Die schwarz-rote Koalition hat sich auf die Eckpunkte für das neue Gebäudemodernisierungsgesetz geeinigt, das das bisherige Regelwerk der Ampel ablösen soll. Für dich bedeutet das zunächst einmal ein Aufatmen bei den Anschaffungskosten, da die strenge Pflicht zu 65 Prozent erneuerbaren Energien bei neuen Geräten Geschichte ist. Du darfst also wieder klassische Öl- und Gasbrenner installieren, ohne sofort eine Wärmepumpe als Backup einplanen zu müssen. Doch hinter dieser scheinbaren Erleichterung verbirgt sich eine architektonische Besonderheit, die dein Portemonnaie in den kommenden Jahrzehnten vor eine harte Belastungsprobe stellen könnte. Wir verraten, warum die Reform des Heizungsgesetz dir hier eine trügerische Sicherheit vorgaukelt.
Die Bio-Treppe: Ein schleichendes Upgrade-Modell
Obwohl du beim Kauf eines neuen Brenners zunächst sparen kannst, wird der Betrieb der Anlage über eine sogenannte Bio-Treppe reguliert. Ab dem Jahr 2029 musst du sicherstellen, dass deine Heizung mit einem Anteil von mindestens zehn Prozent CO2-neutralen Brennstoffen läuft. Das klingt im ersten Moment nach einer kleinen Justierung. Doch die Anforderungen steigen bis zum Jahr 2040 in drei weiteren Schritten massiv an. Die genauen Werte sind noch nicht gesetzlich festgeschrieben, dennoch hat das Konsequenzen für dich. Du musst dir im Klaren darüber sein, dass du zwar heute in bewährte Hardware investierst, diese aber künftig mit deutlich teurerem Treibstoff wie Biomethan oder synthetischen Alternativen füttern musst.
Zusätzlich nimmt das Gesetz die Energieversorger ab 2028 in die Pflicht, eine bestimmte Quote an grünem Gas oder Öl in ihre Netze einzuspeisen. Diese Verpflichtung wird mit Sicherheit an dich als Endverbraucher weitergegeben. Während der CO2-Preis für den biologischen Anteil entfällt, bleibt die Frage nach der Verfügbarkeit dieser Ressourcen kritisch. Kritiker warnen bereits davor, dass grüne Gase ein rares Gut bleiben und die Preise dadurch in Regionen wandern könnten, die eine Wärmepumpe im Nachhinein als das deutlich effizientere System erscheinen lassen. Du kaufst dir also heute Flexibilität, abonnierst aber gleichzeitig ein potenziell extrem teures Betriebsmodell.
„Eine verpflichtende Grüngasquote für den Gasabsatz in Deutschland lehnen wir ab, weil das Problem eines zu knappen Angebots bei perspektivisch großer Nachfrage durch eine Liefer- und Abnahmepflicht nicht gelöst, sondern nur verschärft wird“, sagte Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Der VKU ist ein Zusammenschluss der Stadtwerke. Auch die Opposition sieht das Ergebnis kritisch. Grüne Gase werden auf absehbare Zeit knapp und teuer bleiben. Das ist kein Schutz für Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern ein Geschenk an die Gaslobby“, so Taher Saleh, baupolitischer Sprecher der Grünen. Vor allem der SPD wirft der Politiker vor, gegenüber der CDU nachgegeben zu haben. „Statt gegenüber Merz, Spahn und Söder Rückgrat zu zeigen, treibt sie die Menschen in eine neue Heizkostenfalle.“
Technologieoffenheit oder die Rückkehr alter Abhängigkeiten?
Die neue Marschrichtung setzt voll auf das Prinzip der Eigenverantwortung. Frei nach dem Motto, dass du als Eigentümer am besten weißt, was technisch in dein Gebäude passt. Dabei werden künftig verschiedene Arten von Wasserstoff als Heizmittel zugelassen. Egal ob grüner Wasserstoff aus Elektrolyse oder blaue Varianten aus Erdgas mit CO2-Abscheidung, die Palette der erlaubten Energieträger wird deutlich breiter. Sogar türkisfarbener und orangefarbener Wasserstoff aus Abfällen sind nun Teil der Gleichung. Das klingt nach einer Spielwiese für Technikbegeisterte, birgt jedoch das Risiko, dass du auf eine Infrastruktur setzt, die flächendeckend vielleicht nie kosteneffizient zur Verfügung stehen wird.
Besonders spannend wird es für dich, wenn du in einer kleineren Kommune mit weniger als 15.000 Einwohnern lebst. Hier wird der bürokratische Overhead massiv reduziert, da die Wärmeplanung deutlich vereinfacht wird. Das spart deiner Gemeinde Zeit und Geld. Lässt dich aber auch länger im Unklaren darüber, ob ein Fernwärmeanschluss in deiner Straße jemals Realität wird.
Die Koalition möchte das Gesetz noch vor dem 1. Juli 2026 verabschieden, damit du Planungssicherheit hast. Der konkrete Entwurf soll bereits um Ostern herum stehen. Doch echte Sicherheit hast du nur, wenn du die langfristigen Betriebskosten gegen die günstigen Anschaffungspreise aufwiegst, um nicht in die sprichwörtliche Heizkostenfalle zu tappen. Ebenso darf ein wachsamer Blick auf die EU-Ebene nicht fehlen. Denn unabhängig davon, dass das neue Gebäudemodernisierungsgesetz nun wieder mehr Technologien zulässt, müssen Vorgaben auf EU-Ebene stets eingehalten werden. Dazu gehören auch Pläne, Gas- und Ölheizungen sogar noch früher zu beerdigen, als es im Heizungsgesetz bisher vorgeschrieben war.
