IBAN, Kreditkarte, Steuer-ID, PIN: Für fast alles gibt es inzwischen eine Nummer. Wer dachte, das Repertoire sei damit ausgeschöpft, hat die Rechnung ohne die Europäische Zentralbank gemacht. Die arbeitet an einem neuen Konto für fast jeden, mit eigener Kontonummer und eingebauter Obergrenze.
Vorweg, weil die Frage garantiert kommt: Pflicht ist das nicht. Die neue Nummer bekommt nur, wer ein Konto für den digitalen Euro eröffnet. Girokonto, IBAN und Bargeld bleiben, wie sie sind.
IBAN, DEAN, BEAN
Anlass ist der digitale Euro, das Infrastrukturprojekt, mit dem die EZB digitales Zentralbankgeld anbieten will, bezahlbar übers Handy und angeblich so simpel wie ein Griff ins Portemonnaie. Damit im Hintergrund nichts durcheinandergerät, braucht jedes Konto eine eindeutige Adresse. Bei der klassischen Überweisung erledigt das die IBAN. Beim digitalen Euro übernimmt das die DEAN, die Digital Euro Account Number.
Wer einem Freund fünf digitale Euro für die Pizza schickt, verschiebt technisch gesehen Geld zwischen zwei DEAN. Der Bezahlvorgang bleibt banal, die Buchhaltung dahinter nicht.
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Die DEAN besteht aus 18 Zeichen und beginnt immer mit „EU“. Danach folgen zwei Prüfziffern und 14 Ziffern, die natürlich ebenfalls einen Namen haben: „Basic European Account Number“, kurz BEAN. Darin stecken eine Kennziffer für Privatperson oder Unternehmen und eine 13-stellige Seriennummer. Ein Ländercode fehlt. Ob das Konto in Köln, Lissabon oder Tallinn eröffnet wurde, verrät die Nummer nicht.
Auswendig lernen muss sie trotzdem niemand. Im Alltag soll ein Alias reichen, etwa die eigene Handynummer, die im Hintergrund mit der DEAN verknüpft ist.
Maximal 3.000 Euro
Das neue Konto hat eine Obergrenze. Der digitale Euro soll ein Zahlungsmittel sein, keine Spardose. Die Sorge dahinter: In einer Krise könnten Sparer ihr Geld massenhaft von den Banken abziehen und in digitales Zentralbankgeld umschichten. Deshalb gibt es ein Haltelimit.
Wie hoch es ausfällt, verhandeln Parlament, Rat und Kommission gerade. Im Gespräch sind Beträge zwischen 1.500 und 3.000 Euro pro Person. Zinsen gibt es auf das Guthaben keine.
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Wer über die Grenze kommt, verliert trotzdem nichts. Die Wallet wird mit dem Girokonto verknüpft, und alles, was über das Limit hinausgeht, fließt automatisch dorthin. Die Bundesbank nennt das Wasserfallsystem, was deutlich dramatischer klingt, als es ist.
Der eigentliche Vorteil gegenüber der IBAN
Wer die Bank wechselt, soll seine DEAN mitnehmen können. So sieht es der aktuelle Regelwerk-Entwurf der EZB vor. Bei der IBAN läuft es anders: neue Bank, neue Nummer, und alle Daueraufträge dürfen neu eingerichtet werden.
Laut Entwurf bekommen Privatpersonen genau ein Konto und damit genau eine DEAN. Ganz entschieden ist das nicht. Der ursprüngliche Gesetzesvorschlag der Kommission ließ mehrere Konten zu, und das EU-Parlament will, dass Nutzer ihr Limit auf mehrere Konten verteilen dürfen. Ob Unternehmen überhaupt digitale Euro halten dürfen, ist ebenfalls offen. Das Parlament will Zahlungen an Firmen direkt auf deren normales Bankkonto leiten.
Wer sieht meine Zahlungen?
Offiziell ist die DEAN ein Pseudonym. Wem die Nummer gehört, soll nur die eigene Bank oder der Zahlungsdienstleister wissen. Auf der zentralen Plattform der EZB taucht jeder Nutzer nur als gehashte, also unkenntlich gemachte Kennung auf. Ob das Skeptiker beruhigt, ist eine andere Frage. Wer der Sache misstraut, hat allerdings eine sehr einfache Option: kein Konto eröffnen.
Die Nummer hat einen politischen Zweck
Warum der ganze Aufwand? Europa will unabhängiger von den großen Bezahlsystemen aus den USA werden. Visa und Mastercard wickeln nach EZB-Daten 61 Prozent der Kartenzahlungen im Euroraum ab. Dazu kommt PayPal, die üblichen Verdächtigen. Das Eurosystem veranschlagt für die Entwicklung bis zum Start rund 1,3 Milliarden Euro, danach etwa 320 Millionen Euro Betriebskosten pro Jahr.
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Eine Abkürzung, zwei Bedeutungen
Im technischen Regelwerk zur Pilotphase steht DEAN plötzlich für „Digital Euro Access Number“. Das ist Absicht: Im Test läuft nur ein Beta-Euro, der rechtlich noch gar kein digitaler Euro ist. Die EZB hat also dieselbe Abkürzung mit einer zweiten Bedeutung belegt, für Geld, das es offiziell noch nicht gibt. Wer beim ersten Lesen nur Bahnhof versteht, muss sich nicht schlecht fühlen.
Wann kommt das neue Konto?
Das EU-Parlament hat im Juli mit 416 zu 169 Stimmen seine Verhandlungsposition beschlossen. Seit Mitte Juli verhandeln Parlament, Rat und Kommission über den endgültigen Text, Ziel ist eine Einigung bis Jahresende. Ein Pilotprojekt der EZB soll 2027 starten, regulär ausgegeben werden könnte der digitale Euro frühestens 2029. Über die Ausgabe entscheidet der EZB-Rat erst, wenn die Verordnung steht. Bis dahin ist die DEAN eine Nummer für ein Konto, das es noch nicht gibt, mit einem Limit, das noch niemand kennt.
