Mittagessen. In der rechten Hand eine Gabel, meine Augen auf einen Monitor geheftet. Darauf ein YouTube-Video, das jedoch schnell von einem Werbespot verdrängt wird. Plötzlich erklingen Lobeshymnen für Smartphone-Spiele in meiner Küche. Mir unbekannte Männer und Frauen zeigen sich begeistert. Ihre Spiele scheinen nicht nur neben dem Wort „Spaß“ im Duden aufzutauchen, sondern seien auch noch kostenlos und ohne Werbung. Klingt gut, denke ich und kaue weiter. Doch wenn das Spiel nichts kostet und ohne Werbung auskommt, wie finanziert es sich dann? Ist etwa nicht die App das Produkt, sondern ich und meine Daten? Das mag auch sein, doch in erster Linie haben es die Anbieter auf etwas ganz anderes abgesehen.
Manipulierte Game-Mechaniken mit nur einem Ziel
Wenn es weder die Kaufgebühr, noch Werbeeinkünfte oder Einnahmen aus dem Verkauf personenbezogener Daten sind, worauf haben es die Entwickler dann abgesehen? Die Antwort liegt auf der Hand und wird dennoch schnell übersehen: In-App-Käufe. Laut Berechnungen des Verbands der deutschen Games-Branche, beliefen sich die durch In-App-Käufe erzielten Umsätze auf stolze 3,066 Mrd. Euro (98 Prozent des Gesamtumsatzes). Und das allein in Deutschland und ausschließlich im Jahr 2024. Zum Vergleich: Durch App-Käufe wurden im selben Zeitraum lediglich 4 Millionen Euro eingenommen. Wobei in der Statistik lediglich Spiele-Apps Beachtung fanden.
Wer also glaubt, das beworbene Spiel sei gänzlich kostenlos, der irrt in den meisten Fällen. In Wahrheit können Spiele mit In-App-Käufen sogar zu einer Kostenfalle werden und Nutzer teuer zu stehen kommen. Davor warnt auch die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK). „Besonders bei Spiele-Apps ist es gängige Praxis, dass bestimmte Funktionen nur gegen Geld erworben werden können oder das Spiel z. B. nach den ersten Leveln nur fortgesetzt werden kann, wenn eine Vollversion erworben wird“, so die Beamten. Diese sogenannten In-App-Käufe würden direkt in der App selbst getätigt – immer neue Features würden anhaltend zu weiteren Käufen verlocken.
Konkret gestalten die Entwickler ihre Spiele oftmals absichtlich so, dass sie nur mittels In-App-Käufen langfristig spielbar bleiben. Sie bauen beispielsweise Countdowns ein, die Spieler per Echtgeld-Einsatz zu überspringen vermögen. Oder aber man stellt Spieler vor die Wahl, monatelang spielen zu müssen, um minimale Fortschritte zu erzielen – oder sich die erforderlichen Upgrades sofort für Echtgeld zu erwerben. Nicht falsch verstehen: Das Geld stellt hier keine Abkürzung für ungeduldige Spieler dar. Stattdessen wurden die Spiele so designt, dass man beispielsweise gar nicht vorankommen kann, ohne ein Upgrade vorzunehmen. Ob man gut ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle.
Ein Beispiel aus der Praxis
In einem beliebten Kampfspiel à la Mortal Kombat mit über 100 Mio. Downloads und einer Bewertung von 4,5 Sternen kam ich irgendwann an den Punkt, an dem ich das Duell unmittelbar nach dem Startschuss verlor. Der Grund: eine Gift-Fähigkeit des Gegners. Wobei man mir nicht einmal die Möglichkeit zugestand, mich zu bewegen – nicht für eine Sekunde. Das Können eines Nutzers spielt folglich keinerlei Rolle. Einzig eine neue Rüstung würde zum Sieg führen. Doch diese kostet Geld. Echtes Geld. Und einige Kämpfe weiter, da beginnt das Ganze wieder von Neuem.
Bewusst süchtig machende Spielkonzepte, Glücksspiel-ähnliche Mechaniken und einfach zugängliche In-App-Käufe spülen nichts ahnenden Nutzern das Geld aus den Taschen. Um sich dagegen zu wehren, sollte man sich zunächst einmal darüber klar werden, dass Spiele, Apps, Services und Co. online nur sehr selten wirklich kostenlos sind. Wenn man eine App nicht kaufen muss, dann muss man an anderer Stelle bezahlen. Sei es mit Geld, Zeit oder seinen Daten.
Ob ein Spiel den finanziellen Aufwand wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Doch falls die Antwort „nein“ lautet, kann eine simple Maßnahme dabei unterstützen, nicht zu viel Geld in In-App-Käufe zu investieren. Anstatt dein Konto mit Google Play oder iTunes zu verknüpfen, solltest du lieber auf Guthabenkarten setzen. Ist das Guthaben aufgebraucht, musst du aktiv werden, um an neue Guthabenkarten zu kommen. Das kann als zusätzliche Hürde gegen häufige In-App-Käufe dienen.
