Obwohl halboffene Earbuds auf dem Kopfhörermarkt nicht allzu häufig zu finden sind, tragen sie sehr viele Menschen in den Ohren. Nach den sehr beliebten AirPods von Apple bietet Samsung mit den Galaxy Buds4 nun auch Earbuds an, die eher so lose als fest im Ohr sitzen. Aber überzeugt die neue Version mit besserem Klang für 180 €?
Preis & Verfügbarkeit
Samsung verkauft die Galaxy Buds4 zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von 179,99 €. Dabei kannst du zwischen der getesteten schwarzen Farbvariante und einer weißen Farbgebung entscheiden. Alternativ gibt’s auch die leistungsstärkeren Galaxy Buds4 Pro mit klassischem In-Ear-Design für 249 €. Das Pro-Modell gibt’s auch noch mit rosafarbener Option.
Design & Tragekomfort
Packst du die Galaxy Buds4 nach der Lieferung aus, fällt dir eine Sache womöglich direkt auf. Das Lade-Etui ist nicht nur halb transparent, es fällt mit Maßen von knapp 5 x 5 x 3 cm (B x T x H) auch angenehm klein aus. Zwar ist es damit größer als das Lade-Etui der vierten AirPods-Generation – die sind knapp 5 x 2 x 4,6 cm (B x T x H) groß –, in der Hosentasche oder in Jacken fallen die nur 45 g schweren Earbuds dennoch kaum auf. Geöffnet wird das Lade-Etui im klassischen Taschenspiegel-Design, an der Hinterseite findest du einen Knopf zum Verbinden sowie einen USB-C-Anschluss.
Die Earbuds selbst erscheinen in einem eigenen, recht auffälligen Design mit Designelementen aus gebürstetem Aluminium. Es überzieht den gesamten Stiel und umschließt oben ein Außenmikrofon. Ins Ohr gesteckt werden die Buds4 wie normale In-Ear-Kopfhörer. Doch da sitzen sie deutlich lockerer als ihre Alternativen mit Silikonspitzen.
Als halboffene Earbuds ruhen die ergonomisch geformten Earbuds vor dem Gehörkanal im Innenohr. Da ohne Silikonspitzen kein Unterdruck entsteht, empfinden manche Menschen das Tragegefühl als angenehmer. Allerdings passt sich der verwendete Kunststoff, anders als Silikon oder Schaumstoff, nicht an das jeweilige Ohr an. Es ist dementsprechend ein wenig Glückssache, ob die Earbuds gut oder sehr gut im Ohr halten.
Samsungs Design Innovation Center hat weltweite Daten zu Ohrformen untersucht, um die Form der Earbuds zu optimieren. Die Galaxy Buds4 bleiben bei uns im Ohr, sie sitzen aber recht locker und lockern sich weiter, wenn wir zum Beispiel sprechen oder essen. Bei einer kurzen Radfahrt zum Testen der Anfälligkeit für Windgeräusche hatten wir ein wenig Angst, dass die Earbuds aus dem Ohr fallen. Ein anschließender Kopfschüttel-Test ergab allerdings, dass diese Sorge unberechtigt war. Die Buds4 blieben im Ohr.
An dieser Stelle geht’s aber noch kurz um die Bedienung und den Wasserschutz. Letzterer ist nach IP54 zertifiziert, man kann mit den Buds4 also theoretisch duschen. Dabei reagieren allerdings auf Wassertropfen, da sie sowohl eine Steuerung über Wischgesten als auch über Kneifgesten erlauben. Wischst du auf den Aluminiumelementen nach oben oder unten, änderst du die Lautstärke. Per Kneifen kannst du das ANC an- oder ausschalten sowie die Wiedergabe steuern.
Nutzt du die Buds4 mit einem Galaxy-Smartphone, kannst du ab OneUI 8.5 zudem eine Gestensteuerung nutzen. Dabei reagieren die Earbuds auf Kopfnicken und Kopfschütteln. So kannst du etwa Anrufe annehmen oder Samsungs Sprachassistenten Bixby ansteuern. Bei Android-Geräten oder einem iPhone geht das leider nicht.
Software & Bedienfunktionen
Bei der Verfügbarkeit von Betriebssystemen zieht Samsung auch im Jahr 2026 die „Uno-Reverse-Card“. Denn wie Apple AirPods lassen sich die Galaxy Buds4 zwar mit einem iPhone verbinden, es gibt jedoch keine iOS-kompatible App. So kannst du zwar Musik hören und über Kneifgesten das ANC steuern. Equalizer oder eine Steuerung kannst du über ein iPhone aber nicht steuern.
Das geht wiederum auch mit Android-Smartphones, die nicht von Samsung stammen. Die Galaxy-Wearable-App erlaubt es uns, den Klang über einen 9-Band-Equalizer zu individualisieren und das ANC anzupassen.
Verbunden mit einem Samsung-Smartphone erhältst du dann den vollen Funktionsumfang. Zu den genannten Funktionen kommt die Steuerung der „Galaxy AI“ direkt am Ohr hinzu. Genauso eine clevere Multi-Device-Funktion, bei der die Earbuds automatisch erkennen, welches Gerät du gerade nutzt. Hinzu kommt ein Vorteil, mit dem wir nun endlich zum Klang der Earbuds kommen.
Klang & ANC
Android-Smartphones haben den Vorteil, dass sie hochqualitative Bluetooth-Codecs wie LDAC, AptX oder LDHC unterstützen. Damit genießt man mit vielen Bluetooth-Kopfhörern eine höhere Auflösung der abgespielten Musik über Streamingdienste wie Tidal, wenn man zu einem Android-Smartphone greift.
Die Galaxy Buds4 können das auch – leider wieder nur mit einem verbundenen Samsung-Smartphone. Der Samsung Seamless Codec unterstützt dabei 24 Bit bei 96 kHz, was leistungsstärker ist als Snapdragons AptX-HD-Codec. Sowohl technisch als auch im Hörtest ist das durchaus beeindruckend. Die leisen Instrumente, die wir in „Good Will Hunting“ von Black Country New Road mit dem iPhone kaum hören, kommen hier deutlicher zur Geltung. Die Liste der unterstützten Geräte für Samsungs HD-Codec ist allerdings äußerst kurz. Willst du besonders hochauflösende Musik mit den Earbuds hören, musst du ein Galaxy-S-Smartphone ab dem S23 nutzen. Alternativ ein Flip– oder Fold-Modell ab Generation 5 oder ein Galaxy Tab S9 oder neuer.
Einen HD-Codec dermaßen zu beschränken, ist den Galaxy Buds4 unserer Meinung nach als Nachteil anzukreiden. Schließlich gibt es ja unter Android offene Codecs, die Samsung hier hätte nutzen können. Ein „Walled Garden“, wie wir ihn im Jahr 2026 immer häufiger sehen.
Die Klangqualität der Galaxy Buds4 ist ohne den SSC-Codec aber immer noch solide. Dank des Equalizers können wir den Klang gut auf unseren eigenen Geschmack oder Musikgenres anpassen. Gleichzeitig bieten die Samsung-Kopfhörer für offene Modelle einen sehr tiefen und überzeugenden Bass. Und das, obwohl Samsung die Dual-Treiber sowie die Dual-DACs für die teureren Pro-Modelle vorbehält. Die Buds4 sind mit einem dynamischen 11-mm-Treiber ausgestattet, der ähnlich auch in Konkurrenzmodellen zu finden ist.
Der überzeugende Bass geht bei diesen Modellen aber oft verloren, wenn die Buds4 im Ohr verrutschen. Im Testzeitraum kam es immer wieder vor, dass wir uns erst nach genauer Positionierung im Ohr an die Tiefen in Liedern erinnerten. Das mag bei deinen Ohren anders sein, du solltest es aber beim Kauf halboffener Earbuds beachten.
Sehr überzeugend war im Testzeitraum die Leistung des ANCs. Hier sind halboffene Earbuds erneut im Nachteil, da sie keine passive Abschirmung bieten. Samsungs adaptives ANC produziert aber derart effektiven Antischall, dass dieser Nachteil nicht weiter ins Gewicht fällt. Gleichzeitig entfällt das Gefühl eines stärkeren Unterdrucks, das viele Menschen bei ANC-Kopfhörern kritisieren. Hier punkten die Galaxy Buds4 durchaus. Zumal auch der Transparenzmodus mit besonders wenig Windgeräuschen auffällt – beziehungsweise erfreulicherweise eben genau nicht auffällt.
Telefonieren ist mit den Galaxy Buds4 zu guter Letzt auch möglich. Dafür verbaut Samsung gleich sechs Mikrofone im kleinen Gehäuse. Die Klangisolierung überzeugte unsere Gegenseite beim Telefonieren mit einem iPhone allerdings weniger. Wir konnten die Gegenseite hingegen sehr klar verstehen und bekamen sogar ein wenig unserer eigenen Stimme in den Gehörgang gespult. Wer hier wieder ein aktuelles Samsung-Gerät nutzt, profitiert zudem von Superbreitband-Telefonaten.
Eine Sache noch, dann geht’s um die Akkulaufzeit: Technisch überzeugen die Buds4 mit Bluetooth 6 und Unterstützung für Auracast. Die noch recht wenig verbreitete Technologie erlaubt es dir etwa, Durchsagen an Flughäfen wie bei einem Oldschool-Radio über die Earbuds zu empfangen.
Akkulaufzeit
Da sich die Galaxy Buds4 mit den AirPods von Apple messen wollen, haben sie in der Kategorie „Akku“ Glück! Denn die halboffenen Apple-Earbuds haben eine notorisch schlechte Akkulaufzeit von nur vier Stunden mit ANC im Test von nextpit. Dementsprechend überzeugen die Galaxy Buds4 mit sechs Stunden ohne ANC und fünf Stunden mit ANC ein wenig mehr.
Wirklich überragend ist die Laufzeit der leichten Earbuds allerdings nicht. Inzwischen gibt es viele günstige In-Ear-Kopfhörer, die einen kompletten Arbeitstag lang durchhalten. Die Buds4 musst du in der Mittagspause einmal aufladen.
Das geht wahlweise kabelgebunden oder kabellos dank Qi-Charging. Angaben zu einer Schnellladefunktion macht Samsung nicht. Ein komplettes Aufladen der Kopfhörer nahm im Test ungefähr anderthalb Stunden in Anspruch. Das volle Lade-Etui und die vollen Earbuds kommen kombiniert dann auf 24 Stunden Laufzeit mit ANC und 30 Stunden ohne.
Fazit
Keine große Überraschung: Die Galaxy Buds4 sind die besten halboffenen Earbuds, wenn du ein Samsung-Handy hast. In Verbindung mit bestimmten Geräten profitierst du in Samsungs-Ökosystem von hochauflösender Musik, dem automatischen Wechsel zwischen Geräten sowie KI-gestützten Funktionen wie einer Live-Übersetzung.
Diese Vorteile entfallen leider, wenn du ein anderes Android-Handy oder sogar ein günstigeres Samsung-Device nutzt. Ein derart künstlicher Walled-Garden ist hier besonders ärgerlich, da sich viele der Funktionen auch über offene Standards realisieren ließen.
Ohne Samsung-Handy bleiben die Buds4 aber dennoch interessante halboffene Earbuds. Sie bieten trotz fehlender passiver Abschirmung überraschend gutes ANC, lassen sich dank Equalizer gut individualisieren und ruhen in einem der schöneren Lade-Etuis der letzten Jahre.
Neben dem geringeren Funktionsumfang für Fremdhersteller fielen uns im Testzeitraum folgende weitere Kritikpunkte auf: Wie gut die Kopfhörer klingen, hängt stark davon ab, wie gut sie gerade im Ohr sitzen. Die Akkulaufzeit ist mit fünf Stunden bei aktiviertem ANC recht kurz und Vorteile wie Dual-Treiber und Dual-DACs gibt’s nur in den teureren Pro-Modellen.
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