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Krankschreibung ändert sich: Das hat die Regierung vor

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Wer krank ist, bleibt zu Hause. So läuft das in Deutschland seit Jahrzehnten: Entweder du bist arbeitsfähig, oder du bist es nicht. Ein Mittelweg existiert im deutschen Sozialrecht schlicht nicht. Doch genau das könnte sich bald ändern.
Krankschreibung ändert sich
Krankschreibung ändert sichBildquelle: fizkes / Shutterstock

Die Idee klingt erstmal ungewohnt: Was, wenn dein Arzt dich nicht einfach zu 100 Prozent krankmeldete, sondern entscheiden könnte, dass du zum Beispiel nur zu 50 Prozent arbeitsunfähig bist? Du würdest also halbtags arbeiten, während die Krankenkasse den Rest übernimmt. In anderen Ländern ist das längst Alltag, in Deutschland aber bisher undenkbar.

So soll die Krankschreibung in Zukunft aussehen

Eine vom Gesundheitsministerium eingesetzte Kommission hatte in einem Bericht empfohlen, das bisherige Schwarz-Weiß-Modell der Arbeitsunfähigkeit aufzubrechen. Konkret sollen behandelnde Ärztinnen und Ärzte künftig in enger Abstimmung mit den Patientinnen und Patienten einschätzen, ob jemand zu 100, 75, 50 oder 25 Prozent arbeitsunfähig ist. Das Modell nennt sich stufenweise Arbeitsunfähigkeit und bedeutet, dass Beschäftigte je nach Gesundheitszustand einen reduzierten Stellenanteil weiterarbeiten könnten. Natürlich, sofern die jeweilige Stelle dafür geeignet ist.

Die Einstufung soll dabei nicht in Stein gemeißelt sein. Verändert sich der Gesundheitszustand, soll die Einschätzung fortlaufend angepasst werden. Als Vorbild nennt die Kommission ausdrücklich skandinavische Länder. Hier ist eine teilweise Arbeitsunfähigkeit schon lange möglich. Besonders bei chronischen Erkrankungen oder langen Genesungsprozessen, so die Argumentation, sei eine vollständige Arbeitsunfähigkeit oft gar nicht nötig.

Ein weiterer Gedanke der Kommission: Wenn Beschäftigte früher und stabiler in den Arbeitsprozess zurückkehren, spare das langfristig auch Krankengeldausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung. Je kürzer diese Phasen, desto geringer die Kosten für das solidarisch finanzierte System.

Krankschreibung: Warum das Modell nicht nur Freunde hat

Kritiker melden sich bereits zu Wort, und die Kommission selbst räumt die Risiken ein. Das größte Problem: Wer hindert Arbeitgeber daran, Druck auf ihre Angestellten auszuüben, damit diese trotz Erkrankung wenigstens zur Hälfte erscheinen? Genau diese Befürchtung treibt viele Beschäftigte und Gewerkschaften um. Wenn der Chef weiß, dass eine Teilkrankmeldung möglich wäre, könnte der Druck steigen, diese Option zu nutzen, auch wenn es der Gesundheit schadet.

Die Kommission ist sich dieser Gefahr bewusst. Daher betont sie, dass die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ausschließlich auf medizinischer Grundlage erfolgen muss. Dabei soll es auch von der Zustimmung der betroffenen Person abhängen.

1 Kommentar

  1. George
    Hier herrschen viel rücksichtslosere Bedingungen in der Arbeitswelt als in Skandinavien. Daher ist dies als eine weitere Kriegserklärung gegen die Bevölkerung zu verstehen. Diese Gewerkschaften sollten endlich raus aus der Konsenzkuschelecke und u.a. Generalstreiks in Erwägung ziehen. Denn die Gegenseite hat tut das bereits! Ansonsten sehe ich hier schon Bedingungen wie im 19. Jahrhundert, wo z.B. Kinder noch schuften mussten!
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