Aus seiner Sicht macht es schlicht keinen Sinn mehr, für kurze Krankheitsphasen zum Arzt zu rennen, nur um Arbeitgeber-Formulare zu erfüllen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat jüngst öffentlich beklagt, dass Beschäftigte im Durchschnitt fast drei Wochen pro Jahr krankgemeldet seien. Dabei hat er auch die einfache telefonische Krankschreibung als einen möglichen Treiber genannt. Dass gerade jetzt Ärzte selbst eine viel weitreichendere Lockerung ins Spiel bringen, sorgt für zusätzlichen Gesprächsstoff.
Neue Regel für Krankschreibung: Kassenchef mit neuer Idee
Gassen argumentiert, dass die Pflicht zur Krankschreibung in den ersten drei Tagen „völlig absurd“ sei und jährlich Millionen unnötige Arztbesuche verursache, die weder den Patienten noch dem Gesundheitssystem nützen. Er plädiert dafür, dass Krankmeldungen für kurze Erkrankungsphasen nicht mehr ärztlich bestätigt werden müssen. Das würde für viele Beschäftigte bedeuten, dass sie sich im Falle leichterer Erkrankungen einfach krankmelden könnten, ohne zum Arzt gehen zu müssen. Davon betroffen wären auch sogenannte Kinderkrankentage: Eltern müssten für kurze Betreuungszeiten nicht länger ein ärztliches Attest vorlegen.
Laut Gassen wäre dies kein „Freifahrtschein für Blaumacher“, da Missbrauch seiner Ansicht nach auch heute schon möglich sei. Zudem könnten Arbeitgeber auf Vertrauensbasis reagieren oder mit Anreizen arbeiten, um Fehlzeiten zu reduzieren. Die jetzige Regelung führt dazu, dass viele Patienten kurze Arbeitsausfälle offiziell bestätigen lassen.
Allerdings ist das nicht die einzige Überlegung. Schon seit Längerem ist die Verlängerung der Karenzzeit ein heißes Thema. Etwa bis zum vierten oder fünften Krankheitstag, bevor eine Krankschreibung erforderlich sein soll.
Widerstand und mögliche Konsequenzen
Nicht alle sind von solchen Ideen begeistert. Arbeitgeberverbände sehen in längeren Karenzzeiten ohne Krankschreibung eine zusätzliche Belastung für die Wirtschaft. Dabei argumentieren sie, dass strukturelle Probleme im Gesundheitssystem anders gelöst werden müssen. Ebenso wird befürchtet, dass ohne klare Vorgaben die Kontrolle über Fehlzeiten schwieriger wird. In politischen Kreisen gibt es zudem Bedenken, dass eine zu große Lockerung die Versorgung von Patienten erschweren könnte.
Auch Mediziner warnen, dass die telefonische Krankschreibung oder gar die Abschaffung der Nachweispflicht für kurze Erkrankungen unvorhergesehene Folgen haben könnten.
Sollte eine derartige Reform tatsächlich kommen, würde sie nicht nur die Arztpraxen und Krankenhäuser betreffen. Denn auch Arbeitsverträge, Entgeltfortzahlung und das Verhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern würden sich verändern. Die politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen darüber dürften daher noch lange nicht abgeschlossen sein.
