/News/Finanzen und Versicherungen/Die Zukunft des Bargelds: neues Format, unkaputtbar und aus Plastik. Sieht unser Geld bald aus wie eine Eintrittskarte für ein Festival?

Die Zukunft des Bargelds: neues Format, unkaputtbar und aus Plastik. Sieht unser Geld bald aus wie eine Eintrittskarte für ein Festival?

4 Min. Lesezeit Teilen/Speichern
Was aussieht wie ein buntes Festival-Ticket, soll die Zukunft unseres Bargelds sein. Die Bundesdruckerei schrumpft Geldscheine radikal und druckt sie aus robustem Bioplastik. Doch wollen wir im Alltag wirklich mit etwas bezahlen, das sich anfühlt wie Spielgeld?
Die Zukunft des Bargelds: neues Format, unkaputtbar und aus Plastik. Sieht unser Geld bald aus wie eine Eintrittskarte für ein Festival?
Die Zukunft des Bargelds: neues Format, unkaputtbar und aus Plastik. Sieht unser Geld bald aus wie eine Eintrittskarte für ein Festival?Bildquelle: inside digital / KI-generiert mit Meterial der Bundesdruckerei

Die Deutschen und ihr Bargeld … Selbst im Jahr 2026, in dem das Bezahlen per Smartphone oder kontaktloser Karte an der Supermarktkasse längst zum Alltag gehört, bleibt das physische Portemonnaie für viele Menschen ein Heiligtum. Scheine und Münzen geben uns ein Gefühl von Freiheit, sie sichern den Datenschutz und garantieren die finanzielle Teilhabe aller Bürger. Auch die Bundesdruckerei in Berlin weiß um diese tiefe Verbundenheit der Menschen zum gedruckten Geld. Sie ist fest davon überzeugt, dass Bargeld für eine funktionierende Wirtschaft weiterhin unverzichtbar bleibt. Doch um das Überleben der Scheine in einer zunehmend digitalisierten Welt zu sichern, plant man dort die radikale Transformation. Das echte Geld soll bleiben, sich aber völlig verändern.

Ein Geldschein, der kein Geldschein sein will

Werfen wir einen Blick auf die Entwürfe: Was zeigt uns die Bundesdruckerei hier? Ist es die Eintrittskarte für ein exklusives Musikfestival? Die edle Kundenkarte einer Tankstelle? Oder vielleicht das Sammlerobjekt aus einem neuen Science-Fiction-Spiel? Die psychedelischen Muster, die leuchtenden Neonfarben und ein Design, das an weit entfernte Galaxien und Schwarze Löcher erinnert, lassen kaum an den klassischen Alltag denken. In der Ecke prangt ein geheimnisvoller Wert: „3K“. Doch was hier wie ein futuristisches Kunstwerk wirkt, ist in Wahrheit die Vision für den nächsten Geldschein. So absurd könnte er aussehen, der Nachfolger des vertrauten 50-Euro-Scheins.

Stella: So stellt sich die Bundesdruckerei die Zukunft des Bargelds vor Image source: Bundesdruckerei GmbH

Hinter diesem radikalen Entwurf steckt das Konzept „STELLA“, das die Bundesdruckerei GmbH kürzlich auf der Banknote Conference in Washington präsentiert hat. Es ist die zweite Konzept-Banknote aus der sogenannten EX NIHILO-Serie. Schon der Vorgänger IGNIS sorgte 2024 mit schwarzem Papier und einem eingebauten Mikrochip für Aufsehen in der Fachwelt. Nun stellt STELLA die Welt des Geldes noch radikaler auf den Kopf, indem sie das Bargeld drastisch schrumpft.

Ignis: Ein Konzept aus dem Jahr 2024 Bundesdruckerei zur Bargeld-Zukunft Image source: Bundesdruckerei GmbH

Dr. Adrian Heuberger-Lewerenz, der verantwortliche Entwickler bei der Bundesdruckerei, stellt eine entscheidende Frage: Wenn Banknoten im Alltag zwar weniger genutzt werden, aber trotzdem attraktiv und absolut sicher bleiben müssen – welche völlig neuen Anforderungen an das Design entstehen dann? Die Berliner Antwort darauf lautet: Maximale Reduktion auf das Wesentliche.

Was haben wir von so einem „Bargeld“? Die genialen Vorteile im Alltag

Dieses geldpolitische Experiment rund ums Bargeld bringt für den Endverbraucher einige geniale Vorteile im Alltag mit sich.

  • Das perfekte Format: Der Schein STELLA besitzt exakt die Maße einer gewöhnlichen Kreditkarte. Er flutscht damit reibungslos in die Kartenschlitze moderner, minimalistischer Wallets, in denen für riesige, sperrige Geldscheine alter Schule ohnehin kaum noch Platz ist. Das Portemonnaie in der Hosentasche wird dadurch ultradünn.
  • Unkaputtbar in der Waschmaschine: Weil STELLA nicht aus klassischem Baumwollpapier besteht, sondern auf einem robusten Polymersubstrat gedruckt wird, übersteht dieser Schein selbst den versehentlichen Waschgang bei 60 Grad völlig schadlos. Kein Zerfleddern, kein Einreißen und kein bitteres Erwachen mehr vor der Wäscheleine.
  • Grünes Gewissen beim Bezahlen: Das Material der Zukunft ist eine Art Bioplastik, das aus erneuerbaren, nicht-fossilen Rohstoffen hergestellt wird. Wer in Zukunft bar bezahlt, schont die Umwelt und hinterlässt einen deutlich kleineren ökologischen Fußabdruck, da bei der Produktion massiv Rohstoffe und Energie eingespart werden.

Die Kehrseite: Das Spielgeld-Gefühl und die absurden Hürden

Doch so verlockend diese technischen Neuerungen klingen, so tief greifen sie in die Psychologie der Verbraucher ein. Denn mit dem radikalen Wandel des Materials droht das sogenannte „Spielgeld“-Gefühl. Uns wird die gewohnte Haptik fehlen. Traditionelles Papiergeld fühlt sich nach Substanz an, nach echtem, greifbarem Wert. Ein winziger, glatter Plastikschnipsel im Kreditkartenformat läuft Gefahr, im menschlichen Gehirn die falsche Schublade zu öffnen. Wir könnten STELLA psychologisch eher wie eine wertlose Rabattkarte, einen Gutschein oder eben wie Spielgeld wahrnehmen. Das tiefe Vertrauen in den physischen Gegenwert gerät dadurch ins Wanken.

Zudem lauern im Alltag ganz praktische, fast absurde Hürden. Ein so kleiner Schein verschwindet schnell unbemerkt in den Tiefen einer Handtasche oder eines Rucksacks. Auch die weltweite Infrastruktur stünde vor einem logistischen Albtraum: Jeder Geldautomat, jeder Parkscheinautomat und jede Zählmaschine der Zentralbanken müsste für dieses winzige Format mechanisch umgerüstet werden.

Ab 2027: Neues Bargeld-Gesetz tritt in Kraft

Elisabeth Limbacher, Leiterin des Wertdrucks bei der Bundesdruckerei, betont zwar, dass die Zukunft des Bargelds in einem perfekt abgestimmten Zusammenspiel von Nachhaltigkeit, Sicherheit und Praxistauglichkeit liegt. Doch ob die Menschen die Umstellung im Alltag wirklich mitmachen, bleibt die spannendste Frage des Projekts. Am Ende liegt die größte Hürde für das Geld der Zukunft nämlich nicht in den Druckmaschinen der Bundesdruckerei, sondern in den Köpfen der Verbraucher. Sind Sie wirklich bereit, Ihr geliebtes, griffiges Papiergeld gegen diese spacigen Plastikkarten einzutauschen?

Geprüfte News von echten Redakteuren

inside digital als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen.

Bildquellen

  • Stella: So stellt sich die Bundesdruckerei die Zukunft des Bargelds vor: Bundesdruckerei GmbH
  • Ignis: Ein Konzept aus dem Jahr 2024 Bundesdruckerei zur Bargeld-Zukunft: Bundesdruckerei GmbH
  • Wir schaffen das Bargeld ab. Na und?!: Sara Kurfeß / Unsplash
  • Die Zukunft des Bargelds: neues Format, unkaputtbar und aus Plastik. Sieht unser Geld bald aus wie eine Eintrittskarte für ein Festival?: inside digital / KI-generiert mit Meterial der Bundesdruckerei

1 Kommentar

  1. Karsten
    Die Entwicklung geht weiter und neue Ideen sind immer angebracht. Trotzdem frage Ich mich, lässt sich so ein Geld in der Unterhose oder Socken verstecken? Kann ich so ein "Schein" x-belibig falten? Bei allen technischen Vorteilen, sehe ich persönlich einige Nachteile bei der Handhabung von einzelnen Scheinen
[-AMP Version-]