Arzt ade: Kassenpatienten sollen direkt zur Apotheke

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Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz, und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache überhaupt. Rund 350.000 Menschen sterben hierzulande jedes Jahr daran, das entspricht etwa 40 Prozent aller Sterbefälle.
Vorsorge in der Apotheke
Vorsorge in der ApothekeBildquelle: nitpicker / Shutterstock

Das Erschreckende daran: Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar, wenn die Erkrankungen früh genug erkannt würden. Genau das will die Bundesregierung jetzt angehen. Die Früherkennung von Herzerkrankungen soll in Deutschland grundlegend verbessert werden.

Das soll bald in Apotheken möglich sein

Im Mittelpunkt stehen dabei drei klassische Warnsignale: erhöhter Blutdruck, zu hohe Cholesterinwerte und bisher unerkannter Diabetes. Das Besondere an der Reform ist, dass dafür nicht nur Ärzte zuständig sein sollen. Erstmals soll auch die Apotheke um die Ecke eine zentrale Rolle bei der Herzvorsorge übernehmen. Gegenüber Bild sagte Gesundheitsministerin Warken: „Wir müssen Dinge, die es schon gibt, breiter ausrollen. Ein Beispiel: Es gibt die 3B – das Messen von Blutdruck, Blutzucker, Blutfett.“

So denken Hausärzte, Apotheker und Kardiologen darüber

Der vielleicht überraschendste Teil der Reform betrifft eben die Rolle der Apotheken. Bisher war Herzvorsorge klar Chefsache des Arztes. Künftig sollen Apotheken als Anlaufstellen fungieren. Also für alle leicht erreichbar und keine lange Wartezeit. Aber nicht alle sind von dieser Idee begeistert. Aus den Reihen der Hausärzte kommt deutlicher Widerspruch. Dr. Markus Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, hält nichts von dem Plan.

Seine Kernkritik: Einen einzelnen Messwert zu erheben, ohne ihn in den Gesamtzustand des Patienten einordnen zu können, sei medizinisch wertlos. Um einzuschätzen, ob ein Wert besorgniserregend ist oder nicht, brauche es Kenntnis über Vorerkrankungen, weitere Blutwerte und vieles mehr. Statt Klarheit zu schaffen, würden anlasslose Tests vor allem eines erzeugen: Verunsicherung bei den Patientinnen und Patienten, die anschließend in den Arztpraxen aufgefangen werden müsse.

Ganz anders sieht das der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung, Prof. Stefan Blankenberg. Er befürwortet den Ansatz ausdrücklich. Denn seiner Meinung nach ist „jedes Sichtbarmachen von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhten Blutfett- oder Zuckerwerten wichtig“. Ein solches Angebot sei in Apotheken sinnvoll, weil auf diesem Weg deutlich mehr Menschen erreicht werden könnten. Und das, ohne wochenlang auf einen Arzttermin zu warten.

Auch von der Apothekerschaft gibt es Zuspruch. Franziska Scharpf, Vizepräsidentin der Bundesapothekerkammer, sieht in dem Vorhaben eine Chance. Apotheken seien flächendeckend, schnell erreichbar und verfügten über kompetentes pharmazeutisches Fachpersonal. Sobald der genaue Leistungsumfang und die Vergütung mit den Krankenkassen geklärt seien, könnten die neuen Dienstleistungen starten.

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