PV-Überwachung ohne Hersteller-Cloud: Neue Plattform sucht Tester

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Immer mehr Solaranlagen funken fleißig Daten in fremde Clouds. Bequem, ja, aber nicht ganz ohne Beigeschmack. Jetzt taucht eine neue Plattform auf, die genau dieses Grundprinzip infrage stellt und einen anderen Weg gehen will.
PV-Überwachung ohne Hersteller-Cloud - Neue Plattform sucht Tester

PV-Überwachung ohne Hersteller-Cloud - Neue Plattform sucht Tester

Wenn du eine Photovoltaik-Anlage betreibst, kennst du das Spiel: App installieren, Wechselrichter koppeln, fertig. Deine Ertragskurven sind jederzeit abrufbar, aber eben auch irgendwo auf Servern, die nicht dir gehören. Genau an diesem Punkt setzt ein neues Projekt von Shelly an. Der Smart-Home-Hersteller sucht im eigenen Forum aktuell 20 Beta-Tester für eine eigene Solarplattform, die bewusst Abstand von klassischen Hersteller-Clouds nimmt.

Warum Cloud-Monitoring nicht nur praktisch ist

Fast alle Wechselrichter-Hersteller setzen heute auf Cloud-Lösungen. Die Messdaten werden automatisch hochgeladen, ausgewertet und hübsch visualisiert. Das ist komfortabel, aber nicht ganz harmlos. Besonders bei Hybrid-Wechselrichtern mit Batteriespeicher fallen detaillierte Verbrauchsdaten an. Daraus lassen sich Tagesabläufe, Anwesenheiten und sogar Urlaubszeiten ablesen. Oft bleibt unklar, wo genau diese Daten liegen und wer im Zweifel darauf zugreifen kann.

Spätestens seit Warnungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik ist klar: Energieinfrastruktur ist sensibel. Die Sorge, dass Wechselrichter aus der Ferne beeinflussbar sein könnten, ist kein bloßes Gedankenspiel mehr, sondern Teil einer realen sicherheitspolitischen Debatte.

Shellys Ansatz: weniger Blackbox, mehr Transparenz

Shelly will genau hier ansetzen. Das Unternehmen aus Bulgarien – EU- und NATO-Mitglied – entwickelt eine Solarplattform, die unabhängig von den Clouds der Wechselrichter-Hersteller arbeitet. Stattdessen werden die relevanten Daten lokal erfasst und über eine eigene Infrastruktur ausgewertet. Dein Wechselrichter bleibt dabei vollständig unter deiner Kontrolle, der laufende Betrieb wird laut Shelly in keiner Weise beeinflusst. Das Ziel ist kein radikaler Cloud-Verzicht um jeden Preis, sondern eine Alternative für alle, die ihre Datenflüsse besser verstehen und steuern wollen.

Wer Shellys Solarplattform testen darf und wer nicht

Der Beta-Test richtet sich allerdings nicht an jede PV-Anlage. Um teilzunehmen, brauchst du mindestens 10 kWp installierte Leistung und einen oder mehrere Wechselrichter mit ModBus-Schnittstelle. Maximal zehn Wechselrichter pro Anlage sind erlaubt, Inselanlagen ohne Netzeinspeisung fallen raus. Ein Batteriespeicher ist kein Muss, erhöht aber die Chancen. Zusätzlich musst du bei der Bewerbung technische Details liefern: Anlagengröße, Wechselrichtermodell, Art des ModBus-Anschlusses und deine Region. Die Auswahl trifft Shelly selbst. Kontaktiert wirst du nur, wenn du dabei bist.

Das sind die Vorzüge von Shellys Solarplattform

So läuft der Shellys-Test technisch ab

Ausgewählte Tester erhalten einen Shelly Pro 3EM, ein dreiphasiges Strommessgerät, das oberhalb des Stromzählers installiert wird. Dazu kommt ein spezielles ModBus-Add-on, das direkt mit dem Wechselrichter kommuniziert. Der bestehende Datensammler des Herstellers kann parallel weiterlaufen – oder eben nicht. Wichtig: Die Installation darf ausschließlich durch eine Elektrofachkraft erfolgen. Hier geht es um Netzanschlüsse, Fehler sind nicht nur teuer, sondern potenziell lebensgefährlich.

Was du davon hast, dich am Test zu beteiligen

Als Gegenleistung winkt eine lebenslange Lizenz für die fertige Shelly Solarplattform. Das deutet klar darauf hin, dass der Dienst später kostenpflichtig wird. Wie teuer genau, ist noch offen. Auch der Preis für das ModBus-Add-on steht noch nicht fest. Der Shelly Pro 3EM ist für PV-Betreiber aktuell meist für unter 70 Euro erhältlich und von der Mehrwertsteuer befreit. Wann die Plattform offiziell startet? Vermutlich noch im Laufe des Jahres. Der öffentliche Beta-Test ist ein starkes Signal: Shelly meint es ernst und stellt die Frage, ob PV-Monitoring in Zukunft wirklich immer über fremde Clouds laufen muss. Gerade, dass du unabhängig vom Hersteller deine Anlage über eine zentrale Cloud steuern könntest, ist bereits eine interessante Möglichkeit.

Bildquellen

  • das-sind-die-vorzuege-von-shellys-solarplattform: KI-generiert
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  • pv-ueberwachung-ohne-hersteller-cloud-neue-plattform-sucht-tester: KI-generiert

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