Oral-B iO 9N im Test: Zähneputzen neu gelernt

9 Minuten
Stell dir vor, du benutzt eine neue elektrische Zahnbürste und stellst dabei fest: Auweia, bisher habe ich beim Zähneputzen aber einiges nicht so ganz richtig gemacht. So erging es mir während meines mehrwöchigen Tests der Oral-B iO 9N.
Oral B iO 9N liegt auf einem Handtuch neben einem Smartphone mit geöffneter Oral-B App.
Die Oral-B macht das Zähneputzen mit künstlicher Intelligenz (KI) komfortabler.Bildquelle: Hayo Lücke / inside digital

Weg von der Schallzahnbürste, hin zum runden Bürstenkopf. So lässt sich in einem Satz mein Experiment beschreiben, das ich in den vergangenen knapp acht Wochen auf mich genommen habe. Denn statt meine gewohnte Philips Sonicare Zahnbürste zu benutzen, bin ich im Rahmen eines Tests auf die Oral-B iO Series 9N umgestiegen. Und das – so viel sei an dieser Stelle vorab verraten – mit überraschendem Ergebnis.

Oral-B iO 9N Test – Viele sinnvolle Extras

Äußerlich sind bei dieser elektrischen Zahnbürste aus dem Hause Braun zwei Dinge hervorzuheben. Zum einen der rotierende Bürstenkopf mit Mikrovibrationen. Zum anderen, das interaktive OLED-Farbdisplay am Handstück der Oral-B iO 9N. Es informiert nicht nur über die auswählbaren Putzmodi, sondern auch über die Dauer eines jeden Putzvorgangs. Außerdem soll auf dem kleinen Bildschirm ein Hinweis erscheinen, sobald man den Bürstenkopf wechseln sollte.

Ein Smiley zeigt obendrein im Anschluss einer jeden Putzsession an, ob sie gründlich genug war. Erscheint an dieser Stelle ein traurig anmutendes Strichgesicht, solltest du dir Gedanken über eine gründliche Zahnputztechnik machen. Allerdings: Im Alltag hat sich bei mir gezeigt, dass ich dem kleinen Bildschirm eher wenig Beachtung schenke. Viel mehr habe ich mich auf jene Informationen konzentriert, die in der zugehörigen Oral-B iO App abrufbar sind. Aber dazu später mehr.

Oral-B iO 9N im Test - OLED-Display
Das kleine OLED-Display der Oral-B iO 9N liefert zahlreiche hilfreiche Informationen.

LED-Ring gibt optische Hinweise

Zunächst möchte ich nämlich noch auf ein weiteres Feature eingehen, das mir bei der Oral-B iO 9N gefallen hat: die intelligente Andruckkontrolle. Direkt unter der Aufsteckbürste ist im Handstück der Zahnbürste ein LED-Ring verbaut. Standardmäßig leuchtet er in Weiß, du kannst aber in den Einstellungen der Zahnbürste auch Blau, Türkis, Pink, Gelb oder Orange auswählen. In der App stehen fünf weitere Farben zur Auswahl.

Zu Beginn eines Putzvorgangs leuchtet der kleine Leuchtring in der von dir ausgewählten Farbe. Setzt du die Zahnbürste nun mit leichtem Druck an deinen Zähnen an, wechselt die Farbe auf Grün. Ein klares Zeichen für: alles okay! Sobald du aber zu viel Druck auf Zahnfleisch und Zähne ausübst, leuchtet der LED-Ring rot. Parallel dazu erscheint bei aktivierter App auch dort ein entsprechender Hinweis. Anders als bei Sonicare-Zahnbürsten von Philips gibt es jedoch kein haptisches Feedback in Form einer Vibration. Aber: Sehr wohl vibriert die Zahnbürste, wenn du einen Zahnflächenbereich im Mund ausreichend gereinigt hast und es an der Zeit ist, zum nächsten Abschnitt überzugehen.

Oral-B iO Series 9 Andruckkontrolle
Ein LED-Leuchtring informiert, ob du beim Putzen zu viel Druck auf das Zahnfleisch ausübst.

Grundsätzlich haben Nutzer der Oral-B iO 9N die Möglichkeit, verschiedene Zahnputzmodi zu verwenden: sieben an der Zahl. 1. Tägliche Reinigung (Daily Clean), 2. Sensitiv, 3. Super Sensitiv, 4. Zungenreinigung, 5. Zahnfleischschutz, 6. Intensive Reinigung, 7. Aufhellen. Wenn du Zahnpflege-Anleitungen in der App nutzt, also gewisse Zahnputzroutinen trainierst, können einzelne noch nicht „erlernte“ Modi aber gesperrt sein. Das hat mich im Rahmen meines Tests immer wieder irritiert, weil ich in der App auch keine Möglichkeit gefunden habe, die gesperrten Modi (vorübergehend) freizuschalten.

Die App: Hilfreicher als gedacht

Mein persönliches Highlight ist bei der Oral-B iO 9N aber die zugehörige App. Sie steht sowohl für Android-Smartphones als auch für iPhones zur Verfügung und erlaubt unter anderem einen „geführten“ Zahnputzvorgang. Als Nutzer siehst du in der App dann eine Grafik, die dir veranschaulicht, welche der insgesamt 16 Zahnputzflächen bereits ausreichend gereinigt wurden.

Screenshots aus der Oral-B iO App.
Anschaulich präsentiert sich die iO-App von Oral-B beim geführten Zähneputzen.

Im Anschluss an jedes Putzen im Modus Daily Clean erinnert die App nicht nur daran, nachrangig die Zunge mit einer Reinigung zu bedenken. Auch die Verwendung von Zahnseide und einer Mundspülung wird kontinuierlich für eine bestmögliche Mundhygiene empfohlen. Zum Abschluss wird Nutzern ein Score angezeigt (Optimum: 100), der unter Einbeziehung von Putzdauer, Gründlichkeit und Andruckkontrolle den gesamten Putzvorgang dokumentiert. Ich habe während meines zweimonatigen Tests einen Punktedurchschnitt von 95 erreicht. Die 100 habe ich primär wegen eines häufig zu hohen Drucks auf das Zahnfleisch verfehlt.

Nur beiläufig sei an dieser Stelle erwähnt, dass in der App die Ergebnisse sämtlicher Zahnputz-Sessions gespeichert werden. Auch das Sammeln von virtuellen Medaillen als Belohnung für bestimmte Erfolge ist hier möglich. Und natürlich kannst du in der App auch verschiedene Einstellungen anpassen.

Irritierend: In Verbindung mit einem iPhone hat die App das Zahnputztagebuch einen Tag zu früh begonnen – an einem Mittwoch, statt an einem Donnerstag. Ein Fehler, der auch bei anderen Nutzern auftritt und der sich nachträglich nicht korrigieren lässt. In einem solchen Fall hilft nur ein Zurücksetzen auf die Werkeinstellungen samt neuer Einrichtung.

Rotierender Bürstenkopf sorgt für gründliche Reinigung

Bei der täglichen Nutzung sind mir vorrangig zwei Dinge aufgefallen. Zum einen die für mein persönliches Empfinden gründliche Reinigung. In der Vergangenheit hatte ich oft Probleme, insbesondere die hinteren Backenzähne im Oberkiefer komplett zu reinigen. An den hinteren Flächen habe ich immer wieder Ablagerungen gespürt. Nach Nutzung der Oral-B iO 9N durfte ich im Anschluss an das Putzen auch dort mit der Zunge eine angenehm glatte Zahnoberfläche erfühlen. Ein klares Zeichen für eine gründliche Reinigung.

Oral-B iO Bürstenkopf
Die Bürstenköpfe zeigen über verblassende, Indikatoren, wann es Zeit wird, einen Wechsel zu tätigen.

Praktisch jeden Putzvorgang habe ich übrigens unter Einbeziehung der Oral-B App vollendet. Denn wenn ich meine Zähne mal ohne Blick auf die in der App laufende und mit künstlicher Intelligenz arbeitende 3D-Zahnflächenanalyse gereinigt habe, wurde mir direkt vor Augen geführt, dass ich einzelne Zahnflächen überraschend regelmäßig fast schon sträflich vernachlässige. Schnell wurde mir klar, dass zu einem gründlichen Reinigen mehr gehört, als eine Zahnbürste nur von links nach rechts und wieder zurückzubewegen. Weitere Erkenntnis: Ein gründlicher Putzvorgang dauert eher drei, statt nur zwei Minuten.

Gibt es auch etwas, das ich kritisieren möchte? Aber ja! Denn zu meiner Überraschung, passiert es mir auch heute, zwei Monate nach der ersten Nutzung, noch immer wieder, dass ich im Bad am Waschbecken stehe und denke: Was für eine Sauerei. Denn bei der Nutzung muss ich immer wieder feststellen, dass ein Mix aus Speichel und Zahncreme die Zahnbürste entlang und weiter bis zur führenden Hand läuft, um anschließend ins Waschbecken oder gar auf den Boden zu tropfen. Wirklich hygienisch ist das nicht. Zur Wahrheit gehört aber auch die Erkenntnis, dass sich dieses Problem in den vergangenen Wochen kontinuierlich verringert hat. Ob es am Wechsel von der Philips-Bürste zur Oral-B-Bürste liegt und mein Mund sich zunächst umgewöhnen muss?

Handhygiene mit der Oral-B iO 9N lässt zu wünschen übrig.
Während der ersten Tage ließ die Handhygiene nach Verwendung der Oral-B iO 9N zu wünschen übrig.

Akkulaufzeit: allenfalls solide

Genauer habe ich mir natürlich auch angesehen, wie sich die Oral-B iO 9 hinsichtlich der Akkulaufzeit schlägt. Und die fällt recht kurz aus. Der verbaute Akku hält bei zwei täglichen Zahnputz-Einheiten im „Daily-Clean“-Modus etwa sechs Tage. Wer die tägliche Zahnputzroutine auf einen Durchgang beschränkt, kommt knapp zwei Wochen mit einer Akkuladung aus.

Tendenziell klingt das gar nicht schlecht, man darf aber eines nicht vergessen: Wenn man zum Beispiel auch regelmäßig die Reinigung der Zunge durchführt – Experten empfehlen dies täglich zu tun, um etwa Mundgeruch zu verhindern – sinkt die Akkulaufzeit nochmals signifikant. Tipp: Sobald die Akkukapazität unter 10 Prozent sinkt, solltest du sie aufladen. Ansonsten kann es passieren, dass du einen weiteren Putzvorgang nicht mehr wie gewohnt abschließen kannst.

Ladevorgang der elektrischen Zahnbürste Oral-B iO 9N.
Oral-B iO 9N lädt auf der elektrischen Ladestation.

Solltest du deine Oral-B IO 9N mit in den Urlaub nehmen, ist es deswegen ratsam, stets auch das magnetische Ladegerät dabei zu haben. Eine Wiederaufladung geht übrigens recht flott über die Bühne. Im Rahmen unseres Tests haben wir im Schnitt 2,25 Stunden gemessen. Praktisch: Im Lieferumfang ist ein „Power2Go“-Lade-Reise-Etui ebenso inklusive wie ein Mini-Etui für zwei weitere Aufsteckbürsten.

Fazit: Einfach gut

Die Oral-B IO 9N entpuppt sich im Test nicht nur hinsichtlich der gründlichen Zahnreinigung als gut, sondern auch als innovativ. Denn die Möglichkeit, das Smartphone samt App in die tägliche Routine der Zahnpflege mit einzubeziehen, erweist sich als ausgesprochen aufschlussreich. Das hat allerdings seinen Preis. Denn günstig ist diese elektrische Premium-Zahnbürste nicht. Und: Mit der Hygiene an der führenden Hand ist es während des Reinigens auch so eine Sache. Trotzdem überwiegen die Vorteile klar.

Vorteile

  • sehr sauberes Zahngefühl nach jeder Reinigung
  • auch Rückseiten der hinteren Backenzähne werden gut gereinigt
  • 7 verfügbare Zahnputz-Modi
  • Andruckkontrolle warnt optisch bei zu viel Druck auf das Zahnfleisch
  • umfangreiches Zubehör im Lieferumfang inklusive

Nachteile

  • mäßige Hygiene am Handstück und an der führenden Hand während des Putzens
  • keine überragende Akkulaufzeit
  • Zahnbürste selbst und vor allem Ersatz-Aufsteckbürsten recht teuer

Was kostet die Oral-B iO 9?

Die Oral-B iO Serie 9 kostet laut unverbindlichem Verkaufspreis (UVP) des Herstellers knapp 400 Euro. Oral-B selbst bietet die Zahnbürste über den hauseigenen Webshop in Weiß, Schwarz und Violett aktuell aber bereits mit zwei Jahren Garantie signifikant reduziert zu einem Preis ab knapp 205 Euro an. Im Online-Fachhandel kannst du zu Preisen ab 189 Euro zuschlagen. Wichtig dabei: Jeder Käufer hat die Möglichkeit, die Zahnbürste 30 Tage zu testen. Bei Nichtgefallen ist ohne nähere Begründung eine Rücksendung möglich.

Ersatzbürsten sind vergleichsweise teuer. Sie kosten pro Stück in der Ausführung der „Ultimative Reinigung“ rechnerisch mindestens knapp 6,50 Euro. Mindestens knapp 6 Euro pro Stück sind für Aufsteckbürsten in der Ausführung „Sanfte Reinigug“ für empfindliche Zähne zu zahlen. Der tatsächliche Stückpreis ist abhängig davon, für welche Stückzahl du dich beim Kauf entscheidest.

Übrigens: Voraussichtlich im Herbst dieses Jahres wird die Oral-B iO 9 einen Nachfolger erhalten. Dann soll nämlich die Oral-B iO 10 erscheinen.

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Bildquellen

  • Oral-B iO 9N im Test – Display: Hayo Lücke / inside digital
  • Oral-B iO Series 9 Andruckkontrolle: Hayo Lücke / inside digital / Braun
  • Oral-B iO App Screenshots nach Test: Hayo Lücke / inside digital
  • Oral-B iO Bürstenkopf: Hayo Lücke / inside digital
  • Oral-B iO 9N nach dem Putzen im Test.: Hayo Lücke / inside digital
  • Ladevorgang der elektrischen Zahnbürste Oral-B iO 9N.: Hayo Lücke / inside digital
  • Playbrush Smart Sonic: Elektrische Zahnbürste für Kinder im Test: Blasius Kawalkowski
  • Oral-B iO 9N im Test: Zähneputzen neu gelernt: Hayo Lücke / inside digital

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