Angst vor dem nächsten Preis-Schock: Das ist der neue Gas-Plan der Regierung

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Die geopolitische Lage bleibt angespannt. Die Bundesregierung plant einen neuen Kurs bei der Gasbeschaffung: weg von teuren Kurzfristkäufen, hin zu langfristigen Verträgen, mehr LNG und neuen Pipeline-Partnern. So sollen Versorgungssicherheit und Preisstabilität steigen, trotz Streit um Klimaregeln.
Euroscheine auf Heizkörper, Symbol für Heizkosten
Angst vor dem nächsten Preis-Schock - Das ist der neue Gas-Plan der RegierungBildquelle: Alejandro D/Adobe Stock

Der Preisdruck durch die Irankrise scheint auch die Bundesregierung zum Handeln zu motivieren. Die schwarz-rote Koalition stellt die langfristige Beschaffung von Erdgas neu auf. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche setzt dabei klar auf einen Kurswechsel: weg von kurzfristigen Käufen am Spotmarkt, hin zu länger laufenden Verträgen mit mehreren internationalen Lieferanten.

Mehr Sicherheit durch langfristige Gasverträge

Der Hintergrund ist nachvollziehbar. Kurzfristige Beschaffung kann bei angespannten Märkten schnell teuer werden. Langfristige Verträge binden zwar Kapital, schaffen aber mehr Planungssicherheit: für Unternehmen ebenso wie für Verbraucher. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und einer weiterhin spürbaren Inflation gilt das aus Sicht der Regierung als wichtiger Stabilitätsfaktor. Zugleich plant Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ohnehin großzügig in neue Gaskraftwerke zu investieren. Die Verträge können also sogleich als Präventivschlag gegen die ermittelten 60 Cent pro Kilowattstunde betrachtet werden, die Untersuchungen für diese Pläne prognostiziert haben.

LNG und Pipeline-Gas als zentrale Bausteine

Um die Versorgung breiter abzusichern, setzt das Wirtschaftsministerium auf mehrere Großprojekte. Der bundeseigene Gasversorger Sefe, früher als Gazprom Germania bekannt, bereitet nach Angaben des Ministeriums eine größere Ausschreibung vor. Dabei geht es um umfangreiche LNG-Lieferungen für den Zeitraum von 2027 bis 2036. Diese Mengen sollen vor allem dem europäischen Markt zugutekommen, insbesondere Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Belgien.

Parallel dazu soll auch der Pipeline-Bezug ausgebaut werden. Der Energiekonzern VNG aus Leipzig vertieft seine Lieferbeziehungen zu Algerien. Außerdem gilt Aserbaidschan als möglicher zusätzlicher Partner für Gaslieferungen über bestehende Leitungen nach Europa. Die Idee dahinter: Wer auf verschiedene Lieferländer und Transportwege setzt, macht sich weniger angreifbar für regionale Krisen oder politische Erschütterungen. Denn eine Schwankung bei einem Partner wirkt sich dadurch nicht sofort auf alle bestehenden Verträge und die gesamte Versorgung aus.

Streit um Klimaregeln für Gasimporte

Der neue Kurs bleibt jedoch nicht ohne Kritik. Besonders umstritten ist der Vorstoß von Katherina Reiche, EU-Klimavorgaben für Gasimporte zu lockern. Im Zentrum steht die EU-Methanverordnung, die strenge Regeln für Methanemissionen entlang der gesamten Lieferkette vorsieht. Die Ministerin argumentiert, dass diese Vorgaben die Versorgung nicht unnötig erschweren dürften. Kritiker halten dagegen, dass gerade solche Regeln wichtig seien, um die Klimawirkung fossiler Energien einzudämmen.

Die Deutsche Umwelthilfe wirft der Regierung laut Berichten von Die Zeit vor, sich zu sehr an den Interessen der Gaswirtschaft zu orientieren. Vor allem mögliche zusätzliche Importe aus den USA stehen in der Kritik, da dort häufig Fracking-Gas gefördert wird, das als besonders klimaschädlich gilt. Eine größere Unabhängigkeit von Gas erreicht man zudem nicht, indem man plant, mehr Gas im Land zu verwerten. Der Plan mag die Kosten somit zwar abfedern, könnte sich jedoch als doppelter Stolperstein für Verbraucher erweisen.

Denn zugleich soll im Gebäudemodernisierungsgesetz verankert werden, dass der Anteil von grünem Gas in den Versorgungsnetzen steigen soll. Das bedeutet: Die günstigeren Lieferverträge mit nicht grünem Gas könnten Menschen irrtümlich glauben lassen, dass die Versorgung mit Gas günstig bleibt. Bis die Quoten im Versorgungsnetz steigen und die Kosten entsprechend in die Höhe schießen lassen. Vor allem Mieter gelten dabei als Verlierer. In rund 19 Jahren könnten sich ihre Mieten um bis zu 400 Euro nur wegen dieser Gesetzesgrundlage erhöhen.

Spagat zwischen Preisstabilität und Klimaschutz

Der neue Gas-Plan zeigt vor allem eines: Die Bundesregierung will Preis-Schocks und Versorgungsengpässe künftig besser abfedern. Dafür setzt sie auf langfristige Lieferverträge, neue Partner und einen breiteren Mix an Bezugsquellen. Eine Vorsorgemaßnahme gegen erhöhte Energiepreise ist zu begrüßen, aber ob dieser explizite Ansatz dafür der richtige ist? Das wird uns wohl nur die Zukunft zeigen.

Gleichzeitig verschärft sich der Konflikt mit den eigenen Klimazielen. Genau dieser Spagat dürfte die energiepolitische Debatte in den kommenden Monaten prägen. Laut Ministerium werden zudem weitere Entlastungen für Bürger nach Ostern geprüft, darunter auch eine mögliche Erhöhung der Pendlerpauschale.

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1 Kommentar

  1. Karsten Frei
    Kein Gaslieferant in der Welt wird dieser Regierung oder auch der EU glauben. Alle Langzeitlieferverträge mit Russland wurden aufgrund von politischen Entscheidungen aufgelöst. Die Nordstream-Pipelines wurden gesprengt und keiner regt sich auf. Und was ist mit EU-Lieferkettengesetzen? EU-Geisterfahrern traut doch kein Mensch mehr. Kann mir jemand erklären, warum soll sich etwas ändern? Nur weil Populisten in der EU und DE-Regierung etwas sagen, bedeutet es noch lange nicht, dass sich etwas ändert. Und woher soll das Gas kommen? Erst, wenn andere Parteien in Deutschland, und vor allem in der EU an der Macht sind, kann man auch tatsächlich einen Politikwechsel erwarten. Aber solange Kriegstreiber die Politik in der EU und Deutschland lenken, wird es nichts mit Frieden, Handel und Wohlstand. https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-ein-junkie-stellt-bedingungen-die-eu-isoliert-sich-auf-den-energiemaerkten/100171906.html https://web.de/magazine/politik/bedeutet-eu-einfuhrverbot-russisches-lng-41512410
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