Die Deutschen zahlen GEZ-Gebühren. Monat für Monat. 18,36 Euro. Egal ob Fernseher, Radio, ein Handy oder einfach nichts von alledem im Haushalt vorhanden ist. Der Rundfunkbeitrag ist eine der zuverlässigsten Abbuchungen des Landes. Stabiler als jede Bahnverbindung. Zusammen kommen so rund 9 Milliarden Euro im Jahr zusammen. Dafür gibt es „Tatort“, Wiederholungen von Kochsendungen und sehr viele Menschen, all das kritisieren. Und die nächste Erhöhung der GEZ-Gebühren wird mit Sicherheit erneut für einen Aufschrei sorgen.
Haushalte ohne TV-Gerät vom Rundfunkbeitrag befreit
Europa schaut dabei interessiert zu. Und zahlt – je nach Land – deutlich weniger. Oder auch gar nichts. In Österreich etwa sind es 15,30 Euro im Monat. Auch Firmen zahlen mit. Der ORF bekommt so rund 757 Millionen Euro jährlich. Für neun Millionen Menschen, fast alles auf Deutsch. Übersichtlich. Die Schweiz liegt höher. Umgerechnet zahlen Haushalte gut 30 Euro pro Monat. Das klingt brutal, ist aber erklärbar: vier Sprachen und hohe Löhne.
Dann kommt Italien. Dort wird nicht überwiesen, sondern still mitgezahlt. Der Rundfunkbeitrag hängt an der Stromrechnung. Wer Licht anmacht, zahlt auch für die RAI. 90 Euro im Jahr. Also 7,50 Euro pro Monat. In etwa das, was viele Menschen auch hierzulande bereit wären, für den Rundfunkbeitrag zu zahlen. Und dann haben die Italiener etwas, was sich auch viele Deutsche wünschen: Wer keinen Fernseher hat, kann sich vom Rundfunkbeitrag befreien lassen. Man muss es nur erklären. Und beweisen. Und hoffen, dass es jemand glaubt.
Wo man nichts zahlt
Frankreich hat den Rundfunkbeitrag gleich ganz abgeschafft. Kein eigener Posten mehr. Stattdessen kommt das Geld aus der Mehrwertsteuer. Vier Milliarden Euro pro Jahr. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk als Teil der großen Steuersuppe. Niemand bekommt mehr einen Extrabrief. Niemand muss sich extra ärgern. Man zahlt einfach. Wie für Straßen oder Panzer.
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Und dann gibt es Länder, in denen man gar nichts direkt zahlt: Spanien, Luxemburg oder Rumänien. Dort wird der Rundfunk komplett aus dem Staatshaushalt finanziert. Das ist bequem. Aber auch politisch riskant. Denn: Wer bezahlt, will mitreden. Und manchmal auch reinregieren.
Was ist besser?
Am Ende bleibt die Grundfrage: Ist es besser, den Rundfunkbeitrag offen zu kassieren – wie in Deutschland – oder ihn zu verstecken, wie in Italien oder Frankreich? Der deutsche Weg ist ehrlich. Man weiß, was man zahlt. Man weiß auch, wen man dafür verantwortlich machen kann. Das erzeugt Ärger, aber auch Unabhängigkeit. Zumindest theoretisch.
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Würde die Akzeptanz steigen, wenn der Rundfunkbeitrag einfach in der Steuer verschwindet? Wahrscheinlich. Weniger Post, weniger Wut, weniger „GEZ“-Flüche am Küchen- und Stammtisch. Rechtlich wäre das möglich – solange der Rundfunk trotzdem staatsfern bleibt. Politisch wäre es heikel. Denn was aus dem Haushalt kommt, kann auch aus dem Haushalt wieder verschwinden. Europa zeigt: Man kann es billiger machen. Man kann es verstecken. Man kann es abschaffen. Aber kostenlos ist öffentlicher Rundfunk nirgendwo. Irgendwer zahlt immer.
