Manche politische Ideen sind wie schlechte Ohrwürmer: Man wird sie nicht los. Kaum ist die alte Regierung Geschichte, summt schon der nächste Finanzminister die gleiche Melodie. Diesmal ist es Lars Klingbeil, der die Steuerklassen neu sortieren will. 3 und 5 sollen weg. Doch was passiert mit Löhnen und Gehältern, wenn diese doch oft ziemlich beliebten Steuerklassen verschwinden? Gibt es am Ende weniger Netto vom Brutto? Wir haben das mal durchgerechnet.
Weniger oder mehr Netto jeden Monat?
Zur Auswahl stehen bisher mehrere Modelle. Die Standardlösung: Beide Partner haben die Steuerklasse 4. Die bekommt man automatisch. Oder man entscheidet sich aktiv für die Steuerklassen 3 und 5 – der Klassiker für Paare mit ungleichen Einkommen. Einer zahlt wenig Steuern, der andere viel. Zusammen fühlt sich das erstmal besser an. Denn: Am Monatsende bleibt tatsächlich mehr Geld, als hätten beide Steuerklasse 4. Doch genau hier wird es jetzt interessant.
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Nehmen wir ein Paar, ziemlich durchschnittlich: Person A verdient 5.000 Euro brutto, Person B 2.500. Mit Steuerklasse 3 und 5 bleiben zusammen rund 4.860 Euro netto im Monat. Mit 4 und 4 sind es etwa 4.740 Euro. Macht einen Unterschied von 120 Euro. Nicht die Welt, aber genug für Strom, Internet und das Gefühl, man habe das System ausgetrickst. Der Haken kommt später, wie so oft.
Das passiert, wenn die Regierung die Steueränderung durchzieht
Denn das Finanzamt rechnet nicht monatlich, sondern jährlich. Und dann wird aus dem kleinen Vorteil schnell ein großer Nachteil. Wer 3 und 5 wählt, hat zwar monatlich mehr Netto, zahlt unterjährig aber oft zu wenig Steuern. Am Ende stehen Nachzahlungen im Raum, gern mal vierstellig. Bei 4 und 4 ist es umgekehrt: Man zahlt zu viel und bekommt nach der Steuererklärung etwas zurück. Ein kleiner Trostpreis für Geduldige.
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Der eigentliche Clou: Am Ende des Jahres ist es egal. Die Gesamtsteuer bleibt identisch, egal ob 3/5 oder 4/4. Es geht nur darum, wann das Geld das Konto verlässt – häppchenweise jeden Monat oder gesammelt mit Ansage vom Amt. Und genau hier verliert die große Reform plötzlich ihren Glanz. Denn wenn Klingbeil nun die Steuerklassen 3 und 5 abschaffen will und alle ins Faktorverfahren drängt, dann ist das vor allem eins: eine Umstellung im Zahlungsrhythmus. Weniger Überraschungen, vielleicht weniger Streit am Küchentisch, aber keine steuerliche Revolution.
