Fiasko mit E-Autos: Pkw-Riese zieht die Notbremse

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Der Automobilkonzern Stellantis, Mutterkonzern bekannter Marken wie Opel, Peugeot oder Jeep, hat im Zuge einer strategischen Neuausrichtung Abschreibungen in Höhe von rund 22 Milliarden Euro gemeldet. Die E-Auto-Strategie läuft nicht wie erhofft, was nun dazu führt, dass die Notbremse gezogen wird.
Alfa Romeo Junior in der Frontansicht.

Unter anderem bei Alfa Romeo wird die E-Strategie neu gedacht.

Die nun kommunizierten Belastungen entstehen im Rahmen eines „Business Reset“, bei dem das Unternehmen seine Modell- und Technologieplanung stärker an realen Kundenpräferenzen ausrichten will. Die Summe umfasst erwartete künftige Zahlungsverpflichtungen sowie Wertberichtigungen und spiegelt Kosten aus der Reduzierung einzelner Elektromobilitätsprojekte wider. Mit anderen Worten: Stellantis hat den Wandel zur E-Mobilität überschätzt. E-Autos verkaufen sich viel langsamer als erwartet. Doch die Kosten für Entwicklung und nicht zuletzt auch in der Produktion bleiben hoch.

Stellantis baut um

Stellantis betont, dass die Neuausrichtung notwendig sei, um angesichts der schwankenden Nachfrage im Elektroauto-Segment profitabler zu werden. Der Konzern will trotz der Abschreibungen weiterhin in ein breites Angebot investieren. Es umfasst sowohl batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) als auch Hybride und fortschrittliche Verbrennungsmotoren. Zu den Maßnahmen zählen eine Reorganisation der globalen Fertigung, die Erweiterung von Produktlinien – etwa bei Jeep und Fiat – sowie die Stärkung regionaler Entscheidungskompetenzen. In den USA wird der RAM 1500 gestrichen, in Europa zum Beispiel neue E-Auto-Pläne bei Alfa Romeo nach hinten verschoben.

Die Abschreibung belastet nicht nur das operative Ergebnis, sondern führt auch zu gravierenden Folgen für Aktionäre. Stellantis kündigte an, für das Geschäftsjahr 2026 keine Dividende auszuzahlen, um die Bilanz zu stärken und Liquidität zu sichern. Zudem wurde die Ausgabe von bis zu 5 Milliarden Euro an Hybrid-Anleihen genehmigt, um finanzielle Flexibilität zu schaffen. Auch wenn der Konzern für die zweite Jahreshälfte 2025 Wachstumsimpulse – etwa höhere Lieferzahlen und verbesserte Kundenbestellungen – meldet, bleibt der Nettoverlust hoch.

Die Aktie von Stellantis fiel nach Bekanntgabe der Zahlen deutlich. Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs bereits um mehr als 36 Prozent gefallen. Auch andere Automobilmarken gerieten in Folge dessen unter Druck. Beobachter führen dies auf enttäuschte Erwartungen der Investoren zurück, die zuvor auf eine dynamischere E-Mobilitätsentwicklung gesetzt hatten. Zudem wird diskutiert, dass politische Rahmenbedingungen – insbesondere die reduzierte E-Mobilitätsförderung in den USA – die Rentabilität der Elektrostrategie zusätzlich erschwert haben.

E-Autos bleiben im Fokus

Kritiker werten die Entscheidung als Reaktion auf ein „Über-Investieren“ in Elektroautos, das sich nicht im geplanten Tempo in tatsächlichen Verkäufen niedergeschlagen habe. Zugleich zeigt die Entwicklung aber auch, dass der Konzern die E-Mobilität nicht aufgibt, sondern ihre Umsetzung stärker am Kundeninteresse ausrichten will. In der Investorenplanung für Mai 2026 soll ein weiterentwickelter Strategieplan vorgestellt werden, der die langfristigen Ziele im Spannungsfeld zwischen Elektromobilität, Hybrid- und Verbrennungstechnologien klarer formuliert. Finale Finanzzahlen will der Konzern Ende Februar vorstellen. Es wird für das zweite Halbjahr 2025 mit einem Verlust von bis zu 21 Milliarden Euro gerechnet.

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