Fast die Hälfte fällt durch die Theorie, mehr als ein Drittel durch die Praxis. Das sagt der TÜV. 2016 war die Quote schon schlecht, heute, zehn Jahre später, ist sie noch schlechter. Wer in Deutschland Auto fahren will, muss erst lernen zu scheitern, ehe er den Führerschein bekommt. Und das hat seinen Preis. Denn ein Führerschein kostet inzwischen so viel wie ein gebrauchter Kleinwagen. Zwischen 3.500 und 6.000 Euro, je nach Stadt, Fahrschule und persönlicher Begabung. Jede zusätzliche Prüfung kostet extra. Jede Fahrstunde sowieso. Der Führerschein ist kein Dokument mehr, sondern ein Finanzprojekt. Jetzt will die Bundesregierung das ändern.
Führerschein: 1.000 Kilometer mit den Eltern
Verkehrsminister Patrick Schnieder verspricht: billiger, moderner, aber genauso sicher. Die Fahrausbildung soll digitaler werden. Theorieunterricht darf künftig auch online stattfinden. Das spart Räume, Miete und vielleicht ein bisschen Geld. Der Fragenkatalog wird um fast 30 Prozent gekürzt. Statt fast 1.200 gibt es demnächst nur noch 840 Fragen, die man auswendig lernen muss.
In der Praxis wird es experimentell. Fünf Jahre lang dürfen Fahrschüler einen Teil ihrer Fahrstunden mit Eltern oder anderen nahestehenden Personen absolvieren. Mit blauem „L“-Schild am Auto und maximal 1.000 Kilometern Übungsfahrt. Voraussetzung: Theorieprüfung bestanden und sechs Pflichtstunden bei einem Fahrlehrer. Danach nochmal sechs Stunden und dann zur Prüfung.
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Auch Simulatoren sollen helfen. Weniger echte Fahrstunden, mehr Bildschirm. Außerdem werden Sonderfahrten gestrichen: weniger Autobahn, weniger Nacht, weniger Überland. Die Prüfungszeit schrumpft von 55 auf 40 Minuten. Kurzprüfung statt Langstrecke. Und weil Preise bisher ungefähr so transparent sind wie Handyverträge im Shop, sollen Fahrschulen ihre Gebühren künftig an das Ministerium melden. Vergleichsportale dürfen sie veröffentlichen. Statt Preisschildern an der Wand, CheckFührerschein24, oder so.
TÜV warnt: Es ist der falsche Weg
Der TÜV-Verband ist davon wenig begeistert. Digitalisierung ja, sagt er. Aber weniger Fragen und kürzere Prüfungen seien der falsche Weg. „Eine Fahrprüfung light darf es nicht geben“, warnt TÜV-Experte Richard Goebelt. Sonst werde die Verkehrssicherheit geopfert. „Es ist der falsche Weg, die Anforderungen an den Führerscheinerwerb zu senken.“ Denn die Kosten der Prüfung selbst machen nur etwa ein Prozent der Gesamtausbildung aus. Billiger wird der Führerschein dadurch kaum. Gefährlicher vielleicht schon. Der TÜV erinnert daran, dass die Zahl junger Verkehrstoter seit Jahren sinkt – auch wegen moderner Prüfungen und besserer Ausbildung. Weniger lernen sei kein Fortschritt.
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Besonders unverständlich findet der TÜV, dass keine verpflichtenden Lernstandskontrollen geplant sind. Wer früher prüft, ob jemand bereit für die Prüfung ist, spart Wiederholungsprüfungen. Das wäre eine echte Kostenbremse. Der Auto Club Europ (ACE) sieht aber einen anderen Preistreiber. „Entscheidend ist vor allem die Anzahl der benötigten Fahrstunden, die oft drei Viertel der Gesamtkosten ausmachen“, so die Experten. Die Reduzierung der verpflichtenden Sonderfahrten setze genau dort an. Am Ende sind sich alle einig, dass sie sich nicht einig sind. Bleibt zu hoffen, dass der Führerschein künftig keine 6.000 Euro mehr kostet und man nach Erhalt trotzdem sicher fahren kann.
