Wenn über Inflation gesprochen wird, denken die meisten zuerst ans Brötchen, an Butter oder an den Wocheneinkauf. Und ja: Vieles im Supermarkt ist deutlich teurer geworden. Doch wer glaubt, dort liege die größte Preisexplosion des Alltags, irrt. Denn ausgerechnet bei Produkten, die fast jeder täglich benutzt, sind die Preise in den vergangenen Jahren noch deutlich stärker gestiegen. Und das nahezu unbemerkt. Zudem ist nur ein einziges Produkt in den vergangenen Jahren deutlich günstiger geworden. Ja, eins.
Teuer dort, wo niemand hinsieht
Das Brötchen kostet heute 40,5 Prozent mehr als im Jahresdurchschnitt 2020. Und der Preis steigt weiter, jeden Monat. Im Mai 2026: Neuer Rekord. Aber die Preisaufschläge sind tatsächlich auch gut begründet. Das Brötchen hat gleich auf mehreren Fronten schlicht Pech gehabt. Teurer Weizen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine etwa. Kein Mehl, kein Brötchen. Teures Mehl, teures Brötchen. Dann die explodierenden Energiekosten, die zwischenzeitlich 127 Prozent über dem Niveau von 2020 lagen. Sie trafen Bäcker härter als fast jede andere Branche. Der dritte Grund: die Arbeit. Der Mindestlohn stieg. Das ist nicht per se schlecht. Aber wer als Bäcker knapp kalkuliert, spürt jeden Cent Lohnerhöhung unmittelbar.
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Und dann ist da noch die stille Katastrophe im Hintergrund: Die deutschen Bäckereien sterben. Tausende traditionelle Betriebe haben in den vergangenen Jahren geschlossen. Überlebt haben vor allem große Ketten und Backfabriken. Weniger Wettbewerb bedeutet weniger Preisdruck. Das Brötchen kostet, was es kostet, und wer es nicht mag, geht eben zur nächsten Kette, die dasselbe verlangt. Doch während das Brötchen für viele der Hauptschuldige in der Preissteigerungsgeschichte ist, steigen die Preise woanders noch deutlicher.
Die Drogerie: Ein Oligopol, das niemand beachtet
Kommen wir zur Zahnpasta, zum Deo und zum Toilettenpapier. Hygiene- und Pflegeprodukte stecken voller petrochemischer Rohstoffe. Paraffine, Emulgatoren, Kunststoffverbindungen: Viele davon Derivate von Erdöl oder Erdgas. Als die Energiepreise 2022 explodierten, explodierten damit auch die Rohstoffkosten für die Hersteller. Dazu kommen Verpackungskosten. Plastiktuben, Kunststoffflaschen, Folien: alles Produkte auf Erdölbasis, alles teurer. Und die Logistik, die ebenfalls von Energiepreisen abhängt.
So weit, so nachvollziehbar. Aber da ist noch etwas anderes, das die Drogerie von der Bäckerei unterscheidet. Die persönliche Pflege ist ein Markt, der von einer Handvoll Konzerne beherrscht wird: Unilever, Procter & Gamble, Henkel, Beiersdorf. Wenige Anbieter, starke Marken, geringer echter Preiswettbewerb. Und eine Besonderheit, die diese Branche auszeichnet: Der Konsument schaut beim Kauf kaum auf den Preis. Beim Brötchen vergleicht man. Bei der Zahnpasta greift man zum gewohnten Produkt, ohne zu überlegen. Das wissen die Hersteller. Und sie nutzen es.
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Wenn niemand vergleicht, ist es einfacher, anzuheben. Die Rohstoffkosten sind gestiegen? Weitergeben. Die Verpackungen wurden teurer? Weitergeben. Und dann noch etwas drauf, weil es ohnehin keiner merkt. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts sind brutal eindeutig. Zahnpasta: plus 48,9 Prozent. Deo: plus 46,6 Prozent. Beide schlagen das Brötchen, ohne dass je groß Tamtam darum gemacht wurde.
Das einzige Produkt, das günstiger wurde
Und dann ist da der Fernseher. Minus 31,7 Prozent. Der einzige Artikel im gesamten Preismonitor, der wirklich günstiger wurde – und das nicht knapp. Warum? Eine Antwort: China. Hersteller wie TCL und Hisense haben in den vergangenen Jahren den europäischen Markt mit günstigen Großbildschirmen geflutet. Produkte aus einem Wirtschaftssystem, das Subventionen, Staatsbankkredite und Skaleneffekte auf eine Art kombiniert, die europäischen Wettbewerbsregeln so nicht kennt. Das Ergebnis ist ein Preiskampf auf dem TV-Markt, von dem der Konsument profitiert. Die europäische Fernsehbranche weniger.
Dazu kommt technologischer Fortschritt. LCD-Panels werden in Massenfertigung systematisch billiger. Jeder Fernseher von heute ist technisch besser als der Fernseher von 2020 – und trotzdem preiswerter. Das Zynische daran: Das Einzige, das in sechs Jahren Inflation wirklich günstiger wurde, ist das Gerät, auf dem viele Menschen abends die Nachrichten über die Inflation schauen.
Warum du dich ärmer fühlst, als die Statistik sagt
Der Verbraucherpreisindex liegt im Mai 2026 bei plus 25 Prozent gegenüber 2020. Dieser Wert ist zwar korrekt, aber er ist eben auch nur ein Mittelwert. Und Mittelwerte lügen nicht, aber sie verschweigen. Der Gesamtindex bildet alle Ausgaben ab, gewichtet nach ihrer Bedeutung im durchschnittlichen Haushalt. Mieten gehen rein. Urlaubsflüge gehen rein. Der Fernseher zieht das Ergebnis nach unten.
Das Problem: Von Fernsehern kann man nicht leben. Man heizt damit nicht die Wohnung. Man isst davon nicht zum Frühstück. Der Fernseher wird billiger, Brötchen, Zahnpasta, Gas, Restaurants und alles andere wird teurer. Andersherum wäre es wohl schöner.

EU hat CO2 Bepreisung beschlossen, und irgendwoher muss das Geld dafür herkommen.
Also, explodieren Energiekosten, Inflationsspirale wurde angestoßen, die Produktionskosten werden an Kunden weitergeleitet, die Löhne werden neu verhandelt, die Inflationsspirale dreht sich weiter.
Dann kommt Korona, auch nicht zu vernachlässigen. Es wurde viel kaputt gemacht.
Dann kommen Kriege, ob NATO oder Russland oder USA oder Israel spielt dabei keine Rolle. Wer Kriege führen will, muss auch Geld dafür haben.
Also, Gesundheitskosten runter, Pflegekosten runter, Sozialleistungen runter.
Die Mieten steigen, Strom und Heizkosten steigen, Versicherungen und Werkstattkosten steigen, usw…….
Die Menschen müssen sparen. Und wo wird am ersten gespart?
Die Menschen sparen am aller ersten am Essen, Urlaub und Auto.
Ob ich ein Brötchen beim Bäcker für 45 Cent oder beim Discounter für 16 Cent kaufe, ist schon gewaltiger Unterschied. Unter solchen Bedienungen haben kleine Bäckereien keine Überlebenschancen.
Zahnpasta & Co., genau so wie die Fernsehgeräte, sind dabei absolut unwichtig.