Google Gemini: So viel wusste dein Smartphone noch nie über dich

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Googles neue KI-Funktion "Personal Intelligence" startet in den USA und verknüpft all deine Daten zu einem Super-Gedächtnis. Wir erklären dir, was dahintersteckt, warum Google damit fast Gedanken lesen kann und ob das Ganze eher praktisch oder ein Datenschutz-Albtraum ist.
Ein Smartphone wird in der Hand gehalten und man sieht symbolisch Daten herumfliegen.

So smart verknüpft Gemini künftig all Eure Daten.

Kennst du das Problem? Deine wichtigen Informationen sind überall auf dem Handy verstreut. Die Flugdaten für den Urlaub liegen in einer E-Mail, die Erinnerungen an den letzten Trip schlummern in der Foto-Cloud und woran du gerade wirklich interessiert bist, weiß nur dein Suchverlauf bei Google. Das alles mühsam selbst zusammenzusuchen, nervt oft. Stell dir vor, es gäbe einen Assistenten, der dein Smartphone von einem simplen Werkzeug in einen echten Partner verwandelt, der all diese Punkte für dich clever verbindet.

Personal Intelligence startet in den USA

Genau das ist die Idee hinter Googles neuer Funktion namens „Personal Intelligence“ für die Gemini-App. Sie verbindet den KI-Assistenten direkt mit deinen persönlichen Daten aus Gmail, Google Fotos, YouTube und der Google-Suche. Damit spielt Google seinen größten Vorteil aus: den riesigen Datenschatz, den der Konzern über zwei Jahrzehnte gesammelt hat.

Es ist ein direkter Angriff auf Konkurrenten wie ChatGPT (OpenAI). Denn diese können auf so einen persönlichen Fundus nicht zugreifen. Während andere noch von einem Assistenten wie im Science-Fiction-Film „Her“ träumen, hat Google bereits deine Daten, um das ein Stück weit Wirklichkeit werden zu lassen. Google nennt das einen wichtigen Vorteil und betont dabei ganz pragmatisch: Deine sensiblen Daten liegen ohnehin schon sicher auf ihren Servern. Durch die Blume heißt das eigentlich nur: „Wir wissen das alles doch eh schon längst!“

Wie mächtig diese Verknüpfung sein kann, zeigt ein Beispiel von Josh Woodward, einem Google-Manager. Als er neue Reifen für sein Familienauto brauchte, fragte er Gemini um Rat. Die KI nannte nicht nur die richtige Größe, sondern schlug – basierend auf Familienfotos von früheren Reisen – robuste Allwetterreifen vor. Als er für die Bestellung das Kennzeichen brauchte, fischte Gemini es aus einem Foto in seiner Galerie und suchte die genaue Ausstattung des Wagens aus einer alten E-Mail heraus.

Datenschutz als Opt-in: Der Google-Kompromiss

Dass eine KI Zugriff auf deine privaten Mails, Fotos und Suchverläufe hat, sorgt natürlich erst einmal für ein mulmiges Gefühl beim Datenschutz. Google geht das Thema offensiv an: Die Funktion ist standardmäßig ausgeschaltet. Du musst sie aktiv aktivieren („Opt-in“) und kannst dabei genau festlegen, welche Apps mit Gemini verknüpft werden sollen.

Googles Datenschutz-Versprechen ist dabei aber etwas komplizierter. Persönliche Daten aus Mails oder Fotos werden nur genutzt, um deine konkrete Anfrage zu beantworten. Sie werden laut Google nicht verwendet, um die künstliche Intelligenz für alle anderen Nutzer schlauer zu machen. Allerdings nutzt Google deine Chatverläufe durchaus zum Training der Software – aber erst, nachdem persönliche Details darin „gefiltert oder unkenntlich gemacht“ wurden. Deine Daten verlassen dabei nie das Google-System.

Ob dieser feine Unterschied für dich im Alltag wirklich nachvollziehbar ist, sei dahingestellt. Die Sorge bleibt, dass auch die anonymisierten Daten Rückschlüsse auf dein Privatleben zulassen könnten.

Die Beta macht noch Fehler

Perfekt ist das System allerdings noch lange nicht. Google warnt in der aktuellen Betaphase vor einer sogenannten „Über-Personalisierung“. Das ist ein schöner Begriff dafür, dass die KI manchmal Dinge erfindet oder falsche Schlüsse zieht. Ein Beispiel: Gemini könnte denken, du bist ein ambitionierter Tennisspieler, obwohl du nur dein Kind jede Woche zum Tennis-Training fährst.

Die Schwächen gehen noch tiefer. So ignoriert die KI teilweise große Veränderungen im Leben wie eine Scheidung, verwechselt Familienmitglieder oder vergisst Dinge, die du ihr beigebracht hast. Es kann also passieren, dass dir Gemini ein Steakhouse empfiehlt, obwohl du eine Woche vorher gesagt hast, dass du jetzt vegetarisch lebst.

Trotz dieser Kinderkrankheiten ist das Potenzial riesig. Gemini könnte sich damit von einem einfachen Chatbot zu einem echten, persönlichen Assistenten entwickeln. Vorerst ist die Funktion nur in den USA für zahlende Abonnenten der teureren Tarife verfügbar, die über 18 Jahre alt sind. Workspace-Nutzer sind außen vor. Google plant aber bereits, die Funktion in weitere Länder zu bringen und später auch für Nutzer der kostenlosen Version freizuschalten.

PS: Zu ewig wird es vermutlich nicht dauern, bis auch Deutschland an der Reihe ist, immerhin existiert schon eine deutsche Google-Seite dazu.

Bildquellen

  • Apple und Google retten Siri: KI-generiert mit Nano Banana Pro
  • Google Gemini Personal Intelligence: KI-generiert mit Nano Banana Pro

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