BAföG-Kürzung für schlechte Noten: Rentner wollen den Jungen etwas wegnehmen, das sie selbst nie hatten

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Beim BAföG und Elterngeld will die Regierung ordentlich einsparen. Was die Deutschen davon halten, hat ein Forschungsinstitut untersucht. Das Ergebnis klingt zunächst ziemlich eindeutig. Bis man genauer hinschaut.
BAföG-Kürzung für schlechte Noten: Rentner wollen den Jungen etwas wegnehmen, das sie selbst nie hatten
BAföG-Kürzung für schlechte Noten: Rentner wollen den Jungen etwas wegnehmen, das sie selbst nie hattenBildquelle: Markus Spiske / Pexels

Die Ampel ist Geschichte, gespart wird trotzdem weiter, nur jetzt unter anderer Regie. Im Haushaltsentwurf 2027 will Familienministerin Karin Prien das Elterngeld von 14 auf 12 Monate zusammenstreichen, macht unterm Strich 440 Millionen Euro weniger – von 7,51 auf 7,07 Milliarden. Beim BAföG greift die Regierung woanders an: Die versprochene höhere Wohnkostenpauschale kommt nicht, wie ursprünglich geplant, zum Wintersemester, sondern erst ein halbes Jahr später, zum Sommersemester. Betroffen sind mehr als 600.000 Studierende und Schüler, die bis dahin mit der alten, zu knappen Pauschale auskommen müssen.

Parallel dazu wollten das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) wissen, wie die Bevölkerung zu Kürzungen bei genau diesen beiden Leistungen steht. Fast 11.500 Menschen wurden zwischen Februar und September 2025 befragt, repräsentativ, mit sauberer Methodik. Das Ergebnis: Pauschale Kürzungen will fast niemand. Gerade einmal 1 Prozent würde das BAföG für alle kürzen, 4 Prozent das Elterngeld. Kürzen ja, aber bitte nicht bei mir und nicht wahllos.

Rentner: Kürzt ihnen das BAföG

Spannend wird es, sobald man nachfragt, bei wem genau. Sollen bestimmte Gruppen weniger bekommen, kippt die Stimmung. 60 Prozent sind offen für selektive BAföG-Kürzungen, beim Elterngeld sind es sogar 80 Prozent.

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Beim BAföG gibt es dabei eine klare Reihenfolge. Ganz oben stehen Studenten mit schlechten Noten. 37 Prozent der Befragten finden, dass man ihnen das Geld kürzen sollte. Deutlich mehr als bei Studenten, die erst seit Kurzem in Deutschland leben. Dort sind es 21 Prozent. Bei Studenten in sogenannten brotlosen Fächern sind es 16 Prozent.

Aber: Schlüsselt man die Zustimmung nach Alter auf, sieht das Bild plötzlich ganz anders aus: 53 Prozent der über 65-Jährigen befürworten eine BAföG-Kürzung für schlechte Noten. Bei den unter 45-Jährigen sind es 27 Prozent. Fast doppelt so viel Zustimmung, je nachdem, ob der eigene Studienalltag Jahrzehnte zurückliegt oder noch gar nicht so lange her ist.

WZB-Forscher Stefan Munnes liefert dafür eine Erklärung: Besonders häufig für Kürzungen sind diejenigen, die selbst wenig zu befürchten haben. Das liegt nicht daran, dass es früher kein BAföG gab. Das gibt es seit 1971. Aber Anfang der 70er nahm nicht einmal jeder Fünfte eines Jahrgangs ein Studium auf. Heute ist es etwa jeder Zweite. Wer also nie eine Universität von innen gesehen hat, hat auch nie einen BAföG-Antrag gestellt. Kürzen fällt leicht, wenn einen die Kürzung selbst nie trifft.

Wer entscheidet?

Das zeigt sich auch an den Größenordnungen. 2024 bezogen rund 613.000 Menschen BAföG. Elterngeld bekamen rund 1,6 Millionen Menschen. Die Gruppen, um deren Geld hier gestritten wird, sind also vergleichsweise klein. Und über ihre Leistungen entscheidet mehrheitlich eine Bevölkerung, die selbst weder Studierende noch Eltern von Kleinkindern sein muss.

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Das macht die Sache politisch interessant. Denn natürlich muss man keine Leistung selbst beziehen, um über ihre Finanzierung zu urteilen. Sonst dürfte ein kinderloser Mensch nicht über Kitas diskutieren und ein Rentner nicht über Schulen. So funktioniert ein Gemeinwesen nun einmal nicht.

Die Studie zeigt vor allem eines: Wer selbst nie BAföG gebraucht hat, tut sich offenbar leichter damit, es anderen zu kürzen. Eine Generation, in der deutlich weniger Menschen studiert haben, entscheidet heute mit darüber, wie viel Unterstützung die nächste Generation bekommt. Lebenserfahrung ist das eine. Zu wissen, was es bedeutet, selbst darauf angewiesen zu sein, etwas anderes.

Kürzt man BAföG für schlechte Noten, trifft das nicht alle gleich hart. Wer aus einem Elternhaus kommt, das ohnehin zahlt, kann sich ein verpatztes Semester leisten. Mama und Papa überweisen weiter, Klausur wiederholt, weiterstudiert. Wer dagegen auf BAföG angewiesen ist, hat meistens schon vorher die schlechteren Karten: Nebenjob neben dem Studium, keine ruhige Bude zum Lernen, kein finanzielles Polster, wenn's mal eng wird. Genau diese Gruppe soll jetzt die Quittung bekommen für Noten, die auch ein Ergebnis dieser Startbedingungen sind.

Das ist keine Sparmaßnahme, das ist eine Verstärkerschaltung für soziale Herkunft. Wer wenig hat, verliert bei schlechten Noten das Geld. Wer viel hat, verliert höchstens ein Semester. Nennt das meinetwegen Leistungsgerechtigkeit. Ich sage: Wer arm ist, darf sich keine schlechten Noten mehr leisten. Wer reich ist, schon.

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