Mit der Galaxy Watch9 schickt Samsung die Standardreihe seiner Smartwatches in die nächste Runde. Wir haben uns bereits die Samsung Galaxy Watch Ultra 2 in einem Test näher angesehen, nun folgt das preiswertere Basismodell. Und zwar in Form der Bluetooth-Version mit 44‑mm-Gehäuse. Also jenes Modell, das ohne eigene SIM-Funktion auskommt und komplett auf die Kopplung mit dem Smartphone setzt. Wie aus der Vergangenheit bekannt, gibt es die Uhr gegen Aufpreis aber auch mit integrierter eSIM für mehr Unabhängigkeit vom Smartphone. Ideal, wenn du unterwegs ohne Handy zum Beispiel auch telefonieren oder Musik streamen möchtest.
Schon vorab: Wer die Samsung Galaxy Watch 8 kennt, findet sich auf der Galaxy Watch 9 sofort zurecht. Softwareseitig liefert Samsung das, was man von den Koreanern erwartet. Und auch am Design hat der Hersteller kaum etwas verändert. Dafür aber an ein paar Stellschrauben gedreht, die im Alltag spürbar sind. Und das im Guten wie im Schlechten. Aber der Reihe nach …
Design und Verarbeitung
Die Samsung Galaxy Watch 9 bleibt dem sogenannten Squircle-Design treu, das Samsung ursprünglich mit der Ultra-Reihe eingeführt hat. Es gibt ein leicht eckiges Aluminiumgehäuse mit rundem Display. Dass der Bildschirm den Anschein erweckt, auf das Gehäuse aufgeklebt zu sein, ist ein überraschender Begleiteffekt. Irgendwie wirkt es so, als habe Samsung eine Lünette vergessen, die um das Display verläuft. Durch den etwa zwei Millimeter hohen Rand erhöht sich zumindest vom Gefühl her das Risiko, dass es zu Displaybrüchen kommen kann.
Die von uns getestete 44-mm-Version wiegt mit Silikonarmband genau 50 Gramm. Das ist sehr wenig und wirkt sich positiv auf das Tragegefühl aus. Die Samsung Galaxy Watch 9 ist sehr flach gehalten, was sich am Handgelenk angenehm anfühlt. Erhältlich ist die 44-mm-Bluetooth-Version in Grau und Silber. Das mitgelieferte Armband lässt sich werkzeuglos wechseln. Starke Schweißbildung ist während des Sports eher die Regel als die Ausnahme.
Bei der Robustheit gibt sich die Samsung Galaxy Watch 9 keine Blöße: IP68-Zertifizierung, 5 ATM Wasserdichtigkeit sowie MIL-STD-810H-Zertifizierung gegen Stöße und extreme Temperaturen sind an Bord. Für Schwimmbad oder Dusche reicht das locker, fürs Tauchen ist sie hingegen, anders als die Ultra-Modelle der Galaxy-Watch-Reihe, nicht gedacht.
Display
Das Herzstück der Uhr ist ein 1,5 Zoll großes Super-AMOLED-Display mit 480 x 480 Pixeln, geschützt durch Saphirglas. Mit bis zu 3.000 Nits Spitzenhelligkeit bleibt die Anzeige auch bei praller Sonne gut ablesbar. Gegenüber der Galaxy Watch 8 hat sich hier nichts geändert, was bei dem ohnehin hohen Niveau aber kaum stört. Kontraste, Farben und Blickwinkel überzeugen. Und mit aktiviertem Always-on-Display (AOD) bleiben Uhrzeit und wichtige Infos jederzeit sichtbar.
Prozessor und Software
Neuigkeiten gibt es aber beim Innenleben der Smartwatch zu vermelden. Erstmals kommt nämlich in einer Galaxy Watch wie im neuen Ultra-2-Modell der neue Snapdragon Wear Elite zum Einsatz. Dazu gesellen sich 2 GB Arbeitsspeicher und 32 GB interner Speicher, von denen rund 20 GB tatsächlich nutzbar sind. Im Alltag merkt man den neuen Chip vorwiegend daran, dass Apps zügig starten und Menüs ohne spürbares Ruckeln durchgewischt werden können.
Als Betriebssystem läuft Wear OS 7 mit One UI Watch 9 darüber. Inklusive ist der Zugriff auf den Google Play Store und damit auf Apps wie Spotify, Google Maps oder YouTube Music. Neu ist die tiefere Einbindung von Google Gemini: Per „Raise to Talk“ reicht das Anheben des Handgelenks, um direkt mit der KI zu sprechen, Termine einzutragen oder Fragen zu stellen. Ein nettes Feature, das im Alltag tatsächlich schneller geht als das Antippen mehrerer Menüs.
Allerdings nur, sofern man bereit ist, dafür zusätzlichen Akku zu opfern, denn Samsung weist selbst darauf hin, dass die Funktion den Verbrauch erhöht. Im Test ist es uns zudem nicht gelungen, das Feature im Detail zu testen, weil die Uhr fortlaufend die „Einrichtung des Google Digital Assistant“ einforderte, obwohl dies wiederholt erledigt wurde.
Auffällig auch: Bei vielen der auf der Uhr installierten Widgets ist es nur schwer zu verstehen, wofür sie eigentlich stehen. Deswegen empfiehlt es sich, in den Einstellungen der Uhr während der ersten Tage die Raster- in eine Listenansicht zu ändern. Dann stehen neben den Widgets nämlich auch die zugehörigen Namen, was die Navigation und Orientierung spürbar erleichtert.
Akkulaufzeit: der wunde Punkt
Der Akku ist mit 445 mAh minimal größer als beim Vorgänger. Bei der Galaxy Watch 8 44 mm waren es nämlich 435 mAh. Samsung selbst gibt eine Laufzeit von bis zu 40 Stunden bei deaktiviertem Always-on-Display und bis zu 30 Stunden bei aktiviertem AOD an. Werte, die wir im Großen und Ganzen nach unserem Test bestätigen können. Egal, ob du dich für ein dauerhaft eingeschaltetes Display entscheidest oder nicht, musst du nach rund 1,5 Tagen das mitgelieferte magnetische Ladekabel mit USB-C-Anschluss nutzen, um der Uhr neue Energie zuzuführen.
Wichtig dabei ist zu verstehen, dass diese Akkulaufzeit nur bei einer eher zurückhaltenden Nutzung zu erreichen ist. Mit aktivierten Zusatzfunktionen wie Dauerpuls-Anzeige, GPS-Tracking oder eben Gemini per Sprachbefehl sinkt die Laufzeit spürbar. Strukturell hat sich beim Akku also trotz neuem Chip und etwas größerem Akku wenig getan. Wer die Uhr auch nachts zur Schlafanalyse tragen möchte (nachts geht der Ladezustand selbst bei ausgeschaltetem Bildschirm um circa 25 Prozentpunkte zurück), sollte einen festen Laderhythmus einplanen. Etwa beim Duschen oder während einer Pause tagsüber.
Auch beim Laden gibt es keinen großen Fortschritt: Die Galaxy Watch 9 unterstützt zwar weiterhin 10-Watt-Schnellladen, ein vollständiger Ladevorgang von 0 auf 100 Prozent dauerte in unserem Test aber trotzdem rund 90 Minuten.
Gesundheits- und Fitnessfunktionen
Einmal mehr gut gelöst hat Samsung die vielen nutzbaren Gesundheitsfunktionen. Hier zeigt sich die Samsung Galaxy Watch 9 von ihrer stärksten Seite. Der verbesserte BioActive-Sensor misst Herzfrequenz, Körperzusammensetzung (BIA) und kann sogar ein EKG aufzeichnen. Dazu kommen Barometer, Kompass, Hauttemperatur- und Umgebungslichtsensor.
Die App Samsung Health bündelt daraus eine ganze Reihe an Auswertungen. Zum Beispiel einen Energy Score, der morgens die Tagesform aus Schlaf- und Aktivitätsdaten berechnet. Oder auch ein Herzgesundheitswert auf Basis von Schlafdauer, BMI und Bewegung. Sowie ein Fitnessindex, der VO2max, Körperzusammensetzung und Trainingsdaten zusammenführt.
Interessant ist auch die KI-gestützte Schlafapnoe-Erkennung, die anhand der nächtlichen Blutsauerstoffwerte auf ein mittleres bis schweres Risiko für obstruktive Schlafapnoe hinweisen kann. Auch personalisiertes Schlaf-Coaching über mehrere Wochen ist Teil der Ausstattung. Ebenso eine Blutdruckmessung. Sie muss aber alle vier Wochen mit einer klassischen Manschette kalibriert werden. Ein Vorgang, der im Alltag schnell in Vergessenheit gerät. Wichtig auch: Die Blutdruckmessung funktioniert nur, wenn du die Uhr mit einem Samsung-Smartphone koppelst. Auch andere Funktionen auf der Uhr sind nur dann nutzbar, wenn du ein Samsung-Handy verwendest.
Neu hinzugekommen ist eine Hörschutz-Funktion, die die Lautstärke gekoppelter Kopfhörer über den Tag protokolliert und bei zu hoher Dauerbelastung warnt.
Sport mit der Samsung Galaxy Watch 9
Mit der Uhr trainieren? Natürlich auch kein Problem! Nicht nur ein praktischer Lauf-Coach ist integriert, der deine persönliche Laufleistung analysiert und darauf aufbauend Empfehlungen für dein Trainingsprogramm gibt. Auch rund 100 Sportprofile sorgen dafür, dass Bewegung mit der Samsung Galaxy Watch 9 immer mit tiefergehenden Analysen möglich ist.
Das Ablesen der aktuellen Trainingswerte ist auch unter freiem Himmel bei viel Sonnenschein problemlos gewährleistet. Hier spielt das helle, kontraststarke AMOLED-Display seine Stärken voll aus. Die von uns gemessenen Pulswerte kommen sehr nah an die Werte heran, die wir parallel mit einem Brustgurt gemessen haben. Wir konnten nur geringe Abweichungen von 2 bis 4 Schlägen pro Minute feststellen. Nur bei schnellen Sprints waren kurzzeitig etwas höhere Abweichungen zu verzeichnen, die aber kaum der Rede wert sind.
Die Galaxy Watch 9 nutzt Dual-GPS. In unserem Test war der GPS-Fix binnen weniger Sekunden hergestellt und auch die von der Uhr aufgezeichneten Strecken erwiesen sich als zuverlässig.
Bedienung und Alltag
Die Bedienung über Touchscreen und die beiden individuell programmierbaren seitlichen Tasten funktioniert flüssig. Zifferblätter lassen sich umfangreich personalisieren, inklusive einer Funktion, die eigene Fotos automatisch zu einem passenden Zifferblatt verarbeitet. Praktisch für unterwegs: Google Maps lässt sich direkt aufs Handgelenk projizieren.
Insgesamt bleibt trotzdem der Eindruck, dass Samsung bei der Galaxy Watch 9 eher nachjustiert als neu erfunden hat. Ein neuer Chip, ein etwas größerer Akku, Bluetooth 6.0, das war es im Kern an harten Neuerungen gegenüber der Galaxy Watch 8. Wer bereits eine Watch 8 besitzt, muss also aus rein technischer Sicht eher weniger auf das neueste Smartwatch-Modell von Samsung umsteigen.
Preise der Galaxy-Watch9-Reihe
Die Galaxy Watch9 ist in zwei Gehäusegrößen erhältlich, jeweils wahlweise mit reiner Bluetooth-Kopplung oder mit LTE für die eigenständige Mobilfunknutzung ohne Smartphone in der Nähe. Das größere Modell ist nicht nur wegen des größeren Bildschirms (1,5 statt 1,3 Zoll), sondern auch wegen des etwas größeren Akkus (445 statt 390 mAh) etwas teurer als die 40-mm-Ausführung, die eher für kleinere, schmalere Handgelenke gedacht ist.
| Samsung Galaxy Watch9 | |
|---|---|
| 40 mm Bluetooth | 409 € (UVP) |
| 40 mm LTE | 459 € (UVP) |
| 44 mm Bluetooth | 439 € (UVP) |
| 44 mm LTE | 489 € (UVP) |
Noch bis zum 4. Oktober sicherst du dir im Samsung-Onlineshop mit dem Code WATCH50 einen Rabatt in Höhe von 50 Euro. Und sogar bis zu 255 Euro Rabatt sicherst du dir über Samsungs Trade-in-Programm. Wenn du also eine alte Galaxy-Watch gegen eine neue eintauschst, kannst du viel Geld sparen.
Aber auch im freien Handel sind bereits spürbar niedrigere Preise zu finden. Teils liegt die LTE-Version durch Rabattaktionen sogar unter dem Preis der Bluetooth-Variante. Ein Preisvergleich vor dem Kauf lohnt sich also in jedem Fall.
Fazit zur Samsung Galaxy Watch 9: Nur eine kleine Weiterentwicklung
Die Samsung Galaxy Watch 9 ist eine solide, aber keine wirklich aufregende Weiterentwicklung der Galaxy Watch 8. Display, Verarbeitung und der mittlerweile sehr umfangreiche Gesundheits- und Fitness-Funktionsumfang überzeugen weiterhin. Ebenso die durchdachte Software-Integration mit Google-Diensten und Gemini.
Der große Wermutstropfen bleibt die Akkulaufzeit. Trotz neuem Chip und leicht größerem Akku reicht es bei intensiver Nutzung häufig nicht einmal für einen vollen Tag. Wer mit täglichem Laden wie bei der Apple Watch leben kann und ohnehin ein Android-Smartphone nutzt, bekommt eine rundum kompetente Alltags-Smartwatch. Wer lange Laufzeiten sucht, sollte einen Blick auf die Konkurrenz werfen. Oder gleich zur Galaxy Watch Ultra 2 mit größerem Akku und spürbar höherer Laufzeit greifen.
Nutzt du ein iPhone und hast Interesse an der Samsung Galaxy Watch 9? Verwirf diesen Gedanken bitte gleich wieder. Denn die Samsung-Smartwatch ist nicht mit iOS kompatibel und schließt Apple-Nutzer damit weiter konsequent aus. Aber umgekehrt ist das ja nicht anders.
Vorteile Samsung Galaxy Watch 9
- sehr helles, scharfes AMOLED-Display
- sehr gute Herzfrequenzmessung
- umfangreiche Funktionsliste mit vielen Fitness-Extras
- leichtes Gehäuse
- auch als LTE-Version erhältlich
Nachteile Samsung Galaxy Watch 9
- schwache Akkulaufzeit
- kaum nennenswerte Verbesserungen gegenüber Watch 8
- einige Funktionen setzen ein Samsung-Handy voraus
- nicht mit iPhones kompatibel
- etwas unvollständiges Design
Ich habe selten eine Smartwatch erlebt, die mich im Alltag so sehr überzeugt wie die Samsung Galaxy Watch 9. Bedienung, Display, Gesundheitsfunktionen und Fitness-Tracking funktionieren auf einem richtig hohen Niveau und machen die Uhr zu einem ausgesprochen starken Gesamtpaket. Für mich gibt es neben der kurzen Akkulaufzeit allerdings noch einen zweiten, klaren Kritikpunkt: das Design. Das abstehende Display ohne echte Lünette wirkt auf mich nicht stimmig. Es kommt kein Premium-, sondern irgendwie eher ein Discount-Gefühl am Handgelenk auf. Samsung darf hier aus meiner Sicht gerne wieder mutiger werden und der Galaxy Watch ein eigenständigeres, harmonischeres Design spendieren. Technisch ist die Watch 9 für mich eine der besten Smartwatches überhaupt, optisch bleibt aber Luft nach oben.
