Strom fühlt sich im Alltag gern wie etwas Statisches an: Adapter in die Steckdose rein, Licht an, fertig. 2025 hat aber wieder gezeigt, dass hinter dieser Steckdose ein Markt arbeitet, der sich messbar verändert. Die Bundesnetzagentur hat dafür die Strommarktdaten veröffentlicht. Die Zahlen stammen von SMARD, der offiziellen Informationsplattform der Bundesnetzagentur für Strom- und Gasmarktdaten. Dort laufen die Messwerte der deutschen Übertragungsnetzbetreiber zusammen, von Erzeugung über Preise bis zum Stromhandel. Auf dieser Basis hat die Bundesnetzagentur jetzt den Strommarkt 2025 ausgewertet. Sie zeigen ziemlich nüchtern, wo sich der Markt verschoben hat – und warum das auch 2026 für dich relevant bleibt.
Erzeugung: fast gleich viel Strom, aber ein anderer Mix
2025 lag die realisierte Nettostromerzeugung bei 437,6 TWh (2024: 437,7 TWh). Der Anteil erneuerbarer Energien betrug 257,5 TWh, das sind 58,8 % (2024: 58,5 %). Bei den einzelnen Quellen bleibt Windkraft der größte Brocken: Wind Onshore kam auf 106,5 TWh (2024: 112,6 TWh), Wind Offshore auf 26,1 TWh (2024: 25,7 TWh). Den deutlichsten Sprung machte die Photovoltaik: 74,1 TWh (2024: 63,2 TWh). Biomasse lag bei 36,0 TWh (2024: 36,2 TWh).
Der Anstieg bei Solar wird in der Mitteilung unter anderem mit überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden im Sommer und dem Ausbau der installierten Leistung erklärt.
Konventionelle Energieträger lieferten 2025 zusammen 180,1 TWh, das sind 0,7 % weniger als im Vorjahr. Im Detail zeichnen sich gemischte Bewegungen ab: Steinkohle stieg um 3,0 % auf 28,2 TWh. Braunkohle sank um 5,4 % auf 67,2 TWh. Erdgas legte um 6,4 % auf 60,6 TWh zu. Der Gas-Anteil an der Gesamterzeugung stieg damit auf 13,8 % (2024: 13,0 %).
Der aktuelle Strommix ist somit kein „Alles wird grün“-Geradeauslauf, sondern eher ein Umbaubetrieb mit wechselnden Werkzeugen. Das ist auch nicht weiter verwunderlich: Denn solange es keine Möglichkeiten gibt, Strom aus erneuerbaren Energien dauerhaft in großen Mengen günstig genug zu speichern, müssen fossile Energieträger das benötigte Plus liefern. Insbesondere bei sogenannten Dunkelflauten, in denen die erneuerbaren Energien zu wenig Strom liefern.
Strompreise: teurer im Schnitt – und öfter im Minus
Der durchschnittliche Großhandelsstrompreis am Day-Ahead-Markt lag 2025 bei 89,32 €/MWh. Das sind +13,8 % gegenüber 2024 (78,51 €/MWh). Negative Preise traten 2025 in 573 von 8.760 Stunden auf. 2024 waren es 457 von 8.784 Stunden (2024 war Schaltjahr, daher finden sich dort mehr Stunden). Stunden mit Preisen über 300 €/MWh gab es 2025 in 40 von 8.760 Stunden, 2024 in 41 von 8.784 Stunden. Zumindest in diesen Hochpreisphasen findet sich also kein hoher Zuwachs.
Spannend ist ebenso der Blick auf Erwartungen: Ein Jahresfuture mit Lieferung 2025 kostete 2024 im Schnitt 88,70 €/MWh – fast deckungsgleich mit dem späteren Day-Ahead-Durchschnitt. 2023 lag derselbe Future (für 2025) noch bei 122,03 €/MWh.
Wer sich selbst vor hohen Preisen schützen will, sollte die Gelegenheit ergreifen und von den noch günstigen Preisen für PV-Anlagen und Stromspeicher profitieren. Selbst ein Balkonkraftwerk mit passendem Speicher kann schon einen großen Unterschied ausmachen.
Stromhandel: weniger Nettoimport – Europa bleibt trotzdem wichtig
Auch bei den Importen und Exporten hat sich im vergangenen Jahr eine Entwicklung abgezeichnet. Vor allem die sogenannten „Nettoimporte“ verzeichnen mit einem Rückgang von 22,6 Prozent einen deutlichen Unterschied. Als Nettoimporte bezeichnet man dabei die importierten Strommengen abzüglich der von Deutschland exportierten Strommengen. Im Außenhandel importierte Deutschland 2025 76,2 TWh (2024: 77,2 TWh) und exportierte 54,3 TWh (2024: 48,9 TWh). Das bedeutet:
- Importe: –1,3 %
- Exporte: +11,1 %
- Nettoimport: 21,9 TWh (2024: 28,3 TWh)
Wichtig für die Einordnung: Weil die Nettoimporte gesunken sind, kann man nicht sagen, dass internationale Märkte mehr Einfluss haben als zuvor. Aber sie bleiben relevant, Strom wird weiterhin im europäischen Verbund dort eingekauft und verkauft, wo es gerade günstiger ist. Ohne diesen Austausch über Landesgrenzen hinaus würde das heutige Stromnetz nicht funktionieren. Zugleich sollte der Anteil an importiertem Strom im Verhältnis zum eigenproduzierten Strom immer so klein wie möglich ausfallen. So kann einer zu hohen Abhängigkeit von ausländischen Importen entgegengewirkt werden. Mit einem Import von 76,2 TWh bei einer Erzeugung von 437,6 TWh sind das zurzeit rund 17,41 Prozent. Im Nettoimport mit 21,9 TWh im Vergleich sogar lediglich rund 5 Prozent.
Und was heißt das für dich als Privatperson?
Du zahlst nicht direkt den Day-Ahead-Preis, aber er ist ein Signal für die Einkaufskosten der Versorger und kann – je nach Vertragsart und Wechselzeitpunkt – in neue Tarife einfließen. Gleichzeitig zeigen 573 Stunden mit negativen Preisen, dass Flexibilität (zum Beispiel durch zeitvariable Tarife oder steuerbare Verbraucher) künftig mehr wert sein kann, ohne dass das automatisch bei jedem Vertrag sofort ankommt.
Unterm Strich: 2025 war ein Jahr mit stabilem Erzeugungsniveau (437,6 TWh), leicht höherem EE-Anteil (58,8 %) und einem spürbar höheren Großhandelspreis (89,32 €/MWh). Diese Kombination ist genau der Stoff, aus dem auch 2026 eure Rechnungen mitgeformt werden – nicht mystisch, sondern über klare Zahlen und Marktmechanik. Zum Glück gibt es Gründe zur Hoffnung, dass ein zu starker Anstieg der Strompreise für Verbraucher gestoppt werden könnte. Denn die Bundesnetzagentur hat fleißig Fahrt darin aufgenommen, neue Stromleitungen zu genehmigen.
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