Kaum ein Gegenstand steckt in so vielen deutschen Portemonnaies wie diese Karte. Offiziell heißt sie Girocard, gesagt wird häufig noch immer EC-Karte. Etwa 100 Millionen davon sind im Umlauf, und beim Bezahlen ohne Bargeld ist sie hierzulande das unangefochtene Zahlungsmittel Nummer eins. Bei gut 83 Millionen Einwohnern kommen rechnerisch 1,2 Karten auf jeden Kopf, Säuglinge mitgezählt.
Die klassische Kreditkarte wirkt daneben fast exotisch. Die Bundesbank zählte Ende 2025 rund 36,7 Millionen Kreditkarten. Beim Wort „Kredit“ wird zudem meist geschönt: Nur ein Bruchteil davon hat eine echte Kreditfunktion, der Rest sind Chargecards, bei denen am Monatsende alles auf einmal abgebucht wird. Doch der Schein der Girocard-Dominanz trügt: Immer mehr Banken drücken ihren Kunden längst Visa- oder Mastercard-Debitkarten in die Hand. Diese sehen aus wie Kreditkarten, buchen das Geld sofort vom Konto ab und schließen genau die Lücke, an der die Girocard bisher scheitert.
Wofür die Girocard heute noch passen muss
Denn die Girocard ist fürs Brötchenholen gemacht, die Kredit- oder Debitkarte für alles, was nach Koffer riecht. Im Alltag reicht die deutsche EC-Karte fast immer. Geht es jedoch ums Reisen, Buchen oder Bezahlen per App, muss sie passen.
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Das fängt an der Hotelrezeption oder beim Mietwagen an. Anbieter wollen einen Betrag als Sicherheit blocken. Und genau das kann die Girocard bisher nicht. Das Geld wird stattdessen sofort eingezogen und später eventuell zurückgebucht. Ein bürokratischer Krampf, weshalb die meisten Anbieter von vornherein eine andere Karte verlangen. Auch in vielen Apps sieht es ähnlich aus: Selbst Payback Pay arbeitet bisher nur mit Lastschrift oder Kreditkarte. Dazu kommen die Klassiker: Bezahlen außerhalb des Euroraums und Kautionen im Urlaub.
Was die EC-Karte in Zukunft können soll
Das soll sich ändern. Allerdings in einem Tempo, das nicht gerade nach digitaler Offensive klingt. Die Euro Kartensysteme GmbH, Betreiberin des Systems für die Deutsche Kreditwirtschaft, hat vier Neuerungen angekündigt, die das deutsche Sorgenkind zukunftsfähig machen sollen:
- Bezahlen in Händler-Apps: Voraussichtlich im Frühjahr 2027 sollen In-App-Zahlungen starten, mit mehreren großen Lebensmittelhändlern wird bereits verhandelt. Kartennummern musst du dafür nicht abtippen. Du meldest dich einmal im Online-Banking deiner Bank an und bestätigst per TAN. Neu ist das sogenannte Whitelisting: Einen Stamm-Händler kannst du als vertrauenswürdig markieren und musst dort nicht mehr jede Zahlung extra freigeben. Die Funktion zielt auf Click & Collect, Lieferdienste, Nahverkehr und Carsharing ab.
- Hotel und Mietwagen: Anfang 2027 soll die Girocard endlich für Mietwagen und Hotelreservierungen funktionieren. Möglich macht das die sogenannte Vorautorisierung. Dabei wird ein Betrag als Kaution reserviert, aber nicht sofort abgebucht. Dein Geld bekommt also eine virtuelle Parkkralle: Es liegt noch auf dem Konto, aber du kommst nicht mehr heran. Sparkassen und Volksbanken haben die Technik nach Angaben des Betreibers teils schon eingebaut. Das Motiv der Anbieter: Für Händler ist dieses System günstiger als eine teure Kreditkartenlösung.
- Payback Pay: Der Betreiber will die Girocard auch für Payback Pay nutzbar machen, um das mobile Bezahlen bei Partnern wie Aral, dm, Edeka und Thalia zu vereinfachen. Wann Payback hier mitmacht, ist allerdings noch offen.
- Alterskontrolle: An Zigarettenautomaten gibt es sie per Smartphone bereits: Wer dort mit der digitalen Girocard zahlt, wird automatisch auf Volljährigkeit geprüft. Künftig soll das auch beim Alkoholkauf an der SB-Kasse und im Netz funktionieren. Der Vorteil beim Datenschutz: Die Karte bestätigt nur, dass du volljährig bist, verrät dem Händler aber nicht dein exaktes Geburtsdatum.
Comeback im Schneckentempo
Den Anfang machen Anfang 2027 Hotel und Mietwagen, im Frühjahr folgen die Apps, bis Ende 2027 soll die Altersprüfung im Netz flächendeckend laufen. Das sind wohlgemerkt Pläne, keine Garantien. Bevor du etwas davon nutzen kannst, müssen die Händler, Autovermieter und internationalen Hotelketten die neuen Funktionen technisch erst einmal unterstützen.
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Mehr kosten soll die Karte durch die neuen Funktionen zwar nicht, doch der Zeitplan wirkt fast schon aus der Zeit gefallen. Apple Pay, Google Pay und die internationalen Debitkarten haben diesen Markt längst unter sich aufgeteilt und bieten genau diese Funktionen seit Jahren.
Ein Detail passt daher so gar nicht zum erhofften großen Comeback: Banken wie die DKB oder Santander haben ihre Kunden längst standardmäßig auf Visa-Debit umgestellt und lassen sich die alte Girocard mittlerweile oft extra bezahlen. Die deutsche EC-Karte lernt nun also mühsam neue Tricks, während die ersten Banken sie längst in Rente schicken.
