Neue Regeln fürs Bezahlen: Ab 2027 wird das zur Pflicht

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Bargeld bleibt, doch beim Bezahlen kommen 2027 neue Regeln. Sie betreffen praktisch jeden Laden und könnten den Alltag an der Kasse verändern. Was geplant ist, warum das Finanzamt dabei eine Rolle spielt und was Kunden wissen müssen.
Neue Regeln für Bargeld in Deutschland: Das soll bald verboten werden
Neue Regeln fürs Bezahlen: Ab 2027 wird das zur PflichtBildquelle: Zigmunds Dizgalvis / Shutterstock

Die Deutschen lieben Bargeld. Das behaupten sie zumindest gern. An der Kasse sieht es anders aus. 2025 wurden laut Bundesbank erstmals mehr Einkäufe mit Karte oder Handy bezahlt als mit Scheinen und Münzen, 55 zu 45. Das Portemonnaie bleibt immer öfter zu Hause. Das Handy nie.

Und dann steht man doch wieder vor diesem Schild: „Nur Barzahlung“. Oder die Luxusvariante: „Kartenzahlung erst ab 10 Euro“. Willkommen im Jahr 2003. Büdchen, Dönerladen, Barbershop. Offiziell liegt das an Gebühren, Technik, schlechter Verbindung. Inoffiziell gibt es eine deutlich einfachere Erklärung. In Berlin liegt jetzt ein Papier auf dem Tisch, das diesen Schildern ein Ende setzen soll. Und es ist nicht das einzige.

Was das Finanzministerium plant

Am 11. September hat das Bundesfinanzministerium von Lars Klingbeil Eckpunkte an die anderen Ministerien verschickt. Der Kern passt in einen Satz: Wer vor Ort kassiert, muss neben Bargeld mindestens eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten.

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Das gilt für den Supermarkt genauso wie für die Bäckerei, den Friseur und die Eckkneipe. Welche digitale Zahlart ein Betrieb anbietet, darf er selbst entscheiden. Girocard, Kreditkarte, Handy oder Smartwatch sind möglich. Berichten zufolge muss aber mindestens ein europäisches Verfahren dabei sein. Nur Visa und Mastercard würden dann nicht reichen.

Eine Mindestgröße gibt es nicht. Kein Laden ist zu klein, kein Umsatz zu niedrig. Ausnahmen sind nur für nichtkommerzielle Organisationen geplant, zum Beispiel Amateursportvereine und Wohltätigkeitsverbände. Die Bratwurst am Sportplatz darf also bar bleiben.

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Das Bargeld selbst bleibt. Wer mit Scheinen zahlen will, soll das weiter können. Extra kosten soll die neue Pflicht den Kunden nichts.

Wann die Pflicht kommt

Nicht morgen. Erst dürfen die anderen Ministerien Stellung nehmen, dann wird ein Gesetzentwurf geschrieben. Der soll noch in diesem Jahr ins Kabinett. Danach müssen Bundestag und Bundesrat zustimmen. Geplant ist 2027, ein festes Datum gibt es nicht. Ob kleine Betriebe Übergangsfristen bekommen, prüft das Ministerium noch.

Neu ist die Idee nicht. Schon die vorherige Bundesregierung hatte sie auf dem Zettel. Passiert ist damals nichts. 2025 haben Union und SPD sie in ihren Koalitionsvertrag geschrieben: „Wir stellen sicher, dass jeder weiterhin selbst entscheiden kann, wie er bei Geschäften des Alltags bezahlt.“ Das klingt nach Freiheit, und zwar nach der Freiheit des Kunden. Gemeint ist aber vor allem jemand anderes.

Worum es wirklich geht

Offiziell geht es um Wahlfreiheit, inoffiziell um das Finanzamt. Eine Kartenzahlung hinterlässt eine Spur, ein Zehner nicht. In Branchen mit viel Bargeld fallen bei Betriebsprüfungen immer wieder Umsätze auf, die in der Steuererklärung zu niedrig angegeben wurden. Dem Staat entgehen dadurch nach einem Bericht der Welt am Sonntag jedes Jahr 10 bis 15 Milliarden Euro an Steuern.

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Der Berliner CDU-Fraktionschef Dirk Stettner hat schon im Frühjahr ausgesprochen, was in einem Ministerium niemand so sagen würde: „Mir fällt kein sonstiger Grund ein, warum jemand auf Cashzahlung besteht, als an der Steuer vorbei arbeiten zu wollen.“ Das ist ein Generalverdacht gegen jeden Kioskbesitzer, der ehrlich abrechnet und einfach keine Lust auf Gebühren hat. Im Finanzministerium formuliert man es höflicher. Gemeint ist dasselbe.

Was Händler und Wirte sagen

Begeistert ist niemand. Der Handelsverband HDE hält ein Gesetz für überflüssig und sieht darin nur mehr Bürokratie. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sagt, mehr als 90 Prozent der Betriebe böten längst digitale Zahlung an. Er warnt aber vor den Kosten, weil die Gebühren prozentual vom Betrag abgehen, und fordert Übergangsfristen für kleine Betriebe.

Das ist nicht aus der Luft gegriffen. Ein Kiosk, der den ganzen Tag Kaugummi und Feierabendbier für zwei Euro verkauft, spürt Lesegerät und Gebühren stärker als ein Supermarkt. Ganz umsonst ist Bargeld allerdings auch nicht. Es muss gezählt, zur Bank gebracht und eingezahlt werden, und geklaut werden kann es auch.

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Erst die Kasse, dann das Terminal

Wer glaubt, es gehe nur um ein Kartengerät auf dem Tresen, hat das zweite Gesetz übersehen. Das ist schon weiter. Am 23. September hat das Bundeskabinett einen Entwurf für neue Kassenregeln beschlossen.

In Deutschland stehen laut Finanzministerium noch rund 115.000 sogenannte offene Ladenkassen. Das sind Kassen, bei denen Einnahmen teils nur von Hand oder gar nicht notiert werden. Ab 2028 sollen Betriebe mit mehr als 100.000 Euro Jahresumsatz auf elektronische Kassen umsteigen müssen. Ausgenommen ist, wer weniger als 12.000 Euro Barumsatz im Jahr macht. Der Kassenbon soll ab 2028 grundsätzlich digital kommen, per QR-Code oder E-Mail. Papier gibt es nur noch auf Wunsch. Klingbeil begründet das so: „Ich will, dass die Ehrlichen nicht die Dummen sind.“

Legt man beide Pläne nebeneinander, wird das Muster sichtbar. Die Kasse zählt jeden Umsatz, das Terminal dokumentiert jede Zahlung. Der Schuhkarton unter dem Tresen hat ausgedient.

Und der Kunde? Die Frage, die ihn am meisten nervt, bleibt offen. Ob das Schild „Karte erst ab 10 Euro“ verschwinden muss, geht aus den bisher bekannten Eckpunkten nicht klar hervor. Die Berichte widersprechen sich. Ob der Döner für 7,50 Euro künftig mit Karte bezahlt werden darf, entscheidet sich erst im Gesetzentwurf.

Dann gibt es noch den Handelsverband. Der fordert, die Kartengebühren an die Kunden weitergeben zu dürfen. Heute ist das verboten, bei Girocard und gängigen Kreditkarten schon seit 2018. Setzt sich der HDE durch, bekommt der Kunde seine Wahlfreiheit per Gesetz und zahlt dann an der Kasse für sie.

Was heute gilt

Noch darf jeder Laden Kartenzahlung ablehnen und auf Bargeld bestehen. Einen Aufschlag für die Kartenzahlung darf er dagegen nicht verlangen. Ausnahmen gelten nur für Karten wie American Express. Wer an der Kasse trotzdem 50 Cent extra für die Girocard zahlen soll, muss das nicht hinnehmen.

Bis das „Nur Bargeld“-Schild wirklich fällt, dauert es noch. Und selbst dann gilt: Sollte jedes Lädchen ein Kartengerät haben müssen, ist es vielleicht einfach immer wieder mal defekt. Ausgerechnet dann, wenn man ohne Bargeld zahlen will.

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5 KOMMENTARE

  1. Nutzerbild Karsten Frei

    Also reale 500 000 000 000 Euro für Panzer, Krieg und Tod sind kein Ding,
    aber angebliche 10 bis 15 oder sogar 70 Milliarden Euro Steuerhinterziehung, sind jetzt plotzlich Weltuntergang.
    CDU und SPD haben Deutschland in den letzten 40 Jahren kaputt regiert, und versuchen immer noch die Schuldigen wo anderes zu suchen.
    Vielleicht sollen wir bei Diäten von EU und deutschen Abgeordneten anfangen.
    Wenn die um 30 bis 60 % gekürzt werden, dann kommen mehr als 100 Milliarden zusammen.

    • Nutzerbild Frank

      Hier hat sich wieder eine Horde blaubrauner Nichtsversteher versammelt…

  2. Nutzerbild matze 1193

    Das sagen gerade die welche Milliraden von deutschen Steuegelder verprassen , auf unsre Kosten ein gutes Leben führen
    Den sollte man an die Geldbörse gehen , denen und ihren Familien, Freunden etc. pp

  3. Nutzerbild Böblingen1707

    Das Kernproblem wird hier oft übersehen: Die Hardwarekosten und die Transaktionsgebühren lasten einseitig auf dem Einzelhandel. Bevor man über eine Pflicht diskutiert, sollte die Politik die Banken in die Pflicht nehmen: Ein Gebührenverbot für Kleinstbeträge unter 30 € wäre der erste logische Schritt. Es wirkt fast so, als hätten die Banken die bessere Lobbyarbeit geleistet als der normale Bürger. Wir dürfen die politische Gestaltung nicht nur anderen überlassen – Engagement geht über das bloße Kreuzchen auf dem Wahlzettel hinaus.

  4. Nutzerbild Robin Hut

    Ganz sicher wird durch die Barzahlungsmethode Steuergeld hinterzogen. Aber noch viel sicherer ist, dass, wenn Kartenzahlungszwang eingeführt werden würde und dadurch vielleicht 20 Mrd. Euro eingenommen werden, der Bürger exakt gar nichts davon hat! Denn unsere Politiker würden schon dafür sorgen, dass es in die Welt geblasen wird, um Deutschland weiterhin als reiches und super großzügiges Land zu präsentieren! Aber der deutsche Steuer- u. Sozialabgabenzahler wird immer weiter ausgequetscht und beschimpft, was er doch für ein fauler Sack wäre!

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