Der Clou des Robot Phones ist die Kameraeinheit. Sie sitzt auf der Rückseite des Smartphones und schwenkt bei Bedarf nach oben heraus. Ein Gimbal sorgt dafür, dass die Kamera in vier Achsen stabilisiert ist.
Was soll das, ein Handy mit Arm?
Grundsätzlich hat Honor zwei große Anwendungsfälle für den Kamera-Arm: Content Creation und Künstliche Intelligenz.
Fangen wir mit Content Creation an. Dafür hat die Kamera beste Voraussetzungen. In dem Modul steckt ein 200-Megapixel-Sensor im 1/1,28-Zoll-Format mit Blende f/1,6 – auf gut Deutsch: So ziemlich das beste, was man derzeit in einem Smartphone finden kann. Dazu gibt’s noch – fest verbaut – eine weitere 200-Megapixel-Telekamera, sowie eine Ultraweitwinkel- und eine Selfie-Kamera mit jeweils 50 Megapixeln.
Im Video oben im Titelbild findest du ein paar Testaufnahmen, auch im direkten Vergleich mit dem Galaxy S26 Ultra. Der Unterschied ist krass – nicht nur bei der Stabilisierung, sondern auch bei der Bildqualität.
Honor hat sich für die Farbverarbeitung übrigens mit ARRI zusammengeschlossen – DEM Hersteller für professionelle Kamera- und Lichttechnik im Kino-Bereich. Als Ergebnis gibt’s einen zusätzlichen LOG-Video-Modus zur Aufnahme von mehr Details als in herkömmlichen Videoformaten. Und du hast die Möglichkeit, auf dem Smartphone selbst diverse ARRI-LUTs zur Farbbearbeitung auf das Videomaterial anzuwenden.
Und klar, für den Gimbal gibt’s noch diverse Film-Automatiken. Die Kamera kann automatisch bestimmte Bewegungen durchführen, beispielsweise eine Kippbewegung und Rotation. Und ja, natürlich kann sie dich auch verfolgen, während du durch die Gegend läufst – allerdings mit einer Einschränkung: Der Kamera-Arm kann sich nur um etwa 310° drehen und hat einen toten Winkel, in dem er dich dann verliert.
Robot Phone: Das Handy wird zum KI-Roboter
Aber: Filmen ist nicht alles. Honor hat auch selbst einen KI-Agenten auf dem Smartphone, der sich mit Hilfe der Kamera selbst im Raum umschauen kann. Im Kurz-Test konnte sich das Smartphone so beispielsweise umschauen und etwas über das Café erzählen, in dem wir gerade in Berlin saßen.
Auf dem chinesischen Honor Robot Phone läuft derzeit das KI-Modell, das Honor gemeinsam mit Alibaba entwickelt. Honor hat bereits bestätigt, dass das erste Robot Phone einen Nachfolger bekommt – sollte es davon dann eine internationale Version geben, dürfte diese wohl mit Gemini laufen.
Spannend ist dann noch, dass Honor die API für den Kamera-Gimbal komplett offenlegt. Damit ist es allen Entwicklern möglich, Anwendungen zu entwickeln. In China gibt es hier beispielsweise Apps, die Räume scannen und damit Tipps zur Einrichtung geben. Denkbar wäre aber beispielsweise auch eine App à la Odyss N1 (Hands-on im Live-Stream), die dir beim Kochen und Essen zusieht und anschließend die eingenommenen Kalorien auswertet.
Wir hatten übrigens im Rahmen der IFA auch die Gelegenheit, mit Bhavya von Honor über das Robot Phone zu sprechen. Das Interview kannst du in der Aufzeichnung von unserem IFA-Livestream 2026 noch einmal in voller Länge sehen.
Warum das Robot Phone so wichtig ist
Auf dem MWC Anfang 2026 stand neben dem Robot Phone Honors erster humanoider Roboter, der später einmal Menschen beim Einkaufen helfen oder im Arbeitsumfeld zum Einsatz kommen soll. Sowohl das Smartphone als auch der Roboter sind elementare Bestandteile von Honors Konzernstrategie „Alpha Plan“ mit den drei Säulen Geräte, Ökosystem und Materialforschung.
Welche Rolle spielt hier das Robot Phone? Es dürfte ein wichtiger Testlauf auf dem ersten großen Markt sein. Honor bringt Mikromotoren, Umgebungswahrnehmung, Bewegungssteuerung und künstliche Intelligenz in ein Produkt, das auf dem Heimatmarkt zigtausend Menschen benutzen – die Schwelle zum Roboter für den Massenmarkt ist noch deutlich höher. Honor fängt also erstmal klein an und lässt den Handys Arme wachsen.