So billig wie in Polen wĂŒrdest du sicher auch gerne in Deutschland tanken. Doch das ist und bleibt ein Wunschtraum. Polen zĂ€hlt mit Tschechien, Ungarn oder auch Bulgarien zu den LĂ€ndern mit dem gĂŒnstigsten Sprit in der EU. Der Grund? Polen hat den schwĂ€cheren Zloty als WĂ€hrung und erhebt keine CO2-Steuer auf Diesel und Benzin. Und jetzt hat MinisterprĂ€sident Donald Tusk auch noch die Mehrwertsteuer auf Kraftstoff gesenkt sowie eine Spritpreis-Bremse eingefĂŒhrt. Warum geht das nicht auch in Deutschland?
Polen deckelt Spritpreise an der Tankstelle
Polens Regierung setzt den Spritpreisen einen Deckel auf. Seit Dienstag (31. MĂ€rz) darf Normal-Benzin nur noch 1,44 Euro (6,16 Zloty) kosten, bei Super-Benzin sind es 1,58 Euro (6,76 Zloty) pro Liter und bei Diesel 1,77 Euro (7,60 Zloty). Das ist eine spĂŒrbare Entlastung fĂŒr die BĂŒrger. Hier lagen die Preise zuletzt auch schon bei fast 2 Euro fĂŒr einen Liter Diesel oder bei etwa 1,70 Euro fĂŒr Benzin (laut ADAC).
Der Unterschied zu den Preisen in Deutschland ist immens. Hier kann man schon von GlĂŒck reden, wenn der Liter Diesel die 2,30-Euro-Marke nicht ĂŒberspringt. Doch ist der Preisdeckel nicht die einzige MaĂnahme des polnischen Energieministeriums. Dieses hat zusĂ€tzlich die Mehrwertsteuer fĂŒr Kraftstoff von 23 auf acht Prozent und die Energiesteuer auf sieben Cent pro Liter gesenkt. Letzteres gilt sogar als absolutes Minimum innerhalb der EU. Das nenne ich mal Einsatz!
Deutschland maĂregelt Mineralölkonzerne
Und was macht die deutsche Regierung? Hier gilt seit dem 1. April eine neue Tankstellenverordnung, die Tankstellen nur noch einmal am Tag eine Preiserhöhung erlaubt. Und das genau um 12 Uhr. HeiĂt im Endeffekt: Kurz vor Zwölf kannst du mit anderen um einen Platz an der ZapfsĂ€ule kĂ€mpfen. Und danach gleicht die Tankstelle vermutlich einer Geisterstadt. Ob das wirklich nachhaltig die Preise senkt, ist allerdings fraglich. Denn die Regel zwingt die Tankstellen nicht dazu, die Preise maĂgeblich zu senken.
Fakt: Um 12 Uhr am Mittwoch sind alle Preisvergleichsseiten down gewesen oder zeigten eine Fehlermeldung. Und so zeigt sich auch schon die nĂ€chste Negativ-Folge der Regelung. An einer beliebigen Aral-Tankstelle in Berlin lag der 12-Uhr-Preis fĂŒr E-10 bei 2,18 Euro pro Liter â und das auch noch zwei Stunden spĂ€ter. Bei einer Aral-Tankstelle in Erftstadt stiegen die Preise fĂŒr Diesel um sechs Cent auf 2,36 Euro und hielten sich auch noch mindestens anderthalb Stunden.
Gleichzeitig bleibt das Problem, dass die groĂen Mineralölkonzerne weiter Profit aus der Krise schlagen. Hier soll das Kartellamt mehr Handlungsfreiraum bekommen, um gegebenenfalls gegensteuern zu können. Ob das wirklich was bringt, muss sich noch zeigen. Andere MaĂnahmen wie eine Spritpreis-Bremse oder eine Ăbergewinnsteuer wurden zwar bereits vorgeschlagen (>>etwa von SPD-Chef Lars Klingbeil), sind aber bisher nicht Teil des KraftstoffmaĂnahmenpakets.
Das macht den Sprit in Deutschland so teuer
GrundsĂ€tzlich ist der Sprit in Deutschland einfach schon teurer als in den meisten anderen EU-LĂ€ndern. Im Vergleich liegen wir auf Platz drei, laut dem Statistischen Bundesamt. Grund dafĂŒr sind die hohen Abgaben: Energiesteuer, CO2-Abgabe und dann noch die 19 Prozent Mehrwertsteuer obendrauf. Laut ADAC fallen beim Liter Benzin so 64,4 Cent und beim Diesel 47 Cent an Energiesteuern an, plus etwa 17 Cent CO2-Steuer â und das wird dann noch mit 19 Prozent besteuert. Das macht an der Tankstelle etwa die HĂ€lfte des Endpreises fĂŒr Autofahrer aus. Kein Wunder also, dass der Sprit in Polen, Tschechien und Co. billiger ist.
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Teils weichen deutsche Autofahrer schon auf die NachbarlĂ€nder aus, weil sie sich den Sprit im eigenen Land nicht mehr leisten wollen. Die Slowakei hat deshalb bereits die Spritpreise fĂŒr AuslĂ€nder angehoben und den Verkauf eingeschrĂ€nkt (>>hier mehr dazu). In Tschechien kommt es derzeit zu EngpĂ€ssen an den Tankstellen.
Doch mĂŒsste das alles gar nicht sein, wĂŒrde sich die Regierung einfach auf offensichtlich wirksame MaĂnahmen wie eben eine Spritpreis-Bremse einigen, anstatt schon vorab zweifelhafte Experimente wie die neue Tankstellenverordnung umzusetzen. Und selbst die ging unserer Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zu weit, sodass sie diese noch einmal verschieben lieĂ. Und dabei sprach sie sich zuletzt auch noch gegen weitere Tankstellen-Regulierungen aus. Die Hoffnung auf eine echte Entlastung fĂŒr BĂŒrger schwindet damit von Tag zu Tag, wĂ€hrend sich Mineralölkonzerne und Staat weiter die HĂ€nde reiben.
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