Die Europäische Union führt gerade still und leise eines der größten Grenzkontrollsysteme ein, das es auf dem Kontinent je gegeben hat. Kein großes Aufsehen, keine riesige Medienkampagne. Dennoch betrifft es Millionen von Menschen, die jährlich in den sogenannten Schengen-Raum einreisen.
Welche Kontrollen bald auf Passagiere zukommen
Europäische Flughäfen gehören zu den meistfrequentierten der Welt. Allein der Flughafen Frankfurt zählt jährlich über 60 Millionen Passagiere, Amsterdam Schiphol sogar noch etwas mehr. Diese riesigen Knotenpunkte verbinden nicht nur Kontinente, sondern sind auch die wichtigsten Eintrittspforten in den Schengen-Raum. Kontrollen gibt es reichlich. Jetzt kommt eine weitere dazu. Und zwar das Entry/Exit System, kurz EES.
Dabei handelt es sich um ein automatisiertes IT-System, das die Ein- und Ausreisen von Nicht-EU-Bürgern an den Außengrenzen des Schengen-Raums digital erfasst. Konkret bedeutet das: Wer aus einem Land außerhalb der EU kommt, etwa aus Großbritannien, den USA, Japan oder der Türkei und für einen Kurzaufenthalt von maximal 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen in die EU einreist, wird künftig digital registriert. Der altbekannte Stempel im Reisepass gehört damit der Vergangenheit an.
Bei der ersten Einreise werden Reisende an speziellen Self-Service-Kiosken erfasst, die mittlerweile an vielen europäischen Flughäfen aufgestellt wurden. Dort legt man seinen biometrischen Reisepass auf, lässt ein Gesichtsbild aufnehmen und gibt die Fingerabdrücke von vier Fingern der rechten Hand ab. Wer einen biometrischen Reisepass besitzt, kann sich an diesen Automaten selbst voranmelden, bevor es dann zur eigentlichen Grenzkontrolle mit einem Beamten geht.
Kinder unter 12 Jahren müssen keine Fingerabdrücke hinterlassen. Bei späteren Einreisen erkennt das System automatisch, ob man bereits registriert ist, und die Kontrolle geht deutlich schneller. Für EU-Bürger sowie für Staatsangehörige aus Island, Norwegen, der Schweiz und Liechtenstein ändert sich übrigens gar nichts. Auch wer einen deutschen Aufenthaltstitel hat, ist von EES nicht betroffen.
Warum führt die EU das jetzt ein und was kommt danach noch?
Bislang war es für europäische Behörden kaum möglich, in Echtzeit nachzuvollziehen, wer sich gerade im Schengen-Raum aufhält. Auch, ob jemand seinen erlaubten Aufenthalt überschritten hat, war nicht nachvollziehbar. Das analoge Abstempeln von Pässen war fehleranfällig, ließ sich leicht fälschen und lieferte kein vollständiges Bild. Mit dem EES ändert sich das grundlegend. Einreise- und Ausreisedaten, Reiserouten, Aufenthaltsdauern und biometrische Daten werden in einer zentralen europäischen Datenbank gespeichert. Wird ein Aufenthalt überschritten oder ist ein Reisepass als ungültig gemeldet, schlägt das System sofort an.
Seit dem 12. Oktober 2025 läuft das EES bereits schrittweise an. Deutschland hat es zunächst an den Flughäfen Düsseldorf, Frankfurt, München, Hannover und dem Berliner Flughafen BER eingeführt. Bis zum 9. April 2026 soll der Vollbetrieb an allen deutschen Luft- und Seeaußengrenzen abgeschlossen sein. Wer also in den nächsten Wochen aus einem Drittstaat nach Deutschland fliegt, sollte etwas mehr Zeit einplanen. Besonders bei der ersten Einreise kann die Registrierung etwas dauern.
