Erst kein neuer Vertrag mehr, dann kein Anschluss mehr: So stellt sich die Glasfaserbranche das Ende von DSL vor. In der am Mittwoch vorgestellten BREKO-Marktanalyse 2026 nennen 72,7 Prozent der befragten Netzbetreiber eine sogenannte Stop-Sell-Regelung für DSL als Faktor, der ihre Investitionsbereitschaft erhöhen würde. Auf Deutsch: Sobald ein Gebiet ausreichend mit Glasfaser versorgt ist, soll dort niemand mehr einen Kupferanschluss verkaufen dürfen. Ausreichend ist aus Sicht der Netzbetreiber eine Versorgung von etwa 85 Prozent.
Ab wann der Stopp greifen soll
Der Sinn dahinter ist ziemlich unverblümt. Wer keinen DSL-Vertrag mehr bekommt, wechselt zur Glasfaser. BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers sagte bei der Vorstellung der Marktstudie, es gehe darum, die Menschen zu motivieren, „die Transformation mitzugehen“. Wer die Netze der Zukunft wolle, müsse „den Wechsel auf das zukunftsfähige Glasfasernetz jetzt forcieren“, schreibt er in der Mitteilung des Verbands zur Studie. Eine „Stop-Sell-Regelung für xDSL-Anschlüsse“, so heißt es in der Studie wörtlich, sei ein Faktor, der sich positiv auswirken würde. Davon gehen zumindest jene 72,7 Prozent der 128 befragten Netzbetreiber aus.
Ab sofort passiert das nicht. Der Verkaufsstopp soll erst greifen, wenn in einem Gebiet der Umstieg von Kupfer auf Glasfaser offiziell startet. Als Bedingung dafür schlägt der Verband eine Ausbauquote von 85 Prozent vor. Gemeint sind Adressen, an denen die Glasfaser in der Straße liegt, nicht solche mit fertigem Anschluss im Keller.
Danach sollen mindestens drei Jahre folgen, in denen weitergebaut und informiert wird. Erst dann geht das Kupfernetz aus. Die Gebiete sollen klein zugeschnitten werden, entlang der grauen Kabelverzweiger am Straßenrand. Rund 330.000 solcher Bereiche gibt es laut Albers in Deutschland.
Festgelegt ist davon bislang nichts. Es ist ein Vorschlag der Branche an die Politik. Der Hebel läge in der Novelle des Telekommunikationsgesetzes und im Digital Networks Act der EU. Bislang darf allein die Telekom entscheiden, wann sie ihr Kupfernetz abschaltet. Die Bundesnetzagentur hat ihrerseits eigene Vorschläge gemacht, wie der Übergang aussehen kann. Das alles ist derzeit in der Abstimmung. Realistisch ist auch angesichts der Übergangsfristen und der noch laufenden Verfahren, dass die Abschaltungen in Deutschland nicht vor 2030 beginnen.
Warum die Branche drängt
Ein Blick auf die Zahlen erklärt die Eile. 28,7 Millionen Adressen sind in Deutschland mit Glasfaser erschlossen. Angeschlossen sind davon 13,8 Millionen. Und wirklich gebucht haben einen Glasfaservertrag nur 7,9 Millionen. Macht eine Quote von 27 Prozent. Zum Vergleich: Vor drei Jahren waren es 25 Prozent. Die Netze wachsen, die Nutzung kaum. Das kostet die Glasfaseranbieter bares Geld. Denn die Kosten für einen Glasfaseranschluss sind erheblich.
Der BREKO hat dazu unter seinen Mitgliedsunternehmen die Kosten erhoben, die für den Ausbau anfallen. Sie addieren sich. Glasfaser bis vor dein Grundstück: im Mittel 1.498 Euro. Der Hausstich von der Grundstücksgrenze bis in den Keller: 1.950 Euro und damit der teuerste Einzelposten. Im Mehrfamilienhaus kommen je Wohnung noch 440 Euro dazu. Drei von vier Unternehmen berichten von steigenden Tiefbaukosten. Leitungen auf Vorrat legt deshalb kaum noch jemand. Denn bei einer Quote von 27 Prozent passiert sonst nur eines: Es wird sprichwörtlich Geld vergraben.
Woran die geringe Nachfrage liegt, sprach BREKO-Präsident Norbert Westfal in der Pressekonferenz offen an: „Das Kupfernetz ist, Stand heute, für viele Anwendungen noch gut.“ Wer in der Stadt wohne, dem reiche es. Westfal weiß, wovon er spricht. Er ist langjähriger Begleiter der Branche und im Hauptberuf Geschäftsführer der EWE TEL in Oldenburg, die ein wichtiger regionaler Anbieter im Nordwesten Deutschlands ist. Sein Argument dagegen: Wenn du die Leitung irgendwann brauchst, muss sie schon liegen. Und von Baustart bis Umschaltung können drei Jahre vergehen.
Diese Bundesländer sind besonders weit
Wohin die Reise für deinen DSL-Anschluss geht, ist absehbar. Zumindest, wenn die Forderungen der Wettbewerber erfüllt werden, was sich politisch zuletzt andeutete. Sobald die Glasfaserdichte in deinem Anschlussgebiet (etwa 100 bis 200 Anschlüsse groß) groß genug ist, startet der Prozess. Dann hast du mindestens drei Jahre Zeit, von DSL zu Glasfaser (oder Kabel) zu wechseln.
In Schleswig-Holstein, wo 94 Prozent der Adressen erschlossen sind, dürftest du früher dran sein als in Bayern mit 53,3 Prozent. Weitere gute Versorgungsquoten gibt es laut BREKO in Hamburg (92,5 Prozent), Bremen (88,9 Prozent), Sachsen-Anhalt (75,7 Prozent), Niedersachsen (73,4 Prozent) und Brandenburg (69,6 Prozent). Schlusslichter unter den Bundesländern sind das Saarland (42,8 Prozent) und Baden-Württemberg (45,4 Prozent). Deutschlandweit stehe Glasfaser in 62 Prozent der Regionen zur Verfügung. Gemeint ist jeweils die Zählgröße Homes Passed: Die Glasfaser liegt also noch vor der Haustür und ist nicht im Haus.
