Auf dem Papier verspricht das die perfekte Mischung aus Überblick und Detailschärfe für Einfahrt, Garten und Hauseingang. Ob das Konzept im Außeneinsatz aufgeht und ob sich die Tapo C575D für den Preis von rund 130 Euro lohnt, klärt der Test.
Design und Inbetriebnahme der Tapo C575D
Erst kürzlich hat Tapo mit der C245D im Test gezeigt, wozu eine Zwei-Linsen-Kamera imstande ist. Mit der C575D überträgt Tapo die gleiche Idee, nur nach draußen. Statt einer einzelnen Blickrichtung sitzen hier zwei Objektive übereinander in einem einzigen Gehäuse. Oben thront das feststehende Ultraweitwinkelobjektiv, das sich bei der Montage manuell im Bereich von –20 bis 0 Grad neigen lässt. Darunter arbeitet das motorisierte Teleobjektiv-Modul, das per Motor schwenkt und neigt.
Das Design der C575D ist Tapo-typisch. Das mattweiße Gehäuse wirkt schlicht und robust zugleich. Nach Schutzart IP66 ist sie gegen Staub und starkes Strahlwasser geschützt und damit sogar eine Stufe robuster als die Tapo C660 (Test), die sich mit IP65 begnügt. Auch beim Temperaturbereich liegt sie vorn: Tapo gibt -30 bis +60 Grad an, bei der C660 sind es -20 bis +45 Grad.
Stichwort Wetter: Regen, Schnee und Hitze machen ihr in der Praxis keine Probleme. Im Lieferumfang findest du eine Montagehalterung, eine Bohrschablone, Schrauben samt Dübel, eine wasserdichte Dichtung samt Kabelaufsätzen sowie das Netzteil bei.
Der größte Unterschied zur ähnlich teuren C660 steckt jedoch in der Stromversorgung. Denn die C575D betreibst du klassisch per DC-Netzteil oder – für mich der elegantere Weg – per Power over Ethernet mit nur einem Kabel für Strom und Netzwerk. Einen Akku gibt es nicht. Die Funkverbindung ist eine Stärke der Tapo-Kamera. Sie funkt wahlweise im 2,4- oder im schnelleren 5-GHz-Netz und unterstützt sogar Wi-Fi-6-Router. Zwei Antennen sorgen dabei für eine stabile Verbindung. Weniger elegant gelöst ist die Kabelführung: Das Ethernet-Kabel hängt offen aus dem Gehäuse und lässt sich an der Wand nur mit etwas Mühe wirklich sauber verlegen.
Bildqualität der Tapo C575D
Der große Sprung gegenüber der C245D steckt in der Auflösung. Beide Objektive lösen mit 4K auf, während sich die C245D mit 2K begnügt. Das feststehende Ultraweitwinkelobjektiv deckt mit 170 Grad Sichtfeld einen großen Bereich ab und behält deine Einfahrt oder deinen Garten komplett im Blick. Gesichter, Kennzeichen und grobe Details erkennt die Kamera im Test auf Anhieb und zuverlässig.
Der eigentliche Star ist jedoch das Teleobjektiv mit 18-fachem Digitalzoom. Während die Weitwinkellinse die Fläche als Ganzes im Blick behält, holt das Teleobjektiv weiter entfernte Punkte erstaunlich nah heran. Wie bei jedem Digitalzoom nimmt die Detailschärfe mit zunehmender Vergrößerung ab, doch das Ergebnis bleibt dank der hohen Grundauflösung deutlich besser als bei Kameras mit nur einer Linse.
Klasse gelöst ist das Zusammenspiel beider Linsen. Erkennt das feststehende Objektiv eine Bewegung, schwenkt das motorisierte Teleobjektiv automatisch in die entsprechende Richtung und verfolgt das Objekt. Tapo nennt das „synchronisiertes Smart-Tracking“. Praktisch ist zudem, dass du im geteilten Bildschirm gleichzeitig die Übersicht und die herangezoomte Detailaufnahme siehst. Genau das kann die C660 trotz ihrer 360-Grad-Schwenkmechanik nicht: Verfolgt sie eine Person, zeigt sie eben nur diesen Ausschnitt. Der Rest des Grundstücks ist in dem Moment blind. Wer eine breite Einfahrt absichern will, bekommt bei der C575D also fürs praktisch gleiche Geld spürbar mehr Sicherheit.
Die C575D bietet nicht nur klassische Schwarz-Weiß-Infrarotnachtsicht, sondern dank integrierter Spotlights auch eine echte Farbnachtsicht. Ein Smart-Modus wechselt bei Bedarf automatisch zwischen den Varianten.
Mit KI-Funktionen, die kein Abo erfordern
Hinzu kommt, dass die lokale KI-Erkennung im Alltag gut funktioniert. Sie unterscheidet zuverlässig zwischen Personen, Fahrzeugen und Haustieren. Und das ganz ohne kostenpflichtiges Abo. Für den Ernstfall bringt die Kamera zudem eine Sirene und ein Warnlicht zur aktiven Abschreckung mit. Über Mikrofon und Lautsprecher ist außerdem eine Zwei-Wege-Audiokommunikation mit Geräuschunterdrückung möglich. Wie bei den meisten Überwachungskameras ist die Audioqualität allerdings nicht besonders gut.
Was mir in der Tapo-App nicht gefällt, ist die integrierte Werbung. Ich habe beispielsweise während der Tests Einblendungen mit Angeboten zu Tapos Saugroboter RV50 Pro Omni (Test) erhalten. Klar, ein klasse Saugroboter, aber auf Dauer würden mich die Angebote und sonstigen Aktionen in der App stören.
Diese Speicheroptionen gibt es
Was die Aufzeichnung angeht, lässt Tapo seinen Kunden viele Freiheiten. Am wichtigsten dürfte für die meisten die lokale Speicherung sein: Die C575D nimmt microSD-Karten mit bis zu 512 GB auf, die allerdings nicht zum Lieferumfang gehören und separat gekauft werden müssen. Im Anschluss kannst du kontinuierlich und ereignisbasiert direkt im Gerät aufzeichnen und ganz ohne laufende Kosten. Wenn du besonderen Wert auf Datenschutz legst, fährst du damit natürlich am sichersten.
Falls du mehrere Tapo-Kameras betreibst, kannst du die Aufnahmen zusätzlich über einen Tapo-Hub wie den H500 oder H200 bündeln und zentral verwalten. Das spart dir die mühsame Suche in jeder einzelnen Kamera. Darüber hinaus bietet Tapo den optionalen Cloud-Dienst „Tapo Care“ an, der das Videomaterial verschlüsselt für 30 Tage speichert und in der Regel mit einer 30-tägigen Testphase startet. Der große Vorteil der Cloud: Wird die Kamera beschädigt oder gestohlen, verlierst du nicht automatisch deine Aufnahmen.
Am besten finde ich, dass die Smart-Funktionen wie die KI-Erkennung auch komplett ohne Abo funktionieren. Die Cloud ist hier viel mehr eine Komforterweiterung und kein Zwang. Das ist keineswegs selbstverständlich, denn Modelle wie die Ring Outdoor Cam Pro (Test) sperren wichtige Funktionen hinter einer kostenpflichtigen Abo-Schranke.
Fazit: Tapos Dual-Objektiv-Kamera überzeugt
Mit der C575D bringt Tapo sein geniales Dual-Objektiv-System erfolgreich nach draußen. Die Kombination aus festem Weitwinkel und beweglichem 4K-Teleobjektiv löst eines der lästigsten Probleme bei Überwachungskameras: den toten Winkel. Gegenüber der günstigeren Tapo C245D legt die C575D genau dort zu, wo es zählt: 4K statt 2K, echte Farbnachtsicht, Dualband-WLAN und ein wetterfestes IP66-Gehäuse. Allerdings gehen auch bei dieser Kamera Apple-Home-User leer aus, da Matter nicht an Bord ist und nur Alexa, Google Assistant, Samsung SmartThings als kompatible Systeme bestätigt sind.
Gegenüber unserem bisherigen Tipp bis 150 Euro entscheidet am Ende nicht die Bildqualität, sondern der Montageort. Fehlt die Steckdose, bleibt das Tapo C660 KIT (Test) deine erste Wahl für 139,90 Euro bei Amazon. Kannst du dagegen ein Kabel legen, solltest du definitiv zur Tapo C575D greifen: Mit 129,90 Euro kostet sie sogar zehn Euro weniger und deckt dank der zweiten Linse spürbar mehr Fläche ab, ohne beim Verfolgen den Überblick zu verlieren. Wenn du einen festen Außenbereich lückenlos und abosfrei im Blick behalten willst, bekommst du mit der Tapo C575D für rund 130 Euro ein rundum starkes Gesamtpaket.
Vorteile:
- Kombo aus Weitwinkel und beweglichem Teleobjektiv minimiert tote Winkel
- Zwei 4K-Objektive verbaut
- Echte Farbnachtsicht integriert
- Lokale KI-Erkennung ohne erforderliches Abo
- Wetterfestes IP66-Gehäuse mit Sirene und Warnlicht
- Starkes Preis-Leistungs-Verhältnis
Nachteile:
- Offen liegendes Ethernet-Kabel lässt sich nur mit etwas Mühe sauber verlegen
- Kein Akkubetrieb möglich (Netz- oder PoE-Anschluss erforderlich)
- In-App-Werbung enthalten
Für rund 130 Euro bekommst du von Tapo mit der C575D eine Outdoor-Überwachungskamera, die im Alltag mit einem Dual-Objektiv-System überzeugt. Einzig eine Solar-Option gibt es nicht. Das ist aber nicht schlimm, da die Kamera per Power over Ethernet betrieben wird.
