Die meisten Deutschen über 35 teilen diese kollektive Erinnerung: der erste PC in der Familie aus beige-grauem Kunststoff, ein Lüfter wie ein Haartrockner, dazu eine CD-ROM-Sammlung, die heute nicht einmal mehr als Kaffeetassen-Untersetzer taugt. Auf vielen dieser Kisten klebte ein Logo mit zwei Wörtern: Packard Bell. Dann verschwand die Marke. Acer hatte sie 2008 übernommen, ein paar Jahre weiterlaufen lassen und 2013 in Rente geschickt.
Am ersten Pressetag der IFA 2026 stand Packard Bell plötzlich wieder auf der Bühne – pünktlich zum 100. Geburtstag. Denn das Unternehmen wurde 1926 in Los Angeles gegründet, damals als Radiohersteller. Wer auf der IFA allerdings beige Kästen erwartet hat, liegt mächtig daneben. Was Acer zeigte, ist teils günstig, stellenweise ziemlich verrückt und immer grellbunt.
Packard Bell: Neun Geräte, neues Logo, ein Versprechen
Die erste Generation umfasst neun Produkte, alle mit dem Namenszusatz „Dot“, alle in Orange, Violett, Grün und Gelb – das exakte Gegenteil der biederen Optik von früher. Das neue Logo erinnert an ein paar Seifenblasen und soll irgendwie die Buchstaben „p“ und „b“ zeigen. Das neue Motto: „Tech it easy“.
Was gehört alles zum Lineup? da wäre der DotLoop, ein Plattenspieler im Kofferdesign mit USB-Anschluss, Bluetooth-Lautsprecher und Sprachsteuerung. Für 149 Euro gibt’s hier Retro-Optik aus den 70ern, aber mit RGB-Beleuchtung. Der Marktstart ist für Oktober geplant.
Klar, natürlich muss bei Packard Bell + Acer auch ein Notebook am Start sein. Auf dem Papier klingt das DotBook solide: Hier gibt’s ein 14,5-Zoll-IPS-Panel im 16:10-Format mit 1.920 mal 1.200 Pixeln und mäßig Outdoor-tauglichen 300 Nits. Maximal 16 GB RAM, bis zu 512 GB SSD-Speicher, bis zu sieben Stunden Akku, dazu noch Wi-Fi 6, Bluetooth 5.1, dreimal USB-A, einmal USB-C, HDMI und ein microSD-Kartenleser – für 499 Euro ein anständiger Anschluss-Zoo.
Dann schaut man auf den Prozessor, und die Stimmung kippt. Der Intel Core 3 N355 ist ein 15-Watt-Achtkerner aus genau jenem Billigsegment, das früher die Atom-Reihe bedient hat – kombiniert mit DDR4-Speicher, im Jahr 2026. Packard Bell verkauft das als Technik, die robust und langlebig ist, statt Performance-Idealen nachzujagen. Ändert leider nichts daran, dass es trotzdem zu teuer ist.
Ein Handy, das absichtlich nichts kann – und ein Packard-Bell-Dampfgarer
Der Rest der Familie ist interessanter als das Notebook. Das DotLine ist ein Dumb Phone mit 2,8-Zoll-Display und 2-Megapixel-Kamera – dafür läuft der Akku zwei Wochen, und das designierte Feier-Handy kostet 69 Euro. Die DotLook für 99 Euro ist eine Audiobrille mit zehn Stunden Laufzeit, wahlweise mit polarisierten Sonnengläsern oder klaren Gläsern – und ausdrücklich ohne Kamera.
Dazu kommen Kopfhörer für 29 Euro (DotBass), ein Tastatur-Maus-Set und ein Bluetooth-Speaker für je 39 Euro (DotCombo, DotTune) und ein 10-Zoll-Ringlicht für 40 Euro (DotShine). Und dann ist da noch der Steasy. Dabei handelt es sich um einen tragbaren Mini-Dampfgarer, der das Mittagessen aufwärmt. Für 199 Euro. Teurer als der Plattenspieler, teurer als Brille, Kopfhörer und Speaker zusammen – und mit „Tech it easy“ hat ein Essenswärmer nun wirklich nichts zu tun.
Wird das was mit Packard Bell?
So charmant die ganzen Produkte auch wirken und mit Retro-Charme und Anti-Doomscrolling in eine trendige Nische schlagen: Wieso Packard Bell? Die Ü40-Gruppe wird sich eher keine Audiobrille in Cyan auf die Nase setzen, die potenzielle Zielgruppe ist der Marke bestenfalls zufällig mal im Technikmuseum begegnet. Oder übersehe ich etwas?
