Ob Lohnsteuer oder Mehrwertsteuer, ob Grund-, Erbschafts- oder Kfz-Steuer: In Deutschland gibt es das Vielsteuersystem mit über 40 verschiedenen Steuerarten. Fast alle müssen von nahezu jedem bezahlt werden. Doch von einer Steuer kann man sich befreien lassen. Und davon profitieren rund 18 Millionen Deutsche, die viele Hundert bis weit über 1.000 Euro jährlich sparen können.
So viel geht direkt vom Gehalt ab
Das Durchschnittsgehalt von Vollzeitbeschäftigten lag im April 2025 bei 4.784 Euro brutto. In Steuerklasse 1, kinderlos und gesetzlich versichert, behält der Arbeitgeber davon nach dem Tarif 2026 rund 720 Euro Lohnsteuer im Monat ein. Die Kirchensteuer berechnet sich nicht vom Brutto, sondern von dieser Lohnsteuer: In allen Bundesländern außer Bayern und Baden-Württemberg sind es 9 Prozent, in diesen beiden Ländern 8 Prozent. Beim Durchschnittsverdiener macht das rund 65 Euro im Monat und rund 780 Euro im Jahr.
Was unterm Strich übrig bleibt
Die rechte Spalte der Tabelle ist die ehrlichere. Gezahlte Kirchensteuer lässt sich als Sonderausgabe voll absetzen, sie senkt also das zu versteuernde Einkommen und damit die Einkommensteuer. Wer austritt, verliert diesen Abzug. Beim Durchschnittsgehalt liegt der Grenzsteuersatz bei etwa 33 Prozent. Rund ein Drittel der gesparten Kirchensteuer holt sich das Finanzamt also über die Einkommensteuer zurück. Aus 780 Euro werden so rund 520 Euro.
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Diesen Vorteil gibt es allerdings nur über die Steuererklärung, denn der monatliche Lohnsteuerabzug berücksichtigt ihn nicht. Wer keine Erklärung abgibt, verschenkt ihn ohnehin. Für diese Gruppe spart ein Austritt tatsächlich die volle Summe.
Die Kirche kassiert auch bei ETFs mit ab
Kirchensteuer fällt nicht nur aufs Gehalt an. Banken ziehen sie automatisch auch von Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen ab, sobald der Sparerpauschbetrag ausgeschöpft ist. Statt 26,375 Prozent Abgeltungsteuer samt Soli werden dann knapp 28 Prozent fällig. Für die Kirchen lohnt sich das zunehmend: Die evangelischen Einnahmen aus der Kirchensteuer auf Kapitalerträge wuchsen innerhalb eines Jahres um 23,4 Prozent auf 445,8 Millionen Euro. Wer per ETF-Sparplan fürs Alter vorsorgt, zahlt also über Jahrzehnte doppelt Kirchensteuer, einmal auf den Lohn und einmal auf die Rendite.
Mehr als 650.000 Austritte – und trotzdem mehr Geld
Die Kirchen schrumpfen weiter. Ende 2025 hatten beide großen Kirchen zusammen noch 36,6 Millionen Mitglieder, rund 1,2 Millionen weniger als ein Jahr zuvor. Aus der katholischen Kirche traten 307.117 Menschen aus, die evangelische Kirche meldete rund 350.000 Austritte bei nur noch rund 17,4 Millionen Mitgliedern. Kirchensteuer zahlt davon nur rund die Hälfte. Kinder, Geringverdiener und viele Rentner zahlen keine Lohn- oder Einkommensteuer und damit auch keine Kirchensteuer. Übrig bleiben etwa 18 Millionen Zahler.
Die Einnahmen steigen trotzdem. Die 27 katholischen Bistümer nahmen 2025 rund 6,75 Milliarden Euro ein, die 20 evangelischen Landeskirchen rund 6,09 Milliarden. Zusammen sind das etwa 12,84 Milliarden Euro, ein Plus von 1,9 Prozent. Das Paradox hat eine banale Erklärung: Löhne, Einkommen und Kapitalerträge steigen, und mit der Einkommensteuer steigt automatisch auch die Kirchensteuer. Weniger Mitglieder zahlen also mehr pro Kopf.
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Lange hält das nicht mehr. Nach Abzug der Inflation melden beide Kirchen bereits leichte Rückgänge. Mittelfristig rechnen sie mit deutlich sinkenden Einnahmen, weil Austritte, Todesfälle und der Ruhestand der Babyboomer die Zahl der Zahler schrumpfen lassen.
So funktioniert der Austritt
Eine E-Mail ans Pfarramt reicht nicht. Nötig ist eine förmliche Erklärung vor einer Behörde, ohne sie endet die Kirchensteuerpflicht nicht. In Nordrhein-Westfalen ist dafür das Amtsgericht zuständig, in den meisten anderen Ländern das Standesamt. Die Gebühr legt jedes Bundesland selbst fest. Meist liegt sie bei rund 30 Euro, in einigen Ländern ist der Austritt kostenlos.
Einen Fall übersehen viele: Ist nur ein Ehepartner Kirchenmitglied und verdient selbst wenig oder nichts, kann das besondere Kirchgeld fällig werden. Es richtet sich nach dem gemeinsamen Einkommen des Paares und reicht je nach Stufe von 96 bis 3.600 Euro im Jahr. Bei den katholischen Bistümern bleibt ein gemeinsames zu versteuerndes Einkommen von bis zu 50.000 Euro seit 2025 kirchgeldfrei.
Was man mit dem Austritt aufgibt
Die Kirchensteuer zahlt nur, wer Mitglied der katholischen oder evangelischen Kirche ist. Diese Mitgliedschaft lässt sich kündigen. Genau genommen ist die Kirchensteuer deshalb keine freiwillige Steuer. Wer Mitglied ist, muss zahlen, eine Befreiung gibt es nicht. Freiwillig ist allein die Mitgliedschaft. Das klingt nach Haarspalterei, ist aber der entscheidende Punkt: Wer die Steuer loswerden will, muss austreten.
Wer austritt, spart sich zwar die Steuer, verliert aber unter Umständen den Zugang zu kirchlichen Leistungen: die kirchliche Trauung, das Patenamt oder eine kirchliche Beerdigung. Das Argument, man entziehe damit Caritas und Diakonie das Geld, trägt dagegen nur begrenzt. Die Kirchensteuer finanziert in erster Linie das Personal der Bistümer und Landeskirchen. Karitative Einrichtungen wie Altenheime und Kindergärten werden laut Deutschlandfunk Nova zu über 90 Prozent aus öffentlichen Mitteln bezahlt, nur etwa zehn Prozent aus der Kirchensteuer.
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Heikler ist der Austritt für Menschen, die bei einem kirchlichen Arbeitgeber angestellt sind. Lange galt er dort als Kündigungsgrund. Im März 2026 hat der Europäische Gerichtshof das zumindest für einen Fall gekippt. Nach Unionsrecht darf eine katholische Schwangerschaftsberatung einer Mitarbeiterin nicht allein deshalb kündigen, weil sie aus der Kirche ausgetreten ist. Einen Freibrief bedeutet das nicht. Der EuGH überlässt die Abwägung ausdrücklich den nationalen Gerichten, abschließend entscheidet nun das Bundesarbeitsgericht in Erfurt. Wer bei Caritas, Diakonie oder einer kirchlichen Klinik arbeitet, sollte vor dem Austritt deshalb in den Arbeitsvertrag schauen.
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Mit der Befreiung von der Kirchensteuer erspart man dem Arbeitgeber auch unnötigen Verwaltungsaufwand, denn es gibt etliche Konfessionen, die vom Fiskus nicht anerkannt sind, bzw. die er wohl für unglaubwürdig 😏 hält. Ein aramäischer Kollege verriet mir, dass Syrisch-Orthodox die älteste christliche Kirche ist.
Die Syrisch-Orthodoxe Kirche ist nicht die älteste, aber eine der ältesten christlichen Kirchen. Nach der Urgemeinde in Jerusalem gilt die Kirche von Antiochien als die älteste christliche Kirche überhaupt, aus der die syrisch-orthodoxe Kirche hervorgegangen ist. Dort wurden die Jünger Jesu zum ersten Mal Christen genannt.
Die Darstellung ist irreführend. Es handelt sich nicht um eine Steuerbefreiung sondern schlicht um einen Kirchenaustritt.
Genauso gut kann man sich von der Kfz-Steuer befreien lassen, wenn man ein Auto verkauft. 👍🏽
Nur dass die Kfz-Steuer nicht vom Bruttogehalt abgezogen wird.
Ja wahnsinn welches Niveau da mittlerweile herrscht. langes bla bla um dann den Kirchenaustritt als steuersparmodel schön zu schreiben…
Und zur Antwort des Redaktion.. Es gibt schon Konstellationen wo auch die Kfz steuer vom brutto abgezogen werden kann… lasst doch einfach die Fiskusthemen die Steuerberater machen nach dem Motto Schuster bleib bei deinen leisten…
So kurz gedacht.Die Kirchensteuer sorgt nicht nur dafür, das man Sonntags Gottesdienste besuchen kann,oder der Pastor einen runden Bauch bekommt.Sie finanziert auch die Posten der Kita, die Jugendarbeit und die Seelsorge.Und der Trend geht dahin, das man natürlich weiterhin die Programme in Anspruch nimmt, aber nicht bereit ist, seinen Beitrag dazugegeben.
sagt mir bitte mal einer mit welcher recht die Kirche von meinem gund und Boden steuern bekommt oder warum ich als arbeitslos Kirchensteuer bezahlen muss wird pauschal abgebucht obwohl ich seit 20 Jahren ausgetreten bin
Bekommet mein Kind auch so viel Kindergeld
Wer denkt, durch die Zahlung ein besseres Gewissen zu bekommen und sich vielleicht einen Platz im Himmel statt in der Hölle zu sichern, soll von mir aus doch – auch gerne das doppelte.
Ich bin mit 19 aus der Kirche ausgetreten. Religionen waren schon vor hunderten von Jahren bis heute der Grund für Krieg und Elend.
Danke für diesen Artikel – es lohnt sich, hier genauer hinzuschauen.Kirchlich getragene Einrichtungen wie Kitas, Pflegeheime und Beratungsstellen werden zu etwa 98–99 Prozent aus allgemeinen Steuermitteln und Sozialversicherungsbeiträgen finanziert – nicht aus Kirchensteuern. Bei Caritas und Diakonie macht der Kirchensteueranteil lediglich 1,8–2,2 Prozent der Gesamtkosten aus.Das ist eigentlich bemerkenswert: Die Kirchen können in diesen Einrichtungen umfassend bestimmen – von Arbeitsverträgen bis zu Hausordnungen – während 98 Prozent der Kosten von der Allgemeinheit getragen werden. Die Kirchensteuer finanziert hauptsächlich kirchliches Personal und trägt bei Wohlfahrtsverbänden zu Verwaltungsstrukturen bei – nicht zur Grundfinanzierung dieser Dienste.Der verlinkte HPD-Artikel erläutert diese Unterscheidung ausführlich und zeigt, wie bedeutsam diese sachliche Klarstellung ist.
Man braucht sich also bei Austritt aus der Kirche über die Finanzierung von Kitas und Krankenhäuser keine Sorgen machen – für die kommen wir jetzt schon aus anderen Steuergeldern gemeinschaftlich auf.
Quelle: https://hpd.de/artikel/kirchen-und-liebe-geld-20847
(es finden sich durchaus mehr Quellen, wenn man googlet)
Von der Kirchensteuer kann sich niemand befreien lassen.
Es muss aus der Kirche ausgetreten werden.
Dazu kann man nicht einfach zur Kirche gehen und sagen,’Ich will austreten‘.
Zuständig sind die Standesämter.
Was bei Eintritt für das Mitglied kostenlos war, kostet bei Austritt 20 €nen.
Eine Befreiung in dem Sinne tritt automatisch mit dem Tod ein.
Kirchensteuer?
Abzocksteuer?
die kath. kirche ist weltfremd
was zb. zölitsch (250Misbrauchfälle)
Pädophile? vatikan = vatika ist die göttin der unterwelt=satanismus
seh dir die Gruft im vatikan an
alles Teufelskreise
seit zölitsch bin ich ausgetreten.
der limburger bischof zb. wasser predigen und wein saufen
seine verschwendungssucht
wo vertreten sie gottes glaube
wo ist die Askese
Meine Oma hat immer gesagt der Papst trinkt aus goldenen Bechern und der kleine Mann muss bezahlen.
– die Kirche ist der größte Grundeigentümer an Ländereien in der Bundesrepublik
– kirchliche Grundschule….die Eltern sollen für eine neue Schultafel zusammenlegen…ist doch ein Witz
– Die Pastorenstelle in unserer Gemeinde wird nicht mehr nachbesetzt da die Stelle nach TVÖD vergütet wird und das kann die Kirche sich nicht leisten.
Von Aufarbeitung des Kindesmißbrauch fange ich gar nicht erst an…
Überschrift hätte lauten müssen: Deutschland braucht keine Katholiken. Deutschland den Heiden und Moslems, lasst uns die Kirchen nieder reißen nach dem holländischen Vorbild.
was dann außerdem verschwindet sind natürlich katholische Zusammenkünfte, Kirchenchöre, kirchliche Schulen, kirchliche Bauten. sehr tolle Motivation hier. mullah Regime wird sich freuen
Vielen Menschen gibt die Kirche halt im Leben und dem stressigem Alltag, aber die Kirchensteuer ist einfach zu hoch, sie müsste deutlich gesenkt werden. Dann würden auch weniger Menschen aus der Kirche austreten. 9 Prozent sind einfach viel zu viel. Darüber sollten die Kirchen Oberhäupter mal ganz schnell nachdenken, bevor alle austreten. Was dann…
kann man machen, dann solltean aber konsequenterweise auf Pflegedienste der Caritas verzichten, denn diese sind zu sehr hohem Anteil aus der Kirchensteuer bezuschusst. Ebenso ist es mit Kirchlichen Kindergärten. Meiner Meinung nach sollte es kirchliche Feiertage auch nur für Mitglieder der Kirche geben. Alle anderen müssen sich Weihnachten dann halt Urlaub nehmen…
nicht nur, dass die Kirche nur wenige Prozente für die karitativen Einrichtungen zahlt, sie bestimmt auch zu 100%, wer bei Ihnen arbeiten darf und verlangt, dass diese in Festanstellung auch in der Kirche sind und Kirchensteuer zahlen. Das sollte nicht so sein, wenn der Staat/ Steuerzahler die Hauptlast tragen muss. Ich bin nicht grundsätzlich gegen die kirchensteuer, schließlich sollte Deutschland auch etwas auf seine kirchliche Vergangenheit und Tradition Rücksicht nehmen. Immerhin werden wir von einer Vielzahl von Religionen fast überschwemmt, die deutlich mehr Wert auf ihre Institutionen legen und zum Erhalt beitragen. Zum Teil haben diese nur wenig mit der Demokratie am Hut, nutzen sie aber, um ihre kirchlichen Freiheiten zu leben. Ich sehe aber auch die Unterschiede zwischen katholischer und evangelischer Kirche, den größeren Pomp, konservative Regeln und viel Schein in der einen und den weltoffeneren Stand der anderen Kirche.
Vielleicht mal anfangen an GOTT zu glauben und nicht so Scheinheilig tun!