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Neue Autos haben eine Spezialtaste, mit der Autofahrer EU-Vorgaben umgehen können

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Viele neue Autos bieten eine zusätzliche Taste am Armaturenbrett. Diese können Autofahrer drücken, um EU-Vorgaben auszuhebeln. Unter Dacia-Fahrern ist es mittlerweile die beliebteste Taste im Fahrzeug. Dabei macht sie nichts anderes, als ein rechtliches Schlupfloch auszunutzen.
Dacia-Taste in einem Auto
Neue Autos haben eine SpezialtasteBildquelle: inside digital

Seit Mitte 2024 sind Autobauer verpflichtet, neue Autos mit vielen verschiedenen Assistenzsystemen auszustatten. Dazu gehören beispielsweise Rückfahr- und Spurhalteassistenten, aber auch der Notbremsassistent und der intelligente Geschwindigkeitsassistent (ISA). Letzterer ist unter Autofahrern besonders unbeliebt, da Geschwindigkeitsüberschreitungen mit einem akustischen Signal quittiert werden. Der Clou: Die Systeme lassen sich zwar in Menüs und Untermenüs abschalten, doch nach jedem Motor-Neustart sind sie wieder an. So will es der rechtliche Rahmen. Deshalb haben sich Hersteller wie Dacia und Renault eine praktische Lösung einfallen lassen.

Am Beispiel von Dacia lässt sich die Funktionsweise der neuen Taste gut erklären. Hier wird das System als „Dacia My Safety“ betitelt. Und dieses bietet zwei Modi: „All ON“ und einen benutzerdefinierten Modus. Der erste ist voreingestellt und zeichnet sich dadurch aus, dass alle verfügbaren Assistenzsysteme getreu dem Namen angeschaltet sind. Dagegen lassen sich manche Systeme im benutzerdefinierten Modus abschalten – in einem Untermenü. Ist die Vorauswahl getroffen, genügt ein Doppelklick auf die als „Magic Button“ betitelte Taste, schon sind nur die unerwünschten Assistenzsysteme für die Dauer der Fahrt abgeschaltet. Je nach Modell ist das zudem auch über den Multimedia-Bildschirm möglich.

Dacia begründet die Einführung seines Magic Buttons in einem Blogpost damit, dass manche Fahrassistenzsysteme auch ablenken können, wenn sie im falschen Moment eingreifen oder warnen. Obwohl der Autobauer im gleichen Satz selbst unterstreicht, dass solche Systeme grundsätzlich eine wichtige Sicherheitstechnologie darstellen. Dennoch hat sich die Taste inzwischen zur am meisten benutzten in Dacia-Autos entwickelt, wie Dacia-CEO Katrin Adt gegenüber dem Portal Autocar verriet.

My-Safety-Taste in Dacia-Autos Bildquelle: Dacia

Weitere Assistenzsysteme und Kameras seit 2026

Während einige Hersteller wie Dacia leicht zugängliche Abschaltmechanismen für die verpflichtenden Assistenzsysteme erdachten, lassen sich diese bei anderen Autobauern teils lediglich tief in den Untermenüs deaktivieren. Eine pauschale Lösung existiert nicht. Zwar werben manche Anbieter damit, die Systeme per OBD-II-Stecker dauerhaft auszuschalten. Doch das kann in der Praxis zum Erlöschen der Betriebserlaubnis des Fahrzeugs führen, wie uns ein DEKRA-Sprecher bestätigte.

Dabei werden die neuen Sicherheitssysteme oftmals eher negativ aufgenommen. So gab es um den Juli 2026 herum einen großen medialen Aufschrei, als ein neuer Schwung Assistenzsysteme verpflichtend wurde. Dazu gehört auch das „Advanced Driver Distraction Warning“-System (ADDW) – ein Fahrerablenkungswarnsystem, das die Kopfhaltung und Augenbewegungen fortlaufend mittels Infrarotkameras erfasst. Glaubt das System, der Fahrer sei abgelenkt, kommt es zu einem akustischen, optischen oder haptischen Warnsignal.

EU-Kommission bekämpft fatale Verkehrsunfälle

Die zahlreichen EU-weit verpflichtenden Assistenzsysteme stören viele Fahrer nicht nur, sondern treiben auch die Fahrzeugkosten in die Höhe. Schließlich müssen Hersteller sie nicht nur bei teuren Luxuskarossen, sondern auch bei den günstigsten Einsteigern verbauen.

Dennoch haben Assistenzsysteme ihre Daseinsberechtigung. Das erklärte Ziel der EU-Kommission ist es, bis 2050 die Zahl der Verkehrstoten so weit wie möglich auf null zu reduzieren. Natürlich reichen die neuen Vorgaben hierfür nicht aus. Doch gerade mit Blick auf die hohen Todeszahlen bei Straßenverkehrsunfällen – laut dem Statistischen Bundesamt waren es allein in Deutschland 2.832 Menschen im Jahr 2025 – wäre ein striktes Ablehnen der neuen Assistenzsysteme bedenklich.

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