Die Heizung läuft wieder, und mit ihr kommt die Frage, was am Ende auf der Nebenkostenabrechnung steht. Smarte Heizkörperthermostate sollen genau da ansetzen: Sie senken die Temperatur nach Zeitplan, wenn du schläfst oder arbeitest, und heizen rechtzeitig wieder auf. Auf dem Papier klingt das nach leicht verdientem Geld.
In der Praxis hängt die Rechnung an Details, die in keiner Werbung stehen. Womit vergleicht der Hersteller eigentlich? Und was bleibt übrig, wenn ausgerechnet die Komfortfunktionen extra kosten? Genau das wollte ich wissen. Hier ist meine Bilanz aus einer kompletten Heizperiode: die Ersparnis in Euro, der Trick dahinter, eine ehrliche Rechnung zum Abo und zwei Modelle, die ganz ohne Abo auskommen.
Meine Ausgangssituation
Ich wohne in einer 65 Quadratmeter großen 3-Zimmer-Wohnung im Dachgeschoss. Wer oben wohnt, weiß: Die Wärme will raus. Entweder durchs Dach, durch schlecht gedämmte Wände, durch jede Fuge. Meine Erfahrungen mit dem Tado X (Test) stammen aus drei Räumen: Wohnzimmer, Schlafzimmer und Arbeitszimmer. Außerdem wichtig zu wissen: Ich arbeite im Schnitt zwei- bis dreimal pro Woche im Homeoffice. Somit wurde das Arbeitszimmer an diesen Tagen häufiger als gewöhnlich geheizt.
Die Installation der Heizkörperthermostate hat wenige Minuten gedauert. Alte Thermostate abschrauben und Tado-X-Thermostate aufsetzen. Einen der sechs beiliegenden Adapter habe ich nicht benötigt. Die Tado-App ist übersichtlich und Zeitpläne lassen sich in wenigen Minuten für jeden Raum einzeln anlegen. Tado X unterstützt Matter und Thread und lässt sich in Apple Home, Google Home und Amazon Alexa einbinden. Ich habe die Thermostate zum größten Teil via Apple Home gesteuert.
Kann die von Tado angegebene Ersparnis stimmen?
Tado wirbt mit durchschnittlich 22 Prozent Heizkostenersparnis. Natürlich sparen manche mehr, andere weniger. 22 Prozent klingt im ersten Moment nach einem realistischen Wert. Die größte Ersparnis entsteht bei Haushalten, die vorher keinerlei bewusste Absenkung betrieben haben: Thermostat auf 3, Tag und Nacht.
Mein Heizsaison-Rückblick von Tado weist eine Ersparnis von 26 Prozent aus und liegt damit sogar über dem beworbenen Durchschnitt von 22 Prozent. Den Rückblick hat Tado mir am Ende der Saison per Mail geschickt, obwohl ich kein Abo hatte.
Das klingt erst mal nach einem starken Ergebnis. Allerdings vergleicht Tado diesen Wert nicht mit meinem tatsächlichen Heizverhalten vor der Installation, sondern mit dem Szenario eines klassischen Thermostats ohne smarte Steuerung. Da ich vorher schon manuell abgesenkt habe, nur eben nicht konsequent, steckt in den 26 Prozent auch Ersparnis, die ich teilweise schon vorher erzielt habe.
Wenn man die von Tado ausgewiesene Ersparnis in Euro nimmt, liegt sie bei rund 40 bis 60 Euro. Bei einer Investition von rund 225 Euro für drei Tado-X-Thermostate plus Bridge X amortisiert sich die Hardware damit nach vier bis fünf Wintern, wenn auf das Abo verzichtet wird. Wichtig dabei: Tado vergleicht laut eigener Angabe mit einem nicht programmierbaren Thermostat.
Brauche ich das Tado-Abo (AI Assist)?
Ich habe Tado X den ganzen Winter ausschließlich mit der kostenlosen App genutzt, also ohne das Abo AI Assist. Es kostet 3,99 Euro pro Monat oder 29,99 Euro pro Jahr und schaltet genau die Funktionen frei, die ohne dein Zutun sparen sollen. Dazu gehört Geofencing, also die automatische Absenkung, sobald niemand mehr zu Hause ist. Außerdem enthält das Abo die Fenster-offen-Erkennung und die laufende Verbrauchsauswertung in der App. Dazu kommen KI-Funktionen, die laut Tado dein Heizverhalten lernen und zum Beispiel vor deiner Ankunft vorheizen.
Was ich stattdessen genutzt habe, ist der eigentliche Trick hinter meiner Ersparnis: feste Zeitpläne, für jeden Raum einzeln konfiguriert. Jeder Raum ist nur dann warm, wenn ich ihn wirklich nutze, also zum Aufstehen, abends und das Arbeitszimmer an Homeoffice-Tagen. In der restlichen Zeit senken die Thermostate automatisch auf 20 Grad ab. Das kostet einmal ein paar Minuten in der App und läuft danach ganz ohne Abo.
Der Haken: Der Plan ist starr. An Tagen mit abweichendem Rhythmus musste ich manuell eingreifen. Genau diese Lücke schließt Geofencing, denn es kennt keinen festen Plan, sondern reagiert auf tatsächliche Anwesenheit.
Mit AI Assist sollen laut Tado bis zu 55 Prozent Ersparnis drin sein. Diese Zahl bezieht sich allerdings auf den Vergleich mit der kostenlosen Basis-App, nicht auf eine Heizung ganz ohne Tado. Prüfen konnte ich sie nicht, weil ich bewusst ohne Abo gefahren bin.
Für meine Wohnung ist das Abo rechnerisch ein schwieriger Deal. Die 29,99 Euro im Jahr fressen die Hälfte bis drei Viertel der 40 bis 60 Euro, die Tado mir ohne Abo als Ersparnis ausweist. Lohnen würde es sich erst, wenn es mindestens 30 Euro pro Saison zusätzlich einspart. Bei einem festen Homeoffice-Rhythmus wie meinem reichen Zeitpläne. Wer dagegen unregelmäßig unterwegs ist oder beim Lüften oft vergisst, die Heizung abzudrehen, profitiert vom Abo am ehesten.
Welche Tado-Alternativen gibt es?
Natürlich ist das Tado X nicht die einzige Option auf dem Markt. Folgende beiden Alternativen kann ich dir empfehlen, die sich jeweils im Test bewährt haben. Alle Modelle, die sich in meinen Tests durchgesetzt haben, findest du in meiner Bestenliste der smarten Heizkörperthermostate. Als Erstes das Eve Thermo (5. Gen) (Test). Das ist die datenschutzfreundlichste Lösung, da sie komplett lokal läuft, kein Account notwendig ist und es auch kein Abo gibt.
Außerdem sind Matter und Thread an Bord, Geofencing funktioniert kostenlos. Preislich liegt das Thermostat bei einem Stückpreis von 79,95 Euro. Für drei Räume wie bei mir kommst du damit auf 239,85 Euro, also etwas mehr als die rund 225 Euro für Tado. Eine Bridge brauchst du nicht, wohl aber einen Thread-Border-Router wie einen HomePod mini. Ein Abo fällt dagegen nie an. Rechnest du bei Tado das Jahresabo mit ein, ist Eve schon nach der ersten Heizsaison die günstigere Wahl.
Das Kasa KE100 ist die günstigste Tado-Alternative im Testfeld. Zeitpläne, Smart-Home-Integration über Apple HomeKit, Google Home, Alexa und SmartThings sowie Frostschutz sind ohne Abo an Bord.
Hauptkritikpunkte im Test des Kasa KE100: Die Temperaturregelung funktioniert nur in 1-°C-Schritten und ein farbiges Display fehlt. Zudem gibt es kein Geofencing. Dafür ist der Preis unschlagbar: Einzeln kostet das KE100 derzeit 29 Euro. Allein läuft es allerdings nicht, es braucht den Kasa-Hub KH100 als Schaltzentrale. Das Paket aus Thermostat und Hub liegt aktuell bei 33 Euro. Für drei Räume landest du so bei rund 91 Euro und damit bei deutlich weniger als der Hälfte der Tado-Ausstattung (Stand: Oktober 2026).
Lohnen sich smarte Thermostate? Mein Fazit nach einem Winter
Smarte Thermostate lösen keine Energiekrise. Sie kompensieren keinen hohen Fernwärmepreis und ersetzen keine Gebäudesanierung. Aber sie bieten vor allem eines: Komfort. Bei einer Investition von rund 225 Euro und einer von Tado geschätzten Ersparnis von 40 bis 60 Euro pro Heizsaison dauert es demnach vier bis fünf Winter, bis sich die Hardware amortisiert. Das ist natürlich kein Sparwunder, aber ein messbarer Beitrag, an dem man sich grob orientieren kann. Und dafür reichen sauber eingestellte Zeitpläne, ein Abo brauchst du nicht zwingend.
