Einseitige Förderung: Das E-Auto scheitert in Großstädten

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In Großstädten zeigen sich zwar mehr Menschen offen für einen Wechsel vom Verbrenner zum E-Auto. Gekauft werden sie jedoch eher in kleineren Städten und Gemeinden. Wie gerecht sind da die üppigen Förderungen der Bundesregierung?
Neuer E-Auto-Bonus: Bis zu 6.000 Euro – auch für Gebrauchtwagen

Neuer E-Auto-Bonus: Bis zu 6.000 Euro – auch für Gebrauchtwagen

Der Marktanteil von Elektroautos stieg im letzten Jahr deutlich. Fast ein Fünftel aller neu zugelassenen Fahrzeuge verfügte laut Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) über einen elektrischen Antrieb. Im Vergleich zum Vorjahr wird der Zuwachs mit 43,2 Prozent bemessen.

Um diesen Trend weiter zu befeuern und damit die CO2-Emissionen weiter zu senken, hat die Bundesregierung neue, großzügige Förderungen versprochen. Bis zu 6.000 Euro sind möglich. Die Hersteller unterstützen diese Entwicklung ihrerseits mit generösen Rabatten, schließlich drohen ihnen empfindliche Strafzahlungen, wenn sie den CO2-Ausstoß ihrer Fahrzeugflotten nicht weiter senken.

In Großstädten ist die Einstellung zu E-Autos positiver

Allerdings profitieren von den großzügigen Preisnachlässen vor allem Fahrzeughalter in Dörfern und kleinen Städten, wie das aktuelle HUK-E-Barometer zeigt. Die Studie weist zwar darauf hin, dass die Einstellung zu E-Autos in Großstädten insgesamt positiver ist als im ländlichen Raum, im Kaufverhalten spiegelt sich das jedoch nicht wider.

Während in den 15 untersuchten Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern 59 Prozent der Bewohner elektrischen Antrieben positiv gegenüberstehen, sind es auf dem Land nur 45 Prozent. Noch drastischer sind die Unterschiede bei der Kaufabsicht. Demnach würden 30 Prozent der befragten Großstädter beim nächsten Autokauf ein elektrisches Modell wählen. In weniger bevölkerungsstarken Regionen sind es lediglich 15 Prozent.

Auf dem Land werden mehr E-Autos gekauft

Beim tatsächlichen Kaufverhalten kehren sich die Verhältnisse jedoch um. Unter den 15 untersuchten Großstädten weist lediglich Stuttgart mit 4,8 Prozent einen E-Auto-Bestand auf, der über dem aktuellen Bundesdurchschnitt von 3,5 Prozent liegt. Der Landkreis Starnberg kommt als Spitzenreiter dagegen auf einen Anteil von 6,6 Prozent.

Hier wohnen auch die meisten Umsteiger, die von einem klassischen Verbrenner auf ein batterieelektrisch betriebenes Auto wechseln. Ihr Anteil wird mit 10 Prozent beziffert. In den Großstädten schaffen es dagegen nur die Einwohner Düsseldorfs, mit dem bundesdeutschen Durchschnitt mitzuhalten, der an dieser Stelle bei 5,5 Prozent liegt.

Bundesregierung bevorzugt Hausbesitzer

Der Grund für den großen Unterschied zwischen der Einstellung zu E-Autos und dem tatsächlichen Kauf liegt der Studie zufolge vor allem an den Wohnverhältnissen. Drei Viertel der E-Auto-Käufer wohnen im eigenen Haus, das vergleichsweise problemlos mit Solaranlage und Wallbox ausgestattet werden kann. Dagegen fahren nur 18,7 Prozent der Autofahrer, die zur Miete wohnen, elektrisch.

Die Bundesregierung verteilt ihre großzügigen Förderungen damit nicht nur vergleichsweise einseitig, sondern auch wenig zielführend. Hausbesitzer, die ihr Elektroauto an der heimischen Steckdose laden können, fahren schon jetzt sehr günstig. Das gilt insbesondere, wenn der Strom aus der eigenen Solaranlage kommt.

Wer jedoch in der Stadt in einer Mietwohnung lebt, muss genau rechnen, ob sich ein E-Auto lohnt. Die Möglichkeiten, um den Akku günstig zu befüllen, sind am Bordstein begrenzt. Die Preise für Strom an öffentlichen Ladesäulen sind teilweise derart hoch, dass Verbrenner im Vergleich der Energiekosten auf einer Strecke von 100 Kilometern sogar günstiger fahren.

Bildquellen

  • E-Auto-Förderprogramm statt Umweltbonus: Das sind die neuen Prämien: Gemini
  • Neuer E-Auto-Bonus: Bis zu 6.000 Euro – auch für Gebrauchtwagen: YRKA PICTURED / Unsplash

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