In Zukunft könnten Radfahrer ein Tempolimit beachten müssen. Und zwar nicht nur E-Bikes (bzw. korrekterweise Pedelecs), die in Deutschland auch heute schon mit Unterstützung nicht schneller als 25 km/h fahren dürfen. Sondern alle Zweiräder. Wobei die maximal zulässige Geschwindigkeit auf 20 km/h festgelegt wird. Genau dieses Szenario testen die Niederlande erstmals im Auftrag des Ministeriums für Infrastruktur und Wasserwirtschaft in Houten und Amsterdam.
Fahrräder dürfen nicht mehr als 20 km/h fahren
Hauptgrund für das Pilotprojekt sind die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen normalen Fahrrädern und ihren elektrobetriebenen Gegenstücken. Letztere dürfen auch in den Niederlanden mit Tretunterstützung bis zu Tempo 25 fahren. Es entsteht ein Geschwindigkeitsunterschied von mehr als 10 km/h zwischen den langsamsten und den schnellsten Radfahrern. Ein Umstand, der zum erhöhten Unfallrisiko beitragen soll – insbesondere durch gewagte Überholmanöver.
Nun soll untersucht werden, ob und inwiefern ein einheitliches Tempolimit für Zweiräder die Verkehrssicherheit erhöhen kann. Sowie, ob dieses generell umsetzbar und durchsetzbar ist. Das Pilotprojekt lief zwischen dem 8. und 21. Juni in der Gemeinde Houten und wird nun in der Gemeinde Amsterdam fortgesetzt. In Houten wurde hierfür der Radweg Fossa Iberica ausgewählt. Die Straße verbindet ein Wohngebiet mit einem Einkaufsviertel sowie dem Bahnhof Houten Castellum und wird täglich von mehr als 1.000 Radfahrern benutzt.
Gemessen wird mit Kameras und Laserpistolen. Zusätzlich werden Radfahrer direkt vor Ort befragt. Im späteren Verlauf soll auf Grundlage der Studienergebnisse darüber entschieden werden, ob die Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h beibehalten oder fallen gelassen wird.
Kritische Stimmen und alternative Ansätze
Im Vorfeld des Pilotprojekts gab die Polizei eine negative Empfehlung. Demnach sei das Vorhaben zwar rechtlich vertretbar, aber angreifbar und in der Praxis schwer durchzusetzen. Ferner könnte auch ein Ausbau der Radinfrastruktur zur Verkehrssicherheit beitragen. Das sei laut dem durchführenden Unternehmen, Goudappel, jedoch nicht überall zeitnah umsetzbar. Ähnlich sieht es auch Kees Bakker vom Bund der Radfahrer. Gegenüber dem ZDF sagte Bakker: „Eigentlich wäre es sinnvoller, nach der Raumeinteilung zu schauen. Wo Bewegungsraum knapp ist, kommt es zu Konflikten. Da gibt es eigentlich schon ganz gute Lösungen, eine Höchstgeschwindigkeit fällt dagegen nicht ins Gewicht.“
Die Verantwortlichen unterstreichen ihrerseits, dass niedrigere Geschwindigkeiten längere Reaktionszeiten ermöglichen und die negativen Folgen im Konfliktfall gering halten. Nach Auswertung des Pilotprojekts soll über eine Anpassung der Maßnahmen sowie eine mögliche Ausweitung auf weitere Standorte entschieden werden.
In Deutschland existieren bereits jetzt vereinzelt Geschwindigkeitsbeschränkungen für Radfahrer. Wie etwa in der Bergmannstraße in Berlin. Dort ist eine Begrenzung auf 10 km/h angeordnet. Dabei handelt es sich allerdings um eine Einzelfallregel wegen einer besonderen örtlichen Gefahrenlage. Pläne für ein allgemeines Tempolimit auf Radwegen sind aktuell nicht bekannt.
