Rauchmelder sind so unsichtbar wie Lichtschalter. Man montiert sie einmal, drückt vielleicht noch auf den Prüfknopf und vergisst sie dann für ein Jahrzehnt. Genau dieses Jahrzehnt ist für viele Geräte jetzt um. Schon im Dezember habe ich über die Rauchmelder-Frist geschrieben und darüber, dass für viele Haushalte der große Rauchmelder-Tausch ansteht. Zwei Bundesländer hatten damals noch ein Jahr Luft. Dieses Jahr ist fast vorbei – und dort erreichen zum Jahresende besonders viele Rauchmelder das Ende ihrer vorgesehenen Lebensdauer. Bist du dabei?
Rauchmelder-Frist 2026: Diese Bundesländer sind jetzt dran
Betroffen sind Nordrhein-Westfalen und das Saarland. Der Grund liegt zehn Jahre zurück: NRW hat die Rauchmelderpflicht im April 2013 eingeführt und Eigentümern bestehender Wohnungen eine Frist bis zum 31. Dezember 2016 gegeben. So steht es im damaligen Änderungsgesetz zur Landesbauordnung, heute ist die Pflicht in § 47 der BauO NRW geregelt. Das Saarland hat in § 46 seiner Landesbauordnung dieselbe Nachrüstfrist festgelegt.
Wer bis zu diesem Stichtag nachgerüstet hat, kommt jetzt in die Jahre. Wie groß die Welle allein in NRW sein kann, zeigt eine Zahl der NRW.BANK: Ende 2024 gab es dort rund 9,3 Millionen Wohnungen. In jedem davon müssen Schlafzimmer, Kinderzimmer und Flure mit mindestens einem Melder ausgestattet sein. Für alle, die 2016 auf den letzten Drücker gekauft haben, steht der Wechsel also jetzt an.
Gilt der 31. Dezember wirklich für jeden Melder?
Nicht ganz und hier wird es spannend. Die Landesbauordnung verlangt, dass ein Rauchmelder Brandrauch frühzeitig erkennt und meldet. Eine feste Lebensdauer steht dort nicht. Die kommt aus der DIN 14676-1, der Anwendungsnorm für Rauchwarnmelder, deren aktuelle Fassung seit Mai 2025 gilt. Ein Leitfaden der NRW-Initiative „Kein Zuhause ohne Rauchwarnmelder“ stellt klar, dass diese Norm laut Gesetzesbegründung als anerkannte Regel der Technik zu beachten ist.
Hersteller lesen die Norm so: Spätestens zehn Jahre nach Inbetriebnahme ist Schluss, mit einer Toleranz von maximal sechs Monaten. Brennenstuhl erklärt das in seinem Support und nennt gleich einen Haken: Das aufgedruckte Austauschdatum rechnet der Hersteller ab Herstellung, weil er den Einbautag nicht kennt. Wer seinen Melder im Dezember 2016 montiert hat, ist also rechnerisch nicht an Silvester fällig, sondern erst im Laufe des Jahres 2027.
Darauf würde ich mich trotzdem nicht ausruhen. Die Feuerwehr Hamburg begründet die Altersgrenze mit der Verschmutzung der Melder, die mit den Jahren auch Fehlalarme wahrscheinlicher macht. Ein Blick aufs Etikett kostet dich eine Minute und eine Leiter.
Wer tauscht, wer zahlt und was du als Mieter darfst
In NRW regelt die Bauordnung die Arbeitsteilung. Der Eigentümer muss die Wohnung ausstatten, der unmittelbare Besitzer, also der Mieter, sorgt für die Betriebsbereitschaft. In der Mietwohnung sorgst du dafür, dass die Melder betriebsbereit bleiben, sofern der Eigentümer das nicht selbst übernimmt. Den Austausch defekter Geräte übernimmt laut dem NRW-Leitfaden ebenfalls der Eigentümer. Nach der Gesetzesbegründung soll der Mieter von den Kosten für Installation und Austausch entlastet werden. Für den Zehn-Jahres-Tausch heißt das: Der ist Sache des Vermieters, nicht deine. Über die Betriebskosten umlegen darf er laut Leitfaden nur die reine Wartung, nicht den turnusmäßigen Austausch.
Und wenn du schon eigene smarte Melder an der Decke hast? Dann darf der Vermieter seine Geräte trotzdem montieren. Der Bundesgerichtshof hat 2015 entschieden, dass Mieter den Einbau auch dann dulden müssen, wenn sie ihre Wohnung bereits selbst ausgestattet haben (Az. VIII ZR 216/14 und VIII ZR 290/14). Sein Argument: Einbau und Wartung aus einer Hand bringen mehr Sicherheit.
Smarter Melder oder Standard: Was sich beim Tausch lohnt
Für Eigentümer, die selbst drin wohnen, ist der Pflichttausch ein guter Moment für einen vernetzten Melder. Ein aktuelles Beispiel ist der Abus Prefira Smart SX3050M, über den ich bereits berichtet habe. Er ist inzwischen im Handel, Matter-zertifiziert und funkt per Thread und Bluetooth. Bei Rauch soll er nicht nur Alarm schlagen, sondern auch eine Push-Nachricht aufs Smartphone schicken. Bei Amazon kostet er rund 60 Euro (UVP).
Drei Punkte solltest du vorher kennen. Erstens braucht der Melder einen kompatiblen Matter-Controller beziehungsweise Thread-Border-Router – ohne Zentrale bleibt er ein gewöhnlicher Rauchmelder. Zweitens arbeitet er mit einer wechselbaren CR123A-Batterie statt einer fest verbauten Zelle. Drittens entkommt auch er dem Zehn-Jahres-Zyklus nicht: Abus nennt eine Einsatzdauer von rund zehn Jahren, spätestens elf Jahre nach Herstellung muss er raus. Positiv: Laut Hersteller trägt er das Q-Label, das für robuste, fehlalarmarme Melder steht.
Wer in NRW oder im Saarland eine Wohnung besitzt, sollte jetzt die Etiketten prüfen und den Tausch nicht in die Silvesterwoche legen. Wer selbst drin wohnt und ohnehin eine Thread-Zentrale nutzt, bekommt mit einem Matter-Melder Push-Alarme dazu. Dafür zahlst du aber deutlich mehr und tauschst in zehn Jahren trotzdem wieder. Und wenn du in NRW zur Miete wohnst, musst du dich nicht um den Tausch kümmern, solltest aber darauf achten, dass der Vermieter es tut.
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