Wohnungsnot eskaliert: Alte und Rentner sollen aus zu großen Wohnungen ausziehen

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Wohnungen sind knapp, Mieten hoch, der Druck wächst. Viele fordern mehr Staat, mehr Bau, mehr Umnutzung. Doch in der Debatte rückt plötzlich eine Gruppe in den Fokus, die lange übersehen wurde: Rentner. Mit einer Idee, die bequem wirkt aber unbefriedigend ist.
Wohnungsnot eskaliert: Alte und Rentner sollen aus zu großen Wohnungen ausziehen

Wohnungsnot eskaliert: Alte und Rentner sollen aus zu großen Wohnungen ausziehen

In Deutschland fehlt Wohnraum. Bezahlbarer vor allem. In den Städten jagen sich Mietangebote mit Quadratmeterpreisen, die eher an Kunstauktionen erinnern als an Grundbedürfnisse. Die Politik reagiert darauf seit Jahren mit Ankündigungen, Programmen und Förderkulissen und liefert doch zu wenig. Der Neubau stockt, Genehmigungen dauern, Grundstücke sind teuer, Baukosten explodieren. Die Ampel wollte jährlich 400.000 Wohnungen bauen, geschafft wurde deutlich weniger. Der Markt bleibt angespannt, der Druck hoch.

Die Wohnungsnot und ihre Lösungen

Gleichzeitig wächst der Ruf nach staatlichem Eingreifen. Eine große Mehrheit will, dass der Staat Wohnungen stärker lenkt, fördert und baut. 86 Prozent der Befragten einer repräsentativen Studie (immowelt-Wohnraummangel-Barometer 2025) sprechen sich dafür aus, den Zugang zu Förderprogrammen zu erleichtern, 85 Prozent wollen mehr sozialen Wohnungsbau, 80 Prozent gezielte Hilfe für Familien, Alleinerziehende und junge Menschen. Das ist bemerkenswert einig für ein Land, das sich sonst gern über Zuständigkeiten streitet.

Denn das Problem ist offensichtlich: Es gibt zu wenig Wohnungen, die sich Menschen mit normalen oder niedrigen Einkommen leisten können. 64 Prozent sehen einen Mangel an Sozialwohnungen, 63 Prozent an bezahlbarem Wohnraum insgesamt. Gleichzeitig sagen 47 Prozent: Hochpreisige Wohnungen gibt es genug. Der Markt, so das Gefühl, baut an den Bedürfnissen vorbei.

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Die vorgeschlagenen Lösungen sind pragmatisch. Mehr bauen, klar. Aber auch vorhandenen Raum besser nutzen. Zwei Drittel der Befragten befürworten, dass Kommunen leerstehende Gebäude aufkaufen, um Wohnraum zu schaffen. 59 Prozent würden leer stehende Ladenflächen gern verpflichtend zu Wohnungen umbauen lassen. Weniger Konsens gibt es bei Eingriffen in bestehende Wohnverhältnisse – zumindest theoretisch.

Rentner sollen Wohnungen räumen und Platz machen

Denn irgendwann rückt eine Gruppe ins Blickfeld, die zahlenmäßig groß ist und oft in Wohnungen lebt, die einst für Familien gedacht waren: Rentner. In Deutschland gibt es rund 21 Millionen von ihnen. Viele leben allein, nicht wenige zur Miete, oft seit Jahrzehnten in derselben Wohnung. Wohnungen, die heute für junge Familien kaum zu finden oder unbezahlbar sind.

Und hier kippt die Debatte. 38 Prozent der Befragten finden, ältere Menschen sollten aus großen Wohnungen ausziehen, um Platz für Familien zu schaffen. Kein Verbot für Singles, kein staatlich verordneter Umzug, aber ein deutlicher Wunsch nach Verdrängung, verpackt als Lösung.

Dabei zeigt die gleiche Umfrage auch: Die große Mehrheit sieht private Vermieter nicht als Feindbild. 77 Prozent glauben, ohne sie gäbe es noch weniger Wohnraum. Nur 14 Prozent unterstellen bewusstes Leerstehenlassen aus Profitgier. Die Schuldfrage wird also differenziert betrachtet, außer, wenn es um Alte geht.

Naheliegendste Lösung? Wohl kaum

Die Idee, Wohnungsnot auf dem Rücken derjenigen zu lösen, die ihr Leben lang Miete gezahlt haben, ist bequem, aber undankbar. Sie spart Baukräne, kostet keine Fördermilliarden und verschiebt das Problem moralisch nach unten. Eine miese Lösung ist das trotzdem. Und eine, die einer alternden Gesellschaft schlecht zu Gesicht steht. Wohnraummangel löst man durch Bauen, Fördern und Umnutzen. Nicht aber durch das Wegschieben derer, die schon da sind.

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