Diese Irrtümer halten viele zu Unrecht vom Balkonkraftwerk ab

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Balkonkraftwerke boomen, trotzdem zögern viele noch. Schuld sind hartnäckige Mythen, die sich seit Jahren halten. Dabei haben sich Technik, Regeln und Praxis längst weiterentwickelt – oft schneller, als es sich herumspricht.
Diese Irrtümer halten viele zu Unrecht vom Balkonkraftwerk ab

Diese Irrtümer halten viele zu Unrecht vom Balkonkraftwerk ab

Steckersolargeräte sind längst kein Nischenprodukt mehr. Rund 1,15 Millionen gemeldete Anlagen laufen inzwischen in deutschen Haushalten, und doch schrecken viele zurück. Meist nicht wegen der Technik, sondern wegen falscher Annahmen. Genau diese Irrtümer sorgen dafür, dass enormes Sparpotenzial ungenutzt bleibt. Die Verbraucherzentrale NRW hat über die häufigsten Irrtümer zu Balkonkraftwerken aufgeklärt.

Irrtum 1: Ein Balkonkraftwerk lohnt sich nur für Eigentümer

Dieser Gedanke ist überholt. Gerade für Mieter sind Balkonkraftwerke attraktiv, weil sie ohne große bauliche Eingriffe auskommen. Seit der Gesetzesänderung 2024 dürfen Vermieter die Installation nicht mehr pauschal verbieten. Eine Ablehnung aus rein optischen Gründen ist nicht mehr zulässig. Die Module lassen sich am Balkon oder auf der Terrasse montieren und bei einem Umzug einfach mitnehmen. Du investierst also nicht in die Immobilie eines anderen, sondern in deine eigene Stromrechnung. Genau deshalb erleben Steckersolargeräte gerade in Mietwohnungen ihren Boom.

Irrtum 2: Die Anmeldung ist kompliziert und nervig

Früher war das tatsächlich ein Stolperstein – heute kaum noch. Seit 2024 wurde das Anmeldeverfahren deutlich vereinfacht. In der Regel reicht ein kurzes Online-Formular beim Netzbetreiber, das in wenigen Minuten erledigt ist. Wichtig: Die Anmeldung ist keine Genehmigung, sondern lediglich eine Information. Du bittest niemanden um Erlaubnis, sondern meldest dein Gerät korrekt an. Bürokratie sieht anders aus.

Irrtum 3: Ohne Spezialstecker geht gar nichts

Der Mythos vom zwingenden Wieland-Stecker hält sich hartnäckig. Tatsächlich erlauben neue technische Normen und viele Netzbetreiber inzwischen auch den Betrieb über einen ganz normalen Schuko-Stecker, wenn auch nur bis zu einer Modulleistung von 960 Watt. Entscheidend ist nicht der Stecker, sondern die Sicherheit des Wechselrichters. Er muss die geltenden Standards erfüllen und sich bei Störungen automatisch abschalten. In bestimmten Sonderfällen kann weiterhin ein Wieland-Stecker gefordert sein – Pflicht ist er aber längst nicht mehr. Denn auch die VDE-Richtlinie, die für 2.000 Watt Solarmodulleistung den Wieland-Stecker vorsieht, ist keine gesetzliche Vorschrift, sondern eine Richtlinie. Allerdings dienen diese Normen als Grundlage zur Beurteilung für Versicherungen, weshalb viele Stimmen in der Branche die Reduktion auf 960 Watt noch immer kritisieren.

Irrtum 4: Mein Balkon ist dafür ungeeignet

Holz, Stahl, kein Beton? Kein Problem. Moderne Montagesysteme sind erstaunlich flexibel. Ob Holzbrüstung, Stahlgeländer oder gemischte Konstruktionen – für fast jeden Balkon gibt es passende Halterungen. Wichtig ist nur, dass die Grundkonstruktion stabil ist und das Modul festsitzt. Wackeln oder Schwingen sind absolut tabu. Wer sauber plant und das passende System wählt, muss seinen Balkon nicht neu erfinden, um Solarstrom zu nutzen. Auch das Gewicht der Solarmodule muss dabei kein Ausschlusskriterium sein. Ultraleichtgewichtige Solarmodule eignen sich auch für Balkone, deren Brüstungen keine hohen Gewichte tragen können.

Irrtum 5: Ohne Anwesenheit tagsüber bringt das nichts

Auch dieser Gedanke greift zu kurz. Selbst wenn du tagsüber nicht zu Hause bist, verbraucht dein Haushalt konstant Strom. Kühlschrank, Router, Gefriertruhe, Standby-Geräte – diese Grundlast läuft rund um die Uhr. Ein Balkonkraftwerk senkt genau diesen Verbrauch. Zusätzlich lassen sich viele Geräte zeitlich steuern: Waschmaschine, Ladegeräte oder Warmwasserbereitung können automatisch dann laufen, wenn die Sonne scheint. Der Solarstrom arbeitet also auch für dich, wenn du gerade nicht da bist.

Irrtümer rund um Balkonkraftwerke Infografik

Fazit: Mehr Mythos als Realität

Die meisten dieser irrtümlichen Gründe gegen ein Balkonkraftwerk basieren nicht mehr auf aktuellen Fakten, sondern auf veralteten Annahmen. Technik, Gesetzeslage und Alltagstauglichkeit haben sich deutlich weiterentwickelt. Wer sich heute informiert, merkt schnell: Viele Hürden existieren nur noch im Kopf – nicht auf dem Balkon. In den meisten Fällen genügt es, sich mit den eigenen Gegebenheiten auseinanderzusetzen und das Balkonkraftwerk passend zu planen.

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