Eigentlich soll der Auspuff bald ins Museum. Die Beerdigung des Verbrenners ist amtlich, auch wenn die Politik gerade noch mal hektisch am Sauerstoffgerät fummelt, um das Ende ein wenig hinauszuzögern. Das E-Auto soll übernehmen, die saubere Zukunft auf vier Rädern. Doch während die einen noch über das Verbrenner-Aus streiten, merken die anderen, dass der Weg zur Steckdose eher einem Hindernislauf gleicht.
E-Auto kaufen? Lieber nicht
Da sind zum einen die Preise: E-Autos bleiben für viele ein Luxusgut für Eigenheimbesitzer mit Solardach. Ja, das E-Auto ist nur was für Reiche. Zum anderen wäre da die Ladeinfrastruktur, die in vielen Gegenden so selten ist wie ein pünktlicher Zug der Deutschen Bahn. Und schließlich die politische Wankelmütigkeit: Mal gibt es Prämien, mal werden sie über Nacht gestrichen. Das schafft kein Vertrauen, sondern Frust. In dieses Chaos platzt Stefan Schneck, Vertriebsleiter von AutoScout24 und ist sich sicher: Das ganze Gezerre um Verbote und Subventionen vernebelt nur den Blick auf das Wesentliche. Schneck glaubt sogar, dass das Aufweichen des Verbrenner-Verbots der E-Mobilität helfen könnte. Einfach, weil es den Druck aus der emotional aufgeladenen Debatte nimmt.
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Doch wer jetzt glaubt, Schneck würde zum fröhlichen E-Auto-Kauf raten, irrt gewaltig. Tatsächlich warnt er aktuell davor, sich einen Stromer als Eigentum in die Garage zu stellen. Der Grund ist simpel und schmerzhaft: der Wertverlust. Ein Elektroauto von heute ist wie ein Handy von vor zwei Jahren – technisch eigentlich schon überholt, bevor die Raten abbezahlt sind. „Wir sind noch nicht auf dem Reifegrad von Verbrennern nach 100 Jahren“, sagt Schneck. Fast monatlich gibt es Technologiesprünge. Wer heute kauft, trägt das volle Risiko, dass sein Wagen in drei Jahren auf dem Gebrauchtwagenmarkt so gefragt ist wie eine Schreibmaschine. Vor allem, weil die staatliche Förderung nur Neuwagen päppelt und den Gebrauchtmarkt links liegen lässt. Das drückt die Restwerte in den Keller.
Was der Experte empfiehlt
Schnecks Rat klingt daher eher nach Schadensbegrenzung als nach Aufbruchstimmung: Leasen statt kaufen. Warum? Weil man beim Leasing den Wertverlust nicht selbst auslöffeln muss. Man gibt die Kiste nach ein paar Jahren einfach zurück und lässt den Händler oder die Bank mit dem Restwert-Risiko allein. Im Grunde ist das E-Auto aktuell ein Experiment auf Zeit, kein Erbstück. Wer klug ist, schiebt die finanzielle Bombe weiter. Und wenn der Strom irgendwann billiger und die Infrastruktur da ist, stirbt der Verbrenner ganz von allein – ganz ohne Hilfe der Politik. Bis dahin gilt: Fahren ja, besitzen lieber nicht.
