Ein Standardmaß? Gibt es nicht. Und wie schwer ein Handgepäckkoffer sein darf, entscheidet ebenfalls jede Airline selbst. Einheitliche Regeln wären schließlich schlecht fürs Zusatzgeschäft. Klar ist dagegen etwas anderes: Der Trolley, den viele noch immer selbstverständlich als Handgepäck betrachten, verschwindet zunehmend aus den inkludierten Leistungen. Was früher irgendwie mit drin war, kostet heute schnell 20, 30 oder deutlich mehr Euro extra. Kostenlos bleibt oft nur noch das, was unter den Vordersitz passt: ein kleiner Rucksack, eine Handtasche oder die Duty-free-Tüte vom Flughafen.
Und wer glaubt, am Gate drücke schon jemand ein Auge zu, erlebt inzwischen oft das Gegenteil. Dort wird aus dem vermeintlich günstigen Flug plötzlich eine ziemlich teure Angelegenheit. Denn wer mit einem zu großen oder zu schweren Handgepäckstück erwischt wird, das nicht bezahlt wurde, zahlt inzwischen teils absurd hohe Nachgebühren.
Handgepäck: kompliziert, teuer, streng kontrolliert
Bei vielen Airlines gilt ein Kabinentrolley mit etwa 55 × 40 × 20 Zentimetern und maximal acht Kilogramm noch als klassisches Handgepäck. Doch selbst wenn der Koffer diese Maße erfüllt, heißt das längst nicht mehr, dass er kostenlos mit in die Kabine darf. Gerade Billigfluggesellschaften wie Ryanair oder Vueling haben aus dem Handgepäck ein lukratives Nebengeschäft gemacht.
Bei Ryanair werden für einen Kabinentrolley inzwischen teils bis zu 60 Euro fällig. Vueling verlangt stellenweise sogar bis zu 75 Euro. Kostenlos erlaubt ist oft nur noch eine kleine Tasche oder ein Rucksack. Der eigentliche Flugpreis wirkt dadurch manchmal wie ein Lockangebot, die Rechnung kommt später. Selbst wer das größere Handgepäck ordnungsgemäß dazugebucht hat, kann sich nicht entspannt zurücklehnen. 2026 müssen Passagiere verstärkt damit rechnen, dass ihr Trolley beim Boarding kontrolliert wird – direkt am Gate, kurz vor dem Einsteigen. Mit Metallrahmen und Waage.
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Ein Zentimeter zu breit, ein halbes Kilo zu schwer, und schon wird kassiert. Der Koffer landet dann nicht mehr über dem Sitz, sondern gegen Aufpreis im Bauch des Flugzeugs. Kulanz? Wird an vielen Flughäfen inzwischen behandelt wie Flüssigkeiten über 100 Milliliter: möglichst konsequent aussortieren. Besonders bei vollen Maschinen ziehen Airlines die Regeln deutlich strenger durch als noch vor wenigen Jahren. Und nicht nur Billigflieger.
Bis zu 110 Euro, wenn das Gepäck „nicht den Regeln entspricht“
Auch Lufthansa verschärft die Regeln. Im neuen Economy-Basic-Tarif ist seit dem 19. Mai auf Kurz- und Mittelstrecken nur noch ein kleiner persönlicher Gegenstand inklusive, etwa eine Laptoptasche oder ein kleiner Rucksack. Erlaubt sind maximal 40 × 30 × 15 Zentimeter. Wer zusätzlich einen klassischen Handgepäckkoffer mitnehmen will, muss ihn extra buchen. Los geht es ab 15 Euro. Wer darauf verzichtet oder die erlaubten Maße von 55 × 40 × 23 Zentimetern bei maximal acht Kilogramm überschreitet, zahlt deutlich mehr.
Die Lufthansa formuliert das so: „Wenn Ihr Handgepäck nicht den Regeln entspricht, nehmen wir es Ihnen am Check-in-Schalter oder beim Einsteigen am Gate ab und transportieren es kostenpflichtig im Frachtraum des Flugzeugs.“ Die Gebühren seien „bedeutend höher“ als vorher gebuchtes Gepäck und lägen je nach Strecke zwischen 60 und 110 Euro. Für Reisende bedeutet das: Wer am falschen Ende spart oder beim Packen zu optimistisch war, bezahlt am Flughafen schnell mehr für den Koffer als für den eigentlichen Flug.
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Was passiert, wenn das Handgepäck zu groß ist?
Ist das Gepäck größer oder schwerer als im gebuchten Tarif erlaubt oder werden mehr Gepäckstücke mitgenommen als vorgesehen, wird der Koffer am Gate in den Frachtraum verfrachtet. Wie teuer das wird, entscheidet jede Airline selbst. Und genau darin liegt das Problem: Einheitliche Regeln gibt es nicht, dafür umso mehr Gebührenmodelle, Ausnahmen und Tarifnamen.
- Ryanair: bis zu 60 Euro
- Vueling: bis zu 75 Euro
- Lufthansa: bis zu 110 Euro
- Eurowings: 60 Euro
- EasyJet: 55 Euro
- Condor: bis zu 100 Euro
