Pläne zur Rettung des deutschen Gesundheitssystems scheinen aktuell en vogue zu sein. Die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant etwa, die Gesundheitsleistungen von Bürgergeldempfängern künftig aus dem Bundeshaushalt zu bezahlen. Derweil möchte die SPD eine neue Gesundheitsabgabe einführen, die auch Kapitaleinkünfte oder Mieteinnahmen bei der Finanzierung des Gesundheitssystems berücksichtigt. Weitere Ideen umfassen schlicht weitere Beitragserhöhungen oder die Streichung von Kassenleistungen – wie etwa die zahnärztliche Behandlung. Dabei scheint bereits der aktuelle Leistungsumfang längst nicht mehr zu genügen.
Jeder zweite Deutsche ist privatversichert
Was im öffentlichen Diskurs rund um das Gesundheitssystem oft untergeht, ist, dass sich dieses nicht nur in Kassenpatienten und Privatversicherte aufteilt. Zusätzlich gibt es noch eine weitere Gruppe, die doppelt zahlt – sowohl für eine gesetzliche Krankenkasse als auch für Zusatzversicherungen. Und diese Gruppe wird immer größer.
Während im Jahr 2015 nur 24,8 Millionen Bürger Zusatzversicherungen vorwiesen, stieg die Zahl bis 2025 auf stolze 32,0 Millionen. Das geht aus einer Statistik des Verbands der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV) hervor. Zeitgleich verblieb die Zahl der „Krankenvollversicherungen“ praktisch unverändert bei 8,8 Millionen. Zusammengerechnet ergibt dies 40,8 Millionen Privatversicherte und damit beinahe die Hälfte der deutschen Gesamtbevölkerung. Der PKV spricht in diesem Kontext von einem „stabilen Wachstum“.
Weshalb zahlen Millionen doppelt?
Für Thomas Brahm, Vorsitzender des PKV-Verbands, stellen die kontinuierlich wachsenden Versichertenzahlen ein „starkes Signal an die Politik“ dar. Demnach soll diese den Willen der Versicherten respektieren und ihnen mehr Wahlfreiheit geben. „Der Zugang zur PKV darf nicht erschwert, sondern muss erleichtert werden“, so Brahm.
Unbeantwortet bleibt indes die Frage, warum Krankenzusatzversicherungen in einem Land mit einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) überhaupt notwendig sind. Eine mögliche Antwort liefert Oliver Blatt, Verbandschef der GKV. Und mit fehlenden Geldern hat diese nichts zu tun. „Die gesetzlichen Krankenkassen geben heute pro Tag über eine Milliarde Euro für die Versorgung der 75 Millionen GKV-versicherten Bürgerinnen und Bürger aus“, so Blatt. Das sei sehr viel Geld und müsse reichen.
Damit das Gesundheitssystem dauerhaft stabil bleibt, fordert der GKV tiefergehende, strukturelle Reformen anstelle von kurzfristigen Maßnahmen. Solche, die ab 2028 wirken können. Und falls diese tatsächlich umgesetzt werden, ist die Ersparnis am Ende womöglich so hoch, dass Krankenzusatzversicherungen nicht mehr notwendig sein werden. Doch zumindest aktuell klingt das noch wie Wunschdenken.
