Vielleicht betreibst du eine leistungsstarke Solaranlage mit 11,7 Kilowattpeak auf dem Dach. Oder du nutzt ein kleines Kraftwerk auf dem heimischen Balkon. In beiden Fällen kennst du die mühsamen bürokratischen Pflichten rund um die Anmeldung bereits. Genau diese Unsicherheit bei den staatlichen Meldeprozessen machen sich die fiktiven Absender nun zunutze. Kriminelle versenden derzeit gefälschte Zahlungsaufforderungen an Betreiber von Photovoltaikanlagen im Namen der Bundesnetzagentur. Die Täter fordern eine angebliche Strafgebühr für eine fehlende Registrierung der Module und greifen gleichzeitig persönliche Bankdaten ab. Die betrügerischen Schreiben wirken auf den ersten Blick sehr offiziell und verunsichern unzählige Haushalte.
Die erfundene Strafe aus Sömmerda
In den Schreiben werfen die Täter dir vor, deine Anlage nicht ordnungsgemäß im Marktstammdatenregister eingetragen zu haben. Laut dem zugestellten Dokument stellt dies eine erhebliche Verletzung des geltenden Energierechts dar. Als Konsequenz verlangen die Betrüger eine sofortige Überweisung in Höhe von exakt 41,60 Euro.
Begleichst du diese Summe nicht umgehend, droht laut dem Briefkastenfund eine erhöhte Sanktion von 208 Euro. Die Kriminellen zielen dabei auf die Angst vor teuren rechtlichen Konsequenzen ab. Zusätzlich bitten die Täter um die Übermittlung privater Bankdaten an eine dubiose Adresse. So versuchen die Unbekannten gleich doppelt an dein Erspartes zu gelangen.
Die offizielle Warnung der Bundesnetzagentur
Die tatsächliche Rechtslage sieht glücklicherweise völlig anders aus. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) warnt auf ihren offiziellen Kanälen ausdrücklich vor diesen Schreiben und distanziert sich in aller Form von den unrechtmäßigen Forderungen. Für dich bedeutet diese behördliche Meldung absolute rechtliche Sicherheit beim Aussortieren deiner Post.
Die echte Aufsichtsbehörde fordert auf diesem formlosen Weg niemals spontane Zahlungen für Versäumnisse im MaStR ein. Ein echter Behördenapparat arbeitet bei fehlenden Anmeldungen immer mit regulären Anhörungsverfahren. Der Staat verschickt schlichtweg keine plumpen Drohbriefe mit sofortiger Zahlungsaufforderung auf ein vollkommen unbekanntes Konto.
Laut Auskunft der Behörde liegen zurzeit keine Hinweise darauf vor, über welche Kanäle die Betrüger an die Adressen der Betroffene gelangt sind. Mehrere der Schreiben und Betroffenen, die der Bundesnetzagentur bekannt sind, besaßen nicht einmal eine PV-Anlage und waren daher auch nicht mit einer Anlage im Markstammdatenregister registriert. Wahrscheinlich ist somit, dass die Betrüger mit dem Schreiben im Trüben wischen, in der Hoffnung PV-Besitzer zu erreichen und zur Zahlung zu drängen. Auch die genaue Anzahl der Betroffenen lässt sich derzeit nicht erschließen. „Der Bundesnetzagentur sind bislang nur wenige Briefe bekannt. Aufgrund des betriebenen Aufwandes gehen wir von einer erhöhten Dunkelziffer aus. Es war uns wichtig, möglichst frühzeitig vor den gefälschten Briefen zu warnen“, so teilte uns eine Sprecherin der BNetzA mit.
So enttarnst du die gefälschte Rechnung
Bei genauerer Betrachtung offenbaren die Briefe deutliche handwerkliche Fehler. Die angegebene Anschrift stimmt nicht mit dem echten Hauptsitz in Bonn überein. Zudem existiert die im Briefkopf erfundene Außenstelle Sömmerda überhaupt nicht.
Ein weiterer untrüglicher Hinweis ist die falsche Telefonvorwahl. Anstelle der korrekten 0228 nutzen die Betrüger Rufnummern mit 0229 oder 0223. Die im Text genannte E-Mail-Adresse lautet bnetza@mail.de und stammt von einem gewöhnlichen Freemailanbieter. Staatliche Stellen kommunizieren ausschließlich über gesicherte und verifizierte Serveradressen. Am Ende der Seite fehlt zu guter Letzt jegliche persönliche Unterschrift.
Dein sicherer Handlungsplan
Solltest du ein solches Dokument in den Händen halten, ist absolute Gelassenheit die beste Reaktion. Reagiere auf keinen Fall auf den bedrohlichen Inhalt und überweise keinen einzigen Cent an die genannte Verbindung. Behalte deine sensiblen Daten strikt für dich und ignoriere die falsche Kontaktadresse.
Experten raten dringend dazu, den Vorfall direkt bei der örtlichen Polizei zu melden. Eine formelle Strafanzeige ist auch dann extrem wichtig, wenn du den Trick rechtzeitig durchschaut hast. Bewahre das Originaldokument am besten gut auf. So können die Ermittler wichtige Spuren sichern und die Kontoverbindungen der Täter schnellstmöglich sperren.
