Erst vor Kurzem wurde Deutschland von einer Hitzewelle erfasst, wie sie hierzulande noch nicht gemessen wurde. Dabei hat der Sommer gerade erst begonnen. Schon bald sollen die Temperaturen wieder steigen. Da kann ein Ventilator nicht schaden, oder? Tatsächlich sind die elektrischen Luftbeschleuniger nicht so harmlos, wie man zunächst denkt. Insbesondere, wenn man sie nicht richtig einzusetzen weiß. Es gibt beispielsweise eine Maximaltemperatur, ab der Ventilatoren mehr schaden als nützen. Darauf deuten gleich mehrere Untersuchungen hin.
Wann solltest du den Ventilator lieber abschalten?
Grundsätzlich lässt sich der kühlende Effekt eines Ventilators leicht erklären. Durch einen Luftstrom verdunstet der Schweiß auf deiner Haut effektiver. Folglich unterstützen Ventilatoren sozusagen den körpereigenen Kühlungsmechanismus. So weit, so banal. Dennoch warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor Ventilatoren und gibt eine auf den ersten Blick wenig intuitive Empfehlung.
Laut WHO sollen Bürger Ventilatoren lediglich bis zu einer Temperatur von 40 °C verwenden. Bei höheren Temperaturen in Innenräumen könnten diese demnach nicht etwa Kühlung verschaffen, sondern den Körper sogar weiter aufheizen. Ferner würden Ventilatorgeräte hitzebedingte Erkrankungen bereits ab einer Temperatur von 35 °C nicht mehr verhindern können.
Etwas mehr Informationen bietet eine 2025 im Fachjournal JAMA veröffentlichte Untersuchung von Forschern der University of Sydney. Sie setzten Probandinnen und Probanden gezielt einer Temperatur von rund 39 °C und 49 Prozent Luftfeuchtigkeit aus. Bei diesen Werten kann der durch die warme Luft erzeugte Hitzestress den Kühleffekt der Schweißverdunstung überwiegen – was seinerseits zu Kreislaufproblemen führen kann.
Luftfeuchtigkeit spielt eine große Rolle
Eine weitere Studie australischer Forscher aus dem Jahr 2024 zeigt, wie relevant Luftfeuchtigkeit in diesem Kontext ist. Geprüft wurde unter Senioren im Durchschnittsalter von 70 Jahren – zunächst bei einer Lufttemperatur von 38 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent und anschließend bei 45 °C und 15 Prozent. Im ersten Versuch verschafften Ventilatoren und Hautbefeuchtung Linderung. Im zweiten Durchgang stieg der Hitzestress jedoch so stark an, dass einige Probanden abbrechen mussten. Warum? Vermutet wird, dass der Ventilator der Haut ständig neue erhitzte Luft zuführte und gleichzeitig die vom Körper heruntergekühlte Luft entfernte.
Eine ältere Studie aus dem Jahr 2019 lieferte ähnliche Ergebnisse. Gemessen wurde bei 47 °C und 10 Prozent Luftfeuchtigkeit sowie bei 40 °C und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit. Das Fazit: Ventilatoren können bei hoher Luftfeuchtigkeit eine kühlende Wirkung haben. Bei niedriger Luftfeuchtigkeit sind es dagegen die Gesundheitsrisiken, die zunehmen.
Eine weitere im Jahr 2024 von kanadischen Forschern durchgeführte Untersuchung deutet derweil unverkennbar darauf hin, dass ein Ventilator die Körpertemperatur nicht senken kann – ungeachtet der Intensität. Geprüft wurde bei 36 °C und 45 Prozent Luftfeuchtigkeit. Allerdings sollen sich die Teilnehmer bei eingeschaltetem Ventilator dennoch angenehmer gefühlt haben und die gemessene Herzfrequenz sank leicht.
Fazit
Ventilatoren können kühlend wirken und an heißen Tagen Linderung verschaffen. Dabei sollten Nutzer jedoch sowohl die Temperatur als auch die Luftfeuchtigkeit im Auge behalten. Bei trockener Luft kann der Einsatz von Ventilatoren den Hitzestress fördern. Und selbiges gilt auch bei Temperaturen jenseits von 35 bis 40 °C. Ein exakter Wert existiert nicht, unterschiedliche Institutionen geben unterschiedliche Werte an. Eine nennenswerte Auswirkung auf die Raumtemperatur haben Ventilatoren indes nicht.
Ferner reagieren manche Menschen empfindlich auf Zugluft. Trockene Augen, Muskelverspannungen und Kopfschmerzen werden oft als Folgen genannt, belegt sind diese allerdings nur bedingt. Trotzdem ist es ratsam, Luftumwälzer nicht direkt auf Personen auszurichten und in einiger Entfernung aufzustellen. In der Nacht kann zudem die Oszillation-Funktion (das automatische Schwenken) dabei helfen, die kühle Nachtluft bei offenem Fenster im Raum zu verteilen.
