Ich habe im Podcast einen Satz gesagt, den ich genauso wieder sagen würde. Er steht im Raum, unwiderruflich, ungefähr so, wie eine Wero-Überweisung unwiderruflich ist. Dazu komme ich gleich noch. Mittendrin, fast im Vorbeigehen, während es eigentlich um Wero gehen sollte: „Ich will jetzt nicht den Teufel an die Wand malen, aber ich kann mir vorstellen, dass das das Ende aller Banken sein könnte.“
Wero: Die PayPal-Alternative?
Gemeint war der digitale Euro. Johanna, die die Folge moderiert hat, nannte es sofort den Hot Take der Folge. Zu Recht. Aber der Reihe nach. Bis dahin ist es ein weiter Weg voller Enttäuschungen, Werbeplakate und einer spanischen Alternative namens Bizum, die im Grunde alles kann, was Wero irgendwann mal können soll.
Wero gibt es seit zwei Jahren. Es sollte die europäische Antwort auf PayPal werden, gebaut von einem Bankenkonsortium, das offenbar keine Lust mehr hatte, amerikanischen Zahlungsdienstleistern beim Geldverdienen zuzusehen.
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Die Idee ist charmant: Geld direkt von Bankkonto zu Bankkonto, ohne IBAN-Eintippen, ohne Zwischenlager bei einem dritten Anbieter, ohne dass PayPal an jeder Transaktion mitverdient. Man wählt einen Kontakt aus der eigenen Banking-App, tippt einen Betrag ein, fertig. Klingt nach der Zukunft des Bezahlens. Nur will die Zukunft offenbar noch nicht so richtig.
Kaum jemand kennt es
Ich habe vor der Aufnahme eine Umfrage in unserem WhatsApp-Kanal life & money gemacht. Rund 200 Menschen haben geantwortet. Sieben davon nutzen Wero regelmäßig. Über 150 wussten nicht einmal, dass es die App gibt. Das ist kein Fehlstart. Das ist eher so, als würde man eine Party schmeißen und am Ende zählen, wer wirklich gekommen ist: eine Handvoll Leute und der Vermieter. Und dann ist da noch die Sache mit „europäisch“.
Wero wirbt mit dem Made-in-Europe-Argument und mit weniger Datensammlung als bei großen US-Diensten. Nur: Wer in Spanien versucht, seine Bank bei Wero zu hinterlegen, findet keine einzige spanische Bank in der Liste. Dort läuft längst Bizum. In Italien gibt es mit Bancomat ein ähnliches System.
Immerhin sollen Wero, Bizum, Bancomat, das portugiesische MB Way und der nordische Anbieter Vipps künftig miteinander sprechen können. Rund 130 Millionen Nutzer in 13 Ländern wären damit erreichbar. Erste Zahlungen zwischen den Apps sind noch für dieses Jahr angekündigt, der Handel soll 2027 folgen.
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Bis dahin ist die europäische Alternative zu PayPal ein bisschen wie ein Allradauto, bei dem zwei Räder erst nächstes Jahr montiert werden. Das Grundproblem sitzt allerdings tiefer als schlechtes Marketing.
Wero: Eine Totgeburt?
Wero steckt in genau dem Henne-Ei-Dilemma, das neue Zahlungsinfrastrukturen killen kann: Verbraucher nutzen es erst, wenn Händler es anbieten. Händler bieten es erst an, wenn Verbraucher es schon nutzen. Dazwischen ist gerade ziemlich viel Nichts.
Online bezahlen kann man mit Wero nur in einigen ausgewählten Shops. Einen Käuferschutz für den Betrugsfall gibt es bislang nicht. Und das Geld ist bei einer Wero-Überweisung sofort weg, unwiderruflich. Keine Bank, die noch schnell auf den roten Knopf drücken kann. PayPal, bei allen Datenschutzbedenken, holt sein Geld im Zweifel zurück. Wero nicht. Ein Sicherheitsnetz, das genau in dem Moment fehlt, in dem man es am dringendsten brauchen könnte.
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Im Podcast habe ich Wero deshalb mit SIMSme verglichen, jenem deutschen WhatsApp-Konkurrenten von vor einigen Jahren. Gebaut von der Deutschen Post AG mit viel gutem Willen und noch mehr Werbebudget. Datenschutz, Made in Germany, alles da. Genutzt hat es am Ende kaum jemand, weil alle Kontakte längst bei WhatsApp waren. Das Ding ist, meine Worte, „elendig krepiert“. Wero droht dasselbe Schicksal. Nur mit Bankenkonsortium statt Telekom-Riesen als Trauergemeinde. Und damit sind wir wieder bei meinem Satz aus dem Podcast.
Das Ende der Banken?
Denn Wero ist nicht die einzige europäische Zahlungsbaustelle, an der gerade gearbeitet wird. Genau die Banken, die Millionen in Wero stecken, um sich gegen PayPal zu behaupten, sollen nach dem aktuellen EZB-Plan gleichzeitig eine weitere Möglichkeit schaffen, mit der Menschen digital bezahlen und Geld halten können: den digitalen Euro.
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Zugegeben: Ganz so dramatisch, wie mein „Ende aller Banken“-Satz klingt, ist der aktuelle Plan nicht. Die EZB will ein Haltelimit von rund 3.000 Euro pro Person. Beträge darüber sollen automatisch auf das normale Bankkonto zurückfließen. Genau damit soll verhindert werden, dass Menschen ihr Geld massenhaft von Geschäftsbanken abziehen.
Und bis der digitale Euro überhaupt kommt, ist noch Zeit. Das EU-Parlament hat sein Verhandlungsmandat im Juli 2026 freigegeben, jetzt läuft der Trilog. Eine Einführung wäre frühestens 2029 realistisch. Die entscheidende Frage liegt deshalb gar nicht bei den 3.000 Euro.
Wie viel Bank braucht es wirklich?
Sie lautet: Was passiert, wenn der digitale Euro sich erst einmal etabliert hat? Was passiert, wenn irgendwann der politische Druck wächst, dieses Limit anzuheben? Dann könnte aus einer kleinen digitalen Geldbörse langsam etwas werden, das näher an einem eigenen Konto liegt. Und plötzlich bekommt mein ziemlich dramatischer Podcast-Satz einen etwas weniger absurden Kern.
Wero soll die Banken vor PayPal retten. Der digitale Euro könnte, wenn seine Grenzen irgendwann gelockert werden, die Rolle der Banken grundlegend verändern. Oder, noch zugespitzter: Wie viel Bank braucht es eigentlich noch, wenn das Geld direkt in einer europäischen digitalen Infrastruktur liegt? Das ist keine Vorhersage. Im Moment ist es eine Frage.
Alles gleichzeitig
Und genau deshalb finde ich die Kombination aus Wero und digitalem Euro so interessant. Die Banken bauen gerade an einer europäischen Alternative zu PayPal, während parallel eine europäische Zahlungsinfrastruktur entsteht, die ihre eigene Rolle verändern könnte.
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Beides gleichzeitig zu verfolgen, ist ein bisschen wie eine Diät zu machen, während man den Kühlschrank neu bestückt. Ob Wero in ein paar Jahren tatsächlich an jeder Kasse funktioniert, weiß im Moment niemand, auch ich nicht.
Genau darüber haben wir in der neuen Podcastfolge gesprochen: über Wero, den digitalen Euro, die neue Kontonummer DEAN und die Frage, wer am Ende überhaupt noch eine Bank braucht. Mein Fazit aus dem Podcast bleibt trotzdem dreigeteilt und ziemlich ehrlich: gut, unnötig und noch nicht fertig. Alles gleichzeitig. Hier geht es zur neuen Podcastfolge von überMORGEN:
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