Bist du Kunde bei grüüün, musst du jetzt handeln. Und zwar zügig. Der Anbieter aus dem oberfränkischen Rugendorf gibt sein bundesweites Angebot für Verbraucher zum 31. Oktober 2026 auf. Die Kündigungen hat der Anbieter in den vergangenen Tagen per E-Mail verschickt. Hast du bis dahin keinen neuen Vertrag, rutschst du ab 1. November in die Ersatzversorgung deines örtlichen Versorgers. Das Licht bleibt an. Es wird nur teurer. grüüün selbst beziffert den Aufschlag gegenüber regulären Tarifen auf 10 bis 20 Prozent, gegenüber grüüün dürfte es deutlich mehr sein.
Erst Rekord, dann Rückzug
Bis zu zehn Jahre Preisgarantie versprach grüüün. Tatsächlich waren es, wenn du von Anfang an dabei warst, gerade mal grob zwei Jahre. Im Juni meldete grüüün noch 200.000 Kunden und sprach von weiterem Wachstum. Das Modell: Ökostrom aus Solar- und Windparks der Muttergesellschaft Münch Energie, ohne Zwischenhändler, mit festem Energiepreis über Jahre. Dieser lag für Neukunden bei 8,25 Cent pro Kilowattstunde, Netzentgelte und Abgaben kamen obendrauf. Jetzt das Aus. Wirtschaftliche Not nennt das Unternehmen ausdrücklich nicht als Grund.
grüüün zeigt auf Berlin
Stattdessen macht grüüün die Bundesregierung verantwortlich. Das EEG 2027 und das Netzpaket würden die Erzeugung von Grünstrom über Jahre behindern, eingeplante Mengen würden so „niemals erzeugt“. Das Kabinett hat beide Entwürfe Ende Juli beschlossen. Am heftigsten umstritten ist der sogenannte Redispatch-Vorbehalt. Zur Erklärung: Ist das Netz überlastet, werden Wind- und Solarparks abgeregelt, die Betreiber bekommen dafür bisher eine Entschädigung. Nach dem aktuellen Entwurf dürften Netzbetreiber Gebiete für bis zu sechs Jahre als kapazitätslimitiert einstufen. Neue Windräder und Solarfreiflächenanlagen dort bekämen für bis zu 20 Prozent ihrer Jahresmenge keinen Ausgleich mehr. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will den Zubau so dorthin lenken, wo das Netz schon steht.
Das Aus von grüüün kommt, obwohl die Gesetze noch gar nicht verabschiedet sind. Im Bundestag sind gerade erst die Anhörungen gelaufen. Und der Redispatch-Vorbehalt soll nur für neue Anlagen gelten. Die bestehenden Parks liefern weiter. Warum die Belieferung deshalb schon in drei Wochen enden muss, erklärt grüüün nicht.
Der Haken an der Preisgarantie
Und die zehn Jahre Preisgarantie? Die AGB (Stand September 2025) geben die Antwort. Die Preisgarantie friert nur den Energiepreis ein. Eine Laufzeit garantiert sie nicht. Nach dem ersten Jahr ist der Vertrag für beide Seiten monatlich kündbar. Eine Preisgarantie ist eben keine Liefergarantie.
Spannend wird es bei der Frist. Laut AGB gilt für ordentliche Kündigungen ein Monat zum Ende des Kalendermonats. Die Mails kamen ab dem 8. Oktober, der früheste ordentliche Termin wäre damit Ende November. Wer weniger als ein Jahr Kunde ist, steckt sogar noch in der festen Erstlaufzeit. Für eine außerordentliche Kündigung bräuchte es einen wichtigen Grund, und den sehen Verbraucherschützer eng. Bei früheren Lieferstopps stellte die Verbraucherzentrale klar, dass eine außerordentliche Kündigung im Allgemeinen nur auf Gründe im Risikobereich des Gekündigten gestützt werden kann.
Mach dir trotzdem keine falschen Hoffnungen. Ein möglicher Schadensersatz bemisst sich an der Preisdifferenz zum neuen Tarif, aber nur bis zum nächsten regulären Kündigungstermin des Anbieters. Bei grüüün wäre das für die meisten Kunden rund ein Monat. Die zehn Jahre Preisgarantie, mit denen du geliebäugelt hast, sind weg.
So wechselst du jetzt
Warte nicht ab. Ein Anbieterwechsel dauert einige Tage, und ein Wechsel und das Wahren deiner Ansprüche schließen sich nicht aus. Die Verbraucherzentrale rät, dem alten Anbieter schriftlich mitzuteilen, dass man die Kündigung für unzulässig hält und sich Schadensersatz vorbehält. Als bisherigen Lieferanten gibst du beim neuen Anbieter „Münch Energie GmbH & Co. KG“ an, grüüün ist nur der Markenname. Am Wechseltag schickt dir grüüün einen Link, über den du den Zählerstand meldest. Die Schlussrechnung soll im November kommen, Guthaben werden laut AGB binnen zwei Wochen danach ausgezahlt. Offene Rechnungen musst du aber weiter begleichen.
grüüün empfiehlt Naturwerke, eine Tochter der CHECK24-Gruppe. Bis 21. Oktober gibt es dort für grüüün-Kunden einen Cent pro Kilowattstunde Rabatt, gemessen allerdings nur am eigenen Neukundenpreis. Vergleichen lohnt sich also.
Jetzt aktuell günstige Strompreise sichern
Um dich vor steigenden Stromkosten zu schützen, kannst du bereits jetzt zu noch günstigen Konditionen einen neuen Vertrag abschließen. Das geht selbst dann, wenn du dich bei deinem bisherigen Anbieter noch in einer Mindestlaufzeit befindest. Bis zu sechs Monate im Voraus kann ein Wechsel angestoßen werden und du kannst dir so die aktuell günstigen Preise sichern. Besonders, wenn du aktuell bei einem Grundversorger bist, kann sich der Wechsel lohnen.
Solltest du dir unsicher sein oder Angst haben, an eines der Schwarzen Schafe der Branche zu gelangen, empfehlen wir dir unseren Partner remind.me. Hier kümmern sich Experten um deinen Vertrag für Strom & Gas und sorgen dafür, dass du stets in einem günstigen Tarif bist. Dort überwacht man auch die Vertragsbeziehung und reagiert, sollte ein Anbieter seine Strompreise oder Gaspreise erhöhen. Zudem hat remind.me nach eigenen Angaben Zugriff auf Tarife, die du bei den öffentlichen Vergleichsseiten nicht bekommst. Denn wichtig ist, dass du bei einem Wechsel zu einem alternativen Anbieter einen seriösen Stromanbieter beziehungsweise Gasanbieter findest.

