere Tabelle zeigt genau diesen Effekt. Wer auf die Liste schaut, sieht ein Unternehmen, das Glasfaser günstiger anbietet als DSL. Wer auf die Rechnung schaut, sieht das Gegenteil. Dahinter steht der Vorwurf der Preis-Kosten-Schere. Gemeint ist, dass ein Konzern seinen Konkurrenten die Vorleistungen zu so hohen Preisen verkauft, dass die im Endkundenmarkt gegen ihn nicht mehr ankommen. Der VATM wirft der Telekom das seit Jahren vor. Walter sagt, der effektive Monatspreis eines Telekom-Anschlusses mit 100 MBit/s liege inzwischen unter dem günstigsten Angebot eines Wettbewerbers bei Verivox. Eine eigene Studie dazu hat der Verband für Ende des Monats angekündigt.

Ein Verbot? Will der Verband nicht

Ein anderer Wettbewerbsverband, der BREKO, hatte zuletzt ein Gedankenmodell in den Raum gestellt, DSL dort gesetzlich zu sperren, wo Glasfaser liegt. Auf unsere Frage danach fiel Ufers Antwort erstaunlich klar aus. Und zwar dagegen. „Wir tun gut daran, die Diskussion nicht zu vergiften, indem wir über Verbote und Vorgaben reden, mit denen man den Menschen etwas wegnimmt“, sagte er. Der Preis-Kosten-Scheren-Test der Bundesnetzagentur sei „der schnellere, objektivere und naheliegendere Weg, als den Menschen zu erzählen: Wir nehmen euch den DSL-Anschluss weg, weil er unmodern ist“. Sein Nachsatz: „Damit macht man Kunden nicht zu Fans.“ Ob das eine Anspielung auf den internen Telekom-Kundenslogan „Kunden zu Fans machen“ war, weiß wohl nur Ufer.

Die Telekom-DSL-Tarife im Überblick - mit Rabatten
Die Telekom-DSL-Tarife im Überblick – mit Rabatten Bildquelle: Screenshot: inside digital

Als Vorbild bringt Analyst Walter Österreich ins Spiel. Dort habe die Regulierung einen Mindestabstand von 25 Prozent zwischen Vorleistungspreis und günstigstem Endkundenpreis vorgegeben. Senkt der frühere Monopolist A1 den Endkundenpreis, muss er die Vorleistung mitsenken. Perfekt funktioniert das aus seiner Sicht auch nicht: A1 gebe inzwischen Rabatte, die das Modell nicht mehr erfasse.

Solltest du zu DSL zurückwechseln?

Kurzfristig: Du sparst gerade Geld, wenn du beim Kupfer bleibst oder wieder dorthin zurückwechselst. Das ist die ehrliche Auskunft. Zwölf Euro im Monat sind über zwei Jahre knapp 300 Euro. Rechne trotzdem genau. Die Rabatte laufen nach 24 Monaten aus, und dann zahlst du den Listenpreis. Beim DSL-Anschluss mit 100 MBit/s sind das 48,95 Euro, beim Glasfaseranschluss mit 150 MBit/s nur 45,95 Euro. Ab Monat 25 dreht sich der Vorteil also um. Allerdings dauert es lange, bis der in den ersten zwei Jahren erlangte finanzielle Vorteil von fast 300 Euro aufgefressen wird.

Dazu kommt das, was die Glasfaser-Anbieter oft schlecht erklären, aber der eigentliche Mehrwert der Leitung ist. Beim Upload trennen sich die Welten: 40 MBit/s bei DSL, 75 MBit/s beim kleinsten Glasfasertarif. Außerdem ist die Leitung stabiler als eine DSL-Leitung, weil sie auf einer neuen Infrastruktur basiert. Auch die Latenz ist deutlich besser. Last but not least: Die Kupferleitung hat ein Ablaufdatum. Die Hersteller haben sich aus der DSL-Entwicklung zurückgezogen; im Pressegespräch war von Mangelverwaltung die Rede. Nicht, weil es kein DSL-Modem mehr gibt, sondern weil die DSL-Technik im Netz irgendwann nicht mehr repariert werden kann. Wer heute auf DSL zurückgeht, macht den Umstieg später trotzdem. Dann eben ein zweites Mal.

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