Die Deutschen und ihr Bargeld: eine Beziehung, die sich seit Jahren langsam entzaubert, aber keiner will es so richtig wahrhaben. An der Supermarktkasse wird inzwischen immer häufiger das Handy gezückt als der Geldbeutel. Aber ganz ohne Scheine? Auf Bargeld will hierzulande eigentlich niemand verzichten – auch nicht die, die ausschließlich mit Karte zahlen. Dabei ist das Bargeld längst unter Druck. In Brüssel wird über Geldwäsche gesprochen. Und die Banken nutzen die Situation, um Bargeld langsam, aber sicher aus ihrer Obhut verschwinden zu lassen. Während die Politik noch sortiert und die Banken das Momentum für sich nutzen, meldet sich eine Institution zu Wort, die sonst eher für trockene Stabilität bekannt ist: die Bundesbank.
Das sind die Gründe für das leise Bargeld-Aus
Auch wenn das Bargeld im Allgemeinen hierzulande viele Fans hat, so sind kleine Münzen eher unbeliebt. Erste EU-Länder haben bereits damit begonnen, Summen beim Einkauf auf- oder abzurunden. Das sorgt dafür, dass 1- und 2-Cent-Münzen nicht mehr benötigt werden. Und jetzt kommt auch die Bundesbank einmal wieder auf diese Idee zurück. Ja, die 1- und 2-Cent-Münzen könnten verschwinden. Stattdessen soll an der Kasse künftig gerundet werden, auf fünf Cent genau. 4,99 Euro werden zu 5 Euro, 2,02 Euro zu 2 Euro. Mal gewinnt man, mal verliert man.
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Der Grund klingt zunächst vernünftig: Die kleinen Münzen kosten mehr, als sie wert sind. Herstellung, Verpackung, Transport: ein logistischer Aufwand für Metall, das am Ende in irgendwelchen Schubladen oder Spardosen verschwindet. Kaum im Umlauf, schon wieder weg. Also müssen neue her. Ein Kreislauf, der nur für die Münzprägestellen wirklich Sinn ergibt.
Anonym? Mehr Kontrolle? Na ja.
Andere Länder sind da längst weiter. In Finnland oder den Niederlanden wird schon gerundet, ohne dass gleich die Zivilisation zusammenbricht. Die Münzen existieren noch, aber eher auf dem Papier als im Alltag. Deutschland hingegen hält an ihnen fest. Und doch bleibt Bargeld mehr als nur Nostalgie. Es ist Kontrolle, sagen die einen. Freiheit, sagen die anderen. Und ein bisschen auch Trotz. Denn wer bar zahlt, hinterlässt keine Datenspur, kein digitales Leuchten im System. Vielleicht ist es genau das, was am Ende schwerer wiegt als ein paar Cent: das Gefühl, dass nicht alles berechnet wird. Aber: Auch Bargeld ist nicht anonym. Es gibt eine Reihe von Mechanismen, wie Behörden den Kreislauf und damit am Ende auch den, der es nutzt, überwachen.
