In Deutschland rauchen nach Schätzungen der letzten Jahre rund 12 bis 16 Millionen Menschen. Die genaue Zahl schwankt je nach Erhebung und Definition, doch klar ist: Es ist eine große Gruppe. Viele von ihnen greifen täglich zur Zigarette, oft aus Gewohnheit, manchmal aus Stress, selten aus Genuss allein. Im Schnitt wird dabei häufig eine Schachtel pro Tag angenommen, also 20 Zigaretten.
Und genau diese Annahme ist entscheidend für das, was daraus finanziell folgt. Denn eine Schachtel kostet inzwischen im Schnitt etwa 9,40 Euro. Wer also jeden Tag raucht, gibt allein dafür rund 3.400 Euro im Jahr aus. Geld, das im wahrsten Sinne des Wortes verbrennt, ohne dass es sich vermehrt oder später wieder auftaucht. Wann, wenn nicht zum Welt-Nichtrauchertag am 31. Mai, könnte man besser eine Rechnung aufstellen, wie viel Geld Raucher mithilfe von ETFs oder Tagesgeld ansparen könnten, wenn sie heute aufhören?
So viel Geld verqualmt ein Raucher
Dass aus einer Alltagsgewohnheit eine langfristige finanzielle Belastung wird, dafür muss man kein Mathegenie sein. Doch die Zahlen machen einem deutlich: Es ist unglaublich viel Geld, was da einfach verpufft. Nach 10 Jahren summieren sich die Kosten auf gut 40.800 Euro. Nach 20 Jahren sind es bereits über 100.000 Euro. Und wer 30 Jahre lang raucht, kommt – unter Annahme weiter steigender Preise – auf rund 186.000 Euro.
Diese Berechnungen basieren auf einer Preissteigerung von durchschnittlich 3,8 Prozent pro Jahr, wie sie in den vergangenen zwei Jahrzehnten beobachtet wurde, und stammen aus einer Modellrechnung des Vergleichsportals Verivox. Doch genau hier setzt das eigentliche Gedankenexperiment an: Was wäre, wenn dieses Geld nicht verbrannt, sondern investiert würde?
Wenn aus Rauch eine halbe Million Euro wird
Das Vergleichsportal hat dazu eine einfache, aber eindrückliche Rechnung aufgestellt. Wer das Rauchen aufgibt und stattdessen die frei werdenden 286 Euro im Monat in einen ETF-Sparplan auf den weltweiten Aktienindex MSCI World investiert, könnte langfristig ein erhebliches Vermögen aufbauen. Unterstellt wird dabei eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7,5 Prozent – also die historische Marktrendite abzüglich typischer ETF-Kosten.
Auch hier steigen die Sparbeträge jedes Jahr entsprechend der angenommenen Preisentwicklung von Zigaretten um 3,8 Prozent. Es wird also nicht nur einmalig gespart, sondern die frei werdenden Mittel wachsen mit der Zeit mit. Die Wirkung dieses Mechanismus entfaltet sich langsam, aber deutlich:
- Nach 10 Jahren läge das Depot bei rund 58.800 Euro. Ein großer Teil davon wäre bereits nicht mehr selbst eingezahlt, sondern durch Rendite entstanden.
- Nach 20 Jahren wäre das Vermögen bereits deutlich sechsstellig: Die eingezahlten 100.000 Euro könnten sich auf rund 200.000 Euro verdoppeln.
- Nach 30 Jahren ergibt die Rechnung: rund 549.000 Euro Depotvermögen. Zur Erinnerung: Eingezahlt hat man selbst 186.000 Euro. Gewinn: 363.000 Euro.
Damit zeigt sich, wie stark der sogenannte Zinseszins wirkt, also der Effekt, dass auch die bereits erzielten Gewinne wiederum neue Gewinne erzeugen. Besonders bei langen Zeiträumen verschiebt sich das Verhältnis deutlich. Nach 30 Jahren stammen in dieser Modellrechnung nur noch etwa ein Drittel des Vermögens aus eigenen Einzahlungen, der Rest ist Wachstum.
Der Unterschied zum Sparen ohne Risiko
Aber: Garantiert ist der errechnete Gewinn nicht. Die Modellrechnung zeigt auf Basis historischer Kursdaten, welche Wertzuwächse durch die Macht des Zinseszins-Effekts an der Börse realistisch möglich sind. In der Praxis aber vermehrt sich das Kapital an den Aktienmärkten nicht fortlaufend und linear mit konstanten Jahresrenditen. Denn: Börsenkurse unterliegen Schwankungen und können mitunter auch empfindlich einbrechen. Wer das Rauchen aufgibt, kann sein Geld auch konservativer anlegen, etwa auf einem Tagesgeldkonto. In den vergangenen zehn Jahren lagen die durchschnittlichen Zinsen dort – je nach Phase – grob zwischen 1 und 2 Prozent, zeitweise auch darunter.
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Rechnet man mit einem mittleren Wert von etwa 1,5 Prozent pro Jahr, ergibt sich ein deutlich anderes Bild. Zwar würde auch hier das Geld wachsen, allerdings ohne den starken Effekt der Aktienmärkte und ohne den Zinseszins auf hohes Wachstum. In diesem Szenario läge das Endvermögen nach 30 Jahren grob im Bereich von etwas über 220.000 Euro bis etwa 240.000 Euro. Das ist deutlich mehr als die reinen 186.000 Euro der ausgegebenen Zigarettenkosten, aber weniger als die Hälfte dessen, was im MSCI-World-Szenario möglich wäre.
Rauchen oder investieren?
Eine halbe Million Euro nach 30 Jahren, wenn man einfach nur das Rauchen aufhört? Klingt absurd, ist aber für bis zu 16 Millionen Deutsche machbar. Macht man die ETFs nach 30 Jahren zu Bargeld, muss man die Kursgewinne aber versteuern. Nicht das eigene Geld, das man eingezahlt hat, aber das Geld, das dazugekommen ist. Doch auch nach Abzug von 26,375 Prozent für Abgeltungssteuer plus Soli blieben dem Ex-Raucher bei einem Verkauf sämtlicher Anteile nach 30 Jahren noch gut 482.000 Euro.
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Am Ende steht keine moralische Rechnung, sondern eine einfache Gegenüberstellung von Lebensentscheidungen. Rauchen kostet nicht nur Gesundheit, sondern über Jahrzehnte auch Vermögen. Investieren bedeutet nicht automatisch Sicherheit, aber es eröffnet eine andere finanzielle Dynamik. Oder anders gesagt: Die Frage ist nicht nur, ob man sich eine Zigarette heute leisten kann. Sondern auch, was sie in dreißig Jahren gekostet haben wird – nicht nur im Geldbeutel, sondern auch in verpasstem Vermögensaufbau.
